12/2012: Ist Etofenprox für Bienen gefährlich?

Frage:
Mitte Mai beobachtete ich starken Totenfall bei einem Volk und zwei Ablegern. Die chemische Analyse der eingesandten Proben am Julius Kühn-Institut ergab, dass der Wirkstoff Etofenprox in Spuren (Gehalt: 0,0001 µg je Biene) nachgewiesen werden konnte. Der Landwirt gibt zu, dass er Trebon 30 EC mit dem Wirkstoff Etofenprox gespritzt hat. Auch ein benachbarter Imkerkollege hatte in dieser Zeit viele Krabbler vor seinen Bienenvölkern.
Bis Saisonende hatten sich die Bienen wieder erholt, doch Anfang Oktober trat wieder Totenfall auf. Vermutlich wurden in letzter Zeit die eingetragenen Pollen vom Mai dieses Jahres an die Brut verfüttert. Es fällt auf, dass Bienenbrut in den Zellen abstirbt oder die schlüpfenden Bienen sehr klein sind. Auch der Vorrat an Winterfutter ist zu gering. Vergleichsvölker sind sehr gut versorgt.
Joseph Haslbeck, Parkstetten

Antwort:
Wenn ein Schaden durch Eto-fenprox auftritt, dann ist kurzzeitig erhöhter Totenfall die Folge (und gegebenenfalls eine akute Schwächung der Völker durch den Bienenverlust), so wie es von Ihnen im Frühjahr beobachtet wurde. Die für den Oktober beschriebenen Symptome lassen sich jedoch nicht durch das Ereignis im Frühjahr erklären. Zahlreiche Untersuchungen über den Pollenumsatz der Völker im Jahresverlauf (z. B. von Dr. Gerhard Liebig) haben gezeigt, dass dieser so hoch ist, dass im Oktober kein Pollen vom Mai mehr vorhanden ist. Die Vermutung einer Vergiftung aus dem Pollenvorrat erscheint daher nicht plausibel. Der Wirkstoff ist zudem nicht sehr beständig. Selbst wenn noch einzelne belastete Pollenzellen vorhanden wären, hätte die Wirkstoffkonzentration daher deutlich abgenommen. Die beschriebenen Effekte können mit Sicherheit nicht in Zusammenhang mit dem Wirkstoff bzw. anderen Pflanzenschutzmaßnahmen gebracht werden, da die Schadsymptome völlig anders sind.
Die Beobachtung kleiner Bienen hat nichts mit einer Vergiftung durch Pflanzenschutzmittel zu tun, sondern ist entweder eine Folge von zu häufig bebrüteten Zellen (was man bei guter imkerlicher Praxis jedoch ausschließen kann) oder einer Infektion mit Viren, wodurch eben ein verkürzter Hinterleib beobachtet werden kann.
Die Probleme mit den stehengebliebenen Zellen und der mangelnden Futterabnahme sind ebenfalls nicht auf Trebon mit dem Wirkstoff Etofenprox zurückzuführen. Hier scheint es wahrscheinlicher, dass Varroa oder andere krankheitsbedingte Probleme vorliegen. Insofern wäre in solchen Fällen immer eine gleichzeitige Begutachtung der Völker durch einen Bienensachverständigen sicherlich sinnvoll und ratsam.
Das Insektizid Trebon, das im Raps gegen Schädlinge, wie z. B. den Rapsglanzkäfer, eingesetzt wird, ist bei sachgerechter Anwendung unschädlich für Bienen. Etofenprox-haltige Pflanzenschutzmittel dürfen in der zugelasse­nen Aufwandmenge daher in blühenden oder von Bienen beflogenen Kulturen abends nach dem täglichen Bienenflug bis 23 Uhr ausgebracht werden (Kennzeichnungsauflage: NB6621). Nur wenn das Mittel nicht gemäß der Anwendungsbestimmungen, z. B. tagsüber während des täglichen Bienenflugs auf von Bienen beflogene Pflanzen, ausgebracht wird und Bienen direkt übersprüht werden, kann es zu kurzzeitig erhöhtem Totenfall kommen.
Jens Pistorius
Julius Kühn-Institut, Braunschweig
Messeweg 11-12
38104 Braunschweig
E-Mail jens.pistorius@jki.bund.de