6/2009: Gibt es bei Bienen eine Wundheilung?

Frage:
Kann eine Stichwunde am Bienenkörper wieder zuheilen? Wenn die Varroamilbe die Biene ansticht, um das Bienenblut zu saugen, heilt diese Wunde wieder zu oder bleibt sie offen, so dass Krankheitserreger eindringen können?
Helmut Altmeyer
Saarbrückerstraße 69, 66346 Püttlingen

Antwort:
Insekten und somit auch Honigbienen können in jedem Alter Verletzungen der Außenhaut reparieren. Dabei spielen neben humoralen vor allem zelluläre Reaktionen eine große Rolle. So sammeln sich Zellen am Rand der Wunde, um einen Austritt des Bienenblutes zu stoppen. Danach baut sich durch wiederholte Zellteilungen die Haut wieder auf und die Wundheilung ist abgeschlossen.
Die Varroamilbe fügt nicht nur erwachsenen Bienen, sondern auch der Bienenbrut Wunden zu, über die sie Bienenblut saugen kann. In der späten Larvenphase (L5) und bei Vorpuppen reißen die Milben mit ihren sägeförmig ausgebildeten Mundwerkzeugen über den gesamten Körper verteilt in die noch weiche Haut der Bienenbrut etwa 50 eintausendstel Millimeter (0,05 mm) große Wunden, die aber bald verheilen. Im Puppenstadium wird die am vorderen Hinterleib der Drohnenpuppe bzw. am Brustabschnitt der Arbeiterinnenpuppe zugefügte Wunde dagegen durch wiederholtes Saugen der Milben und vermutlich auch durch chemische Prozesse offen gehalten. So können sich auch die Nachkommen der Milben (Nymphen) ernähren, deren Mundwerkzeuge nicht geeignet bzw. zu schwach sind, um die Puppenhaut zu verletzen. Die Wunde vernarbt bei der Parasitierung mit einer Muttermilbe noch vor dem Schlupf der Biene. Bei Mehrfachparasitierung, wie es bei Drohnenbrut und in der letzten Phase der Varroose auch in Arbeiterinnenbrut häufig vorkommt, verläuft die Wundheilung dagegen langsamer und oft unvollständig. Diese Wunden sind mit bis zu 300 eintausendstel Millimeter (0,3 mm) Durchmesser deutlich größer.
Über offene Wunden können Krankheitserreger wie Bakterien und Pilze in den Bienenkörper gelangen. Da die Varroamilbe selbst Überträger (Vektor) von Viren und Bakterien ist, können diese bei jedem Saugakt in den Bienenkörper geschleust werden. Hierdurch werden die Bienen anfälliger und ihre Lebenserwartung deutlich kürzer.
Dr. Wolfgang Ritter, Freiburg
www.bienengesundheit.de