06/2012: Schwarmverhinderung – DAS Thema

Durch seine Ausführungen in der Mai-Ausgabe geriet unser Monatsbetrachter Dr. Marc-Wilhelm Kohfink in einen lebhaften Austausch mit Imkern, die ihn zu seiner Methode der Schwarmverhinderung sowie weiteren Aspekten seiner Bienenhaltung befragten. Da dies sicher viele Imker interessiert, haben wir für Sie die Fragen und Antworten zusammengefasst.
Frage:
Sie schreiben zur Schwarmverhinderung, dass Sie zur Brut-distanzierung alle Bienen abschlagen oder abstoßen. Aber stoßen Sie wirklich alle Bienen ab? Wie viele Bienen lassen Sie auf der Wabe?
Antwort: Ja, ich schlage oder stoße nach Möglichkeit alle Bienen in den hohen Boden mit aufgesetzter Leerzarge ab. Wenn da noch einige Bienen drauf sind, dann lasse ich sie natürlich. Sollte ich die ungezeichnete Königin entdecken, dann stoße ich keine Waben mehr ab, sondern hänge sie nach unten. Das Abstoßen erspart die Suche nach der Königin und stellt sicher, dass ich keine Weiselzelle übersehe. Die Weiselzellen werden natürlich ausgebrochen.

Frage: Aber wie stellen Sie sicher, dass genügend Bienen für Brutpflege und Wärmen der Brut bei den Brutwaben sind, wenn Sie die Königin nicht zufällig sehen und alle Waben abstoßen?
Antwort: Die Bienen wandern ganz schnell durch das Absperrgitter und den Honigraum nach oben, um die über dem Honigraum hängende Brut zu pflegen. Innerhalb einer Stunde ist da oben alles voller Bienen. Probieren Sie es einfach einmal aus.

Frage: Macht es Sinn, die beiden unteren Brutzargen dann mit Leerwaben, so man genügend hat, aufzufüllen? Oder soll man einen Mix aus Mittelwänden und Leerwaben machen? Oder doch nur Mittelwände einsetzen? Und was machen Sie mit den oben dann zwangsläufig eingesperrten Drohnen? Ab und zu mal den Deckel aufmachen, damit diese ins Freie kommen?
Antwort: Ich fülle die unteren Brut-zargen immer mit Mittelwänden. Im Grunde handelt es sich bei der Methode ja um einen vorweggenommenen Schwarm. Unten sitzt die (alte) Königin mit den ganzen Flugbienen. Über dem Absperrgitter und dem Honigraum befindet sich (fast) die ganze Brut – allerdings ohne Weiselzelle. Ich kann mir gut vorstellen, dass Sie auch Leerwaben nutzen können. Durch die zwei Brutwaben, die unten hängen bleiben, vermeiden Sie, dass die Bienen doch noch schwärmen.
Die Drohnen fliegen in der Tat ab, wenn man den Deckel lupft. Die hochgehängten Brutwaben nehme ich nach und nach zur Ablegerbildung. Dabei können die Drohnen auch abfliegen.

Frage: Was spricht dagegen, die hochgehängte Brut vollständig schlüpfen zu lassen, oder nur eine oder zwei Brutwaben für eine Ablegerbildung zu entnehmen?
Die vollständige Entnahme der Brutwaben wird das Volk doch spürbar schwächen!
Antwort: Natürlich können Sie die Brut vollständig schlüpfen lassen oder nur wenige Brutwaben entnehmen. Meine Erfahrung ist, dass die Völker noch einmal in Schwarmstimmung kommen können, wenn Sie die Brutdistanzierung sehr früh in der Saison machen – also z. B. Anfang Mai. Wenn alle Bienen geschlüpft sind, ist die Beute ja wieder brechend voll.

Frage: Ich habe verstanden, dass Sie zur Schwarmverhinderung dem Volk alle Brutwaben ohne aufsitzende Bienen entnehmen und sie in einem leeren Kasten sammeln.
Die abgekehrten Bienen (samt Königin?) kommen in die zwei früheren Bruträume, die auf dem Bodenbrett stehen. Neben jeweils zwei Futterwaben und je einer Wabe mit offener Brut (sollen diese als eine Art Bannwabe dienen?) wird der restliche Raum mit Mittelwänden aufgefüllt. Darüber wird über dem Absperrgitter der Honigraum aufgesetzt und darauf der Kasten mit den gesammelten Brutwaben. Besteht aber nicht die Gefahr, dass die Bienen, die sich nun von der Königin abgeschnitten fühlen, in diesem Kasten neue Weiselzellen anziehen?
Antwort: Genau so mache ich das – siehe Abbildung. Die Bienen bilden keine Nachschaffungszellen. Offensichtlich nehmen sie den Duft der Königin noch wahr, obwohl sich diese tief unter dem Honigraum aufhält. Probieren Sie es aus. Es funktioniert sicher auch bei Ihnen.

Frage: Zur Königinnenvermehrung machen Sie einen Anbrüter. Ich nehme an, dieser bleibt am selben Stand und das Flugloch ist verschlossen während der zweitägigen Anbrüte-Zeit?
Antwort: Ja, genau so mache ich das. Weil die Bienen im Anbrüter eingesperrt sind, fliegen sie nicht mehr zurück. Nach zwei Tagen gebe ich die Bienen wieder in den Honigraum zurück.

Frage: Sie schreiben, dass Sie großstadtkompatible Bienen züchten. Warum zeigen Sie sich dann beim Bearbeiten unter Vollschutz mit Schleier und Handschuhen? Ich führe selbst einen Schnupperkurs mit 15 Jungimkern durch und versuche, die Sensibilität für die Biene hautnah erleben zu lassen. Klar ist, ein Stichschutz gehört in die Arbeitskiste, er wird aber nur in besonderen Lagen benutzt.
Antwort: Ich weiß wohl, dass viele Imker aus Gründen der öffentlichen Wirkung keinen Vollschutz anlegen. Sie fürchten, dass damit bei Außenstehenden der Eindruck erweckt wird, dass Bienen gefährlich sind. Bei meinen Imkerkursen trage ich auch keine Schutzbekleidung, damit meine Imkerschüler sehen, dass unsere Bienen wirklich friedlich sind. Wenn wir aber keine Imkerschüler haben, tragen alle Praktikanten, Angestellten und ich selbst aus Gründen des Arbeitsschutzes Vollschutz. Dazu gehören dann nicht nur die Imkerschutzbekleidung, sondern auch Stahlkappenschuhe. Das wird nicht nur bei uns so gehandhabt, sondern, soviel ich weiß, ist es in allen Erwerbsimkereien üblich.

Frage: Sie beschreiben mehrmals das Abschlagen von Brutwaben. Ob Königin oder Arbeitsbiene, die Empfindsamkeit bei der Metamorphose ist doch bei beiden gleich.
Antwort: Vielen Dank für Ihren Hinweis. Ihre Befürchtungen kann ich indes nicht bestätigen. Wäre es so, dass Erschütterungen die Bienenbrut nachhaltig schädigen würden, dann wären z. B. Wanderungen mit Bienen nicht möglich. Dr. Liebig hat darauf hingewiesen, dass die Weiselzellen weit weniger empfindlich sind, als gemeinhin angenommen wird. Sonst würde, so meinte er, „ein Tritt gegen den Kasten“ eine wirksame Methode gegen unerwünschtes Schwärmen sein.
Marc-Wilhelm Kohfink