5/2009 Sind Appartements für Wildbienen besser geeignet als Hotels?

Frage:
In der Ausgabe 3/09, Seite 25, wurde das Buch „Wildbienenhotel“ vorgestellt. Nun habe ich gehört, dass derartige Wildbienenwohnungen in „Hotelform“ denkbar schlecht geeignet wären, da Wildbienen Einzelgänger sind. Sie würden bei solcher Massierung Stress ausgesetzt, und Krankheiten könnten sich auch sehr gut verbreiten. Von daher wären „Bienenhotels“ schön anzusehen und gut für die Presse, aber für ihre Bewohner umweltunfreundlich. Mit dem Interesse an unseren Wildbienen stehe ich sicher nicht allein da und bitte Sie daher, dieses Thema einmal genauer zu beleuchten bzw. zu erforschen.
Gisbert Stöber, Urbanusweg 2, 97729 Ramsthal

Antwort:
Nach meinen langjährigen Beobachtungen sind die Bienenhotel-Bewohner keinem nenneswerten Stress ausgesetzt. Die nistenden Wildbienen-Weibchen haben offenbar ein sehr gutes Ortsgedächtnis, da sie beim Pollentransport gezielt ihre Brutröhre anfliegen und sich nur ganz selten einmal in der „Türe“ irren. Pilze und Bakterien, welche die Nahrungsvorräte bzw. die sich entwickelnden Bienen befallen, dürften die wichtigsten Verursacher von Brutverlusten sein, doch haben die meisten Bienenarten wirksame Mittel gegen den Befall durch Mikroorganismen entwickelt. Auch leben Solitärbienen nicht in Gemeinschaftsnestern, wo sich Pilze und Bakterien rasch auf alle Brutzellen ausbreiten.
Bienenhotels sind somit nur in einer Hinsicht wirklich problematisch: Bleiben sie im Winter ohne jeglichen Vogelschutz, werden sie von hungrigen Meisenschnäbeln systematisch ausgeräumt. Der ursprünglich beabsichtigte Schutzeffekt verkehrt sich damit ins krasse Gegenteil: Die Nisthilfen werden zur tödlichen Falle, da hier die Brutzellen in einer Dichte und Konzentration vorliegen, wie sie in der freien Natur nie erreicht wird. Eine Sicherung des Bienenhotels mit engmaschigen Drahtgeflechten oder Kunst- faser-Netzen ist daher unerlässlich.
Helmut Hintermeier, Ringstraße 2, 91605 Gallmersgarten