10/2011: Auszeichnung

Frage:
In Ihrer Ausgabe 9/2011 habe ich zum Artikel „Das Aus für kaltgeschleudert“ von Dr. Werner von der Ohe eine Frage. Er schreibt: „Erntet man aus den Bienenvölkern reifen Honig, gewinnt und bearbeitet diesen bis zur Abfüllung ins Glas schonend, werden im Normalfall auch die für ,Premium‘ geforderten Qualitätswerte erfüllt. Nichtsdestotrotz sollte … jeder Imker seine Honiggewinnungspraxis von Zeit zu Zeit durch eine Honiguntersuchung überprüfen …“ Verstehe ich den Autor richtig, dass man seinen Honig bei sorgsamer und schonender Gewinnung/Behandlung ungeprüft mit dem Prädikat „Premium“ ausweisen kann und dies nur von Zeit zu Zeit mit einer Honiguntersuchung untermauern muss?
Andreas Scholz, 53639 Königswinter

Antwort:
Zugegeben, die Formulierung „von Zeit zu Zeit“ bedarf einer Präzisierung. Auf das für die Beantwortung der Frage Wichtige, nämlich die Berücksichtigung der Lagerbedingungen, wird im darauf folgenden Absatz des Beitrages hingewiesen. Konkreter gesagt: Honig ist nicht unbegrenzt haltbar. Bei sachgerechter Lagerung (kühl, trocken, dunkel) kann von einer längeren Haltbarkeit ausgegangen werden. In einem Forschungsprojekt zur Honiglagerung werden unterschiedliche Honige unter diversen Bedingungen gelagert. Am Ende des dreijährigen Projektes werden wir bzgl. der Qualitätsparameter von Honig aus dem Datenpool, bezogen auf die Lagerbedingungen, die zu erwartenden Werte bzw. Grenzüberschreitungen berechnen können.
Nach unseren bisher gemessenen Daten ist ein Honig bei 15 °C Lager- temperatur auch nach 76 Wochen unverändert. Bei zu warmer Lagerung (über 15 °C) verändert sich Honig in Abhängigkeit von der Höhe der Temperatur. Hierbei nimmt die Enzymaktivität ab und der HMF-Gehalt steigt. So entsprachen in unseren Versuchen zur Honiglagerung z. B. drei Versuchshonige bei 20 °C Lagertemperatur bereits nach einem Jahr nicht mehr der D.I.B.-Warenzeichensatzung (bisher unveröffentlichte Daten). Erst wenn man mindestens einmal die Honigschiene von Ernte bis Abfüllung seiner Imkerei überprüft hat, kann man aus den Untersuchungsdaten ein Risikoszenario erstellen. Grob gesagt: Sind die Daten unbefriedigend, bedarf es der Optimierung der gesamten Arbeitsschritte (Ernten, Lagern, Abfüllen des Honigs) und einer direkt folgenden erneuten Qualitätsüberprüfung. Sind die Daten zufriedenstellend, muss spätestens nach durchgeführten Änderungen (Betriebsweise, neue Geräte, neue Räumlichkeiten etc.) eine erneute Überprüfung erfolgen. Dies gilt selbstverständlich auch, wenn äußere Einwirkungen vorliegen oder Unvorhergesehenes geschehen ist. Wenn man die Chance des Herauslobens und damit einhergehend gute Preise nutzt, sollte man auch seiner Sorgfaltspflicht nachgekommen sein und sich nicht auf Durchschnittswerte verlassen.
Dr. Werner von der Ohe, Institut für Bienenkunde Celle
Herzogin-Eleonore-Allee 5, 29221 Celle