09/2010: Ist eine Varroabehandlung von Brutsammlern bei Tracht möglich?

Frage:
Mit Beginn unserer Haupt-Frühjahrstracht, der Himbeere, hatte ich in diesem Jahr Mitte Juni Fluglinge und Brutsammler hergestellt. Eine Wald- und Tautracht war zu diesem Zeitpunkt nicht zu erwarten. Die Fluglinge entwickelten sich gut und haben sehr viel Honig eingetragen. Die Brutsammler wollte ich dann Anfang Juli sanieren, sprich gegen die Varroa behandeln.
Ich habe also in der ersten Juliwoche die reinen Honigwaben der Brutlinge geschleudert, da sie sehr, sehr viel Honig gesammelt hatten (hauptsächlich aus der Linde). Aber sie sammelten sehr fleißig weiter. Ich wollte daher warten, bis alle Brut ausgelaufen war, um diese Waben auch noch zu schleudern – natürlich nur, sofern sich keine frische Brut darin befand. Wie und wann saniert man starke brutlose Brutableger, wenn weiterhin ein starkes Trachtangebot vorherrscht? Soll man erst den Honig sämtlich schleudern und dann behandeln – oder geht es auch vorher? Ist ein nach der Behandlung eingetragener Honig denn noch „verkehrsfähig“?
Anja Schneider-Happel
Imkerverein Breidenbach
Anja.schneider-happel@t-online.de

Antwort:
Ihre Brutentnahme war vielleicht etwas früh. In Ihrer Region, in Mittelhessen, ist erfahrungsgemäß Anfang Juli mit dem Trachtende zu rechnen. Etwa zwei Wochen davor, bei Ihnen etwa Ende Juni, wäre wohl der günstigste Zeitpunkt für diese Aktion gewesen.
Bevor man die Brutsammler behandelt, sollte man deren Brutstatus kontrollieren: Sind schon erste Eier abgelegt, dann hat man insgesamt 7 Tage Zeit für eine Behandlung. Findet man kleine Larven, sind es knapp 5 Tage (die Milben dringen im Rundmadenstadium kurz vor dem Verdeckeln in die Zellen ein).
Da der Honig nach einer Behandlung tatsächlich nicht verkehrsfähig ist, sollte man zuvor alle reifen Honigwaben entnehmen und die unreifen nach dem Abstoßen der Bienen auf die Fluglinge aufsetzen. Alternativ kann man den Honig den Völkern einfach als Winterfutter belassen.
Da zur Ameisensäurebehandlung kein frisch eingetragenes Futter im Volk sein sollte, wäre es immer besser, mit der Behandlung bis zum Trachtende abzuwarten. Alternativ kann man die Brutsammler an einen Standort ohne Nektareintrag verstellen. Sind zum Behandlungszeitpunkt bereits gedeckelte Brutzellen vorhanden, müssen Brutsammler wie normal brütende Völker über 12 bis 16 Tage mehrfach oder mit einem Langzeitverdunster mit Ameisensäure behandelt werden.
Bruno Binder-Köllhofer