07/2011: Wieso Anzeigen für Perizin und Bayvarol?

Zwei Leser äußerten sich empört am Telefon, dass wir Anzeigen für Perizin und Bayvarol in der Juni-Ausgabe veröffentlicht hätten, obwohl wir doch sonst die organischen Säuren und Thymolpräparate zur Varroabekämpfung propagierten. Sie und ihre Imkerkollegen wären entsetzt, da sie mit den Folgen derartiger Mittel zu kämpfen hätten und ökologisch imkern wollten bzw. der Anzeigentext suggeriere, dass man die Mittel ganzjährig anwenden könne.
Als Redaktion steht es uns frei, bestimmte Varroabehandlungmethoden als mehr oder weniger geeignet zu bewerten, sachlich fundierte Beiträge für unsere Leser aufzubereiten und dafür verantwortlich zu zeichnen. Die Verantwortlichkeiten für Anzeigen liegen jedoch beim jeweiligen Inserenten. Solange sie nicht geltende Gesetze oder ethische Grundregeln verletzen, kann man sie nicht so ohne Weiteres ablehnen. Um die aufgeworfenen Fragen von einem unabhängigen Bienengesundheitsexperten bewerten zu lassen, baten wir Dr. Friedrich Pohl, den Autor des Buches „Varroose erkennen und erfolgreich bekämpfen“, um eine Stellungnahme:

Die in den beiden Anzeigen – für Perizin und Bayvarol – empfohlenen Anwendungssituationen und -zeitpunkte sind gut gewählt. Bei Kunstschwärmen (die im selben Jahr nicht zur Ernte genutzt werden) im Frühjahr bei nackten Bienenvölkern im Spätsommer und zur Winterbehandlung sind Varroabehandlungen angebracht und auch in den gängigen Varroabehandlungskonzepten empfohlen worden.
Jeder gut informierte Imker weiß jedoch auch, dass die beiden beworbenen Varroazide an Beliebtheit verloren haben, da sie Nachteile aufweisen:
– Gefahr der Rückstandsbildung in den Bienenprodukten, insbesondere im Wachs und somit in den Mittelwänden. Für die Bioimkerei sind diese Mittel auch deshalb nicht zulässig!
– Gefahr der Resistenzbildung bei den Milben gegenüber den Wirkstoffen.
Dies sind ernst zu nehmende Argumente. Deshalb sind beide Medikamente seit langem nicht mehr „Mittel der Wahl“. Man darf sie zwar benutzen und kommt so der Behandlungspflicht gemäß Bienenseuchen-Verordnung nach, doch gibt es bekanntlich gute Alternativen, die im Wachs keine Rückstände hinterlassen:
– Ameisensäure in Völkern mit Brut – das einzige Medikament, das auch in verdeckelter Brut wirkt!
– Milchsäure – eher bei Ablegern oder Völkern ohne verdeckelte Brut.
– Oxalsäure für brutlose Völker, wie z. B. Kunstschwärme, nackte Völker (ohne Brut/ohne verdeckelte Brut) und bei der Winterbehandlung.
Bei der Anwendung von Thymol muss die Gefahr von Rückständen im Wachs sehr wachsam beobachtet werden! Bei Ameisen-, Milch- und Oxalsäure sind Rückstände im Wachs bei sachgerechter Anwendung auszuschließen.
Die meisten Imker behandeln mit den organischen Säuren (auch für Bioimkereien zugelassen), die landläufig als „weiche Chemie“ bezeichnet werden. Nur noch wenige andere Imker behandeln mit den beiden oben genannten Produkten – was rechtlich in Ordnung ist. Die Imkerfachzeitschriften halten die Leser auf dem Laufenden, auch was die Varroabekämpfung angeht. Jeder Leser kann und sollte sich daher über diese Werbung eine eigene Meinung bilden.
Dr. Friedrich Pohl (Bremen)
Dienstanschrift: Friedrich.pohl@veterinaer.bremen.de