08/2012: Warum Ableger flüssig füttern?

Frage: Warum soll man Ableger, nachdem die Königin in Eiablage ist, flüssig füttern und nicht Futterteig verwenden?
Arnold Flach, 36396 Steinau

Antwort: Futterteig ist Puderzucker plus Invertzuckerlösung (z. B. Apiinvert) oder bestenfalls ein mit 3 kg Honig und 10 kg Puderzucker selbst gemischter Futterteig. Für mich gibt es fünf plausible Gründe, warum man Ableger damit nicht füttern sollte:
1. Damit Volkseinheiten Futterteige gut abnehmen können, braucht es einen dichten Pelz an Bienen, was ein Ableger normalerweise nicht hat.
2. Bei geringem Abtrag lebt der Ableger „von der Hand in den Mund“ und baut keine nennenswerten Vorräte auf.
3. Die Bauleistung der Bienen ist bei Futterteig geringer.
4. Statt Pollen einzutragen, sind die Bienen mit der Verflüssigung des Futterteiges beschäftigt.
5. Zuckerwasser ist zudem auch billiger und meist einfacher zu verabreichen – z. B. im aufgeschnittenen Tetrapak.

Anders ausgedrückt: Bei der Gabe von flüssigem Futter (3 : 2 Zucker zu Wasser) wird sofort ein Futterpolster aufgebaut, die Bienen bauen, die Bruttätigkeit wird angeregt, und die (relativ wenigen) Flugbienen können sich aufs Pollensammeln konzentrieren.
Futterteig ist gut für Altvölker, bestenfalls für Jungvölker, die wenigstens einräumig sind! Allgemein wird ein selbst gemischter Futterteig mit Honig besser abgenommen als ein Fertigfutterteig, weshalb man ihn gerne für Begattungskästchen verwendet.
Bruno Binder-Köllhofer
Fachberater für Bienenzucht
Bruno.Binder-Koellhofer@llh.hessen.de