07/2010: Hilfe, mein Honig ist zu feucht!

Frage:
Anfang Juni habe ich geschleudert. Der zuvor in den nicht verdeckelten Honigzellen gemessene Wassergehalt betrug 16,5 % – also waren keine Probleme zu erwarten. Das böse Erwachen kam beim Entdeckeln der verdeckelten Waben bzw.Wabenteile: Wie Wasser lief der Honig heraus, die Messung ergab 23,5 %!
Was mache ich nun mit diesem „Honigwasser“? Kann man es füttern, damit die Bienen das Wasser entziehen, oder gibt es noch andere Lösungen? Einige Imkerkollegen haben das Problem auch.
Albert Prescher, Imkerverein Fulda
albert.prescher@arcor.de

Antwort:
Was Sie beschreiben, ist heuer leider kein Einzelfall, wobei ich nicht vermutet hätte, dass so hohe Werte herauskommen – mit 19 bis 19,5 % kann man schon hin und wieder rechnen. Grundsätzlich sollte man sofort mit der Schleuderung aufhören, wenn der Honig im Sieb keinen Kegel bildet. Und natürlich beim Schleudern gleich den ersten Honig und mindestens den zweiten bis dritten Eimer noch einmal mit Refrakto-meter kontrollieren.
Ja, Sie können den Honig jetzt nochmals verfüttern, damit er von den Bienen umgearbeitet wird und die erforderliche Reife bekommt. Dabei müssen Sie natürlich mit Umarbeitungsverlust rechnen. Sie können den Honig auch erstmal einfrieren (sonst beginnt er zu gären) und erst Ende Juni verfüttern. Also quasi erst zum Ende der Tracht noch dazugeben und nachbearbeiten lassen. Als letztes kann man den Honig auch an Jungvölker verfüttern. Dies aber erst, wenn die Königin in Eiablage ist, und nur abends, damit keine Räuberei aufkommt. Ob Sie den Honig im Futtertrog oder in einer Futtertasche verfüttern, ist zweitrangig.
Falls Sie noch einen Teil nicht geschleudert haben, wäre es gut, die Waben zu entdeckeln bzw. zumindest aufzuritzen (Entdeckelungsgabel) und wieder einzuhängen. Es besteht dann zwar auch die Gefahr, dass eingetragener Rapshonig ggf. auskristallisiert. Letztlich ist zu feuchter Honig aber um ein Vielfaches schlechter als verstopfte Siebe oder nicht vollständig schleuderbare Waben!
Grundsätzlich ist zu beachten, dass man mit den üblich genutzten Merkmalen der Honigreife, wie Spritzprobe und Verdeckelungsanteil, mächtig danebenliegen kann. Daher niemals Honig ohne Messung oder gar mit kritischen Werten schleudern! Wer kein Refraktometer hat, sollte es sich zumindest beim Verein oder Kollegen zur Kontrollmessung ausleihen.
Fachberater für Bienenzucht,
Bruno.Binder-Koellhofer@llh.hessen.de