12/2010: Trotz guter (?) Tracht fast verhungert!

Frage:
Ein Imkerkollege berichtete mir, dass seine Völker mitten im Raps standen und dennoch fast verhungert sind. Dagegen seien die Völker seines Kollegen, die einige hundert Meter entfernt in einem anderen Rapsfeld standen, fast übergequollen mit Honig. Womit hängt das zusammen? Bodenbeschaffenheit? Rapssorte? Und was muss ich im Voraus abklären, wenn ich einen möglichst guten Ertrag erzielen möchte?
Esther Woll, (Saarlouis)

Antwort:
Raps ist eine sehr zuverlässige Trachtquelle, Nektar und Pollen sind in großen Mengen vorhanden. Immer wieder berichten Imker aber davon, dass der Raps an einem Standort nicht gehonigt hat. Als Ursache werden Sortenunterschiede vermutet. Allerdings haben zahlreiche Untersuchungen gezeigt, dass es zwar geringfügige Sortenunterschiede gibt, in der Regel aber die Nektarmenge dennoch so groß ist, dass sie von den Bienen kaum vollständig genutzt werden kann.
Neben der Sorte spielen vor allem regionale Unterschiede eine Rolle: Bei Trockenheit und sehr windigem Wetter trocknet der Nektar, der überwiegend vormittags von den Blüten abgegeben wird, ein und ist dann für die Bienen nicht mehr verfügbar. Die Folge ist, dass die Bienen nachmittags weniger oder kaum Nektar eintragen – das bekommt der Imker in zweifacher Hinsicht zu spüren: Der Ertrag ist geringer, und die Bienen sind nachmittags unruhiger und stechlustig.
Die von Ihnen beschriebene Situation, dass Völker im Raps fast verhungert sind und einige hundert Meter weiter Völker überquellen, ist allerdings sehr ungewöhnlich. Denn wenn die Völker auch den Raps vor der eigenen Haustür nicht nutzen können, so nutzen sie die Tracht im weiteren Umfeld, die zur Zeit der Rapsblüte immer vorhanden ist.
Denkbar ist einerseits, dass die Völker sehr schwach ausgewintert haben und noch Entwicklungszeit im Raps benötigten oder andererseits, dass die Völker auf Grund von Krankheiten oder einer Vergiftung geschädigt waren. Dies lässt sich aber im Nachhinein nicht mehr feststellen.
Dr. Ingrid Illies • E-Mail: ingrid.illies@lwg.bayern.de