Ändert sich 2007 der Umsatzsteuersatz für Imker?

Frage: Inwieweit ändert sich der Umsatzsteuersatz, den wir Imker auf einer Rechnung ausweisen können, durch die MwSt.-Erhöhung zum 1. Januar 2007? Was ist diesbezüglich darüber hinaus zu beachten?
Philipp Elsässer
Carl-Hilt-Straße 27A, 52134 Herzogenrath

Antwort:
Anstelle des bisherigen Umsatzsteuersatzs von 9 % für Imkereiprodukte gilt ab 2007 ein Umsatzsteuersatz von 10,7 % (§ 24 Abs. 1 Nr. 3 UstG). Diesen darf der Imker beim Honigverkauf in seinen Rechnungen ausweisen. Dabei muss eine Rechnung gemäß § 14 Abs. 4 UStG folgende Angaben enthalten:
– vollständigen Namen und Anschrift des Unternehmers (Imkers) und des Leistungsempfängers bzw. Kunden
– die vom Finanzamt erteilte Steuernummer oder die vom Bundesamt der Finanzen erteilte Umsatzsteuer-Identifikationsnummer; es kann auch die Arbeitnehmersteuernummer ausgewiesen werden
– das Ausstelldatum
– eine Rechnungsnummer
– Menge und Art der gelieferten Ware
– Zeitpunkt der Lieferung der Ware bzw. Vereinnahmung des Entgeltes im Voraus vereinbarte Entgeltsminderungen (z. B. Skonto etc.).
– das nach Steuersätzen aufgeschlüsselte Entgelt (10,7 % bei Honig, Wachs, Pollen und 19% bei Met, Likör, Kerzen und anderen verarbeiteten Produkten)
– den anzuwendenden Steuersatz je Artikel sowie den auf das Entgelt entfallenden Steuerbetrag (z. B. 50 Glas Honig à 6,00 € = 300 € zuzügl. 10,7 % MwSt. = 32,10 € ergibt Endbetrag von 332,10 €),
– Hinweis auf die zweijährige Aufbewahrungspflicht.
Das UStG lässt es auch zu, dass nicht der leistende Unternehmer/Imker durch Rechnung, sondern der Leistungsempfänger/ Kunde durch Gutschrift mit Steuerausweis abrechnet. Wobei der Imker in der Regel nicht Gutschriftempfänger (§ 14 Abs. 2 Satz 2 UStG) sein wird, weil er die Abrechnungsgrundlagen (Menge und Preis) bei der Lieferung vorliegen hat. Ausnahme wäre z. B. die Lieferung von Gebinden (Eimern/Hobbocks) mit einem dem Imker nicht genau bekannten Gewicht an Honig zu einem Preis von X Euro pro Kilogramm. In diesem Fall kann der Imker nicht abrechnen, weil er die genaue Menge nicht weiß. Der Abnehmer ermittelt z. B. beim Abfüllen die Menge und kann dann aufgrund des vereinbarten Kaufpreises die erhaltene Lieferung per Gutschrift abrechnen.
Die auf den Rechnungen ausgewiesene Umsatzsteuer muss der Imker im Normalfall nicht mit der Vorsteuer seiner Einkäufe verrechnen und damit die Differenz auch nicht ans Finanzamt abführen. Imkerei zählt nämlich zu den land- und forstwirtschaftlichen Betrieben, und dort wird die Umsatzsteuer von anfallenden Umsätzen nach Durchschnittssätzen berechnet – es sei denn, der Unternehmer verzichtet darauf. Im Falle der Imkerei wird die Vorsteuer gem. § 24 Abs. 1 Satz 3 UStG in Höhe der Umsatzsteuer von 10,7 % geschätzt. Danach sind Umsatzsteuer und Vorsteuer gleich hoch und ergeben eine zu zahlende Umsatzsteuer von 0,00 Euro.
Weist der Unternehmer/Imker allerdings einen zu hohen Steuerbetrag in seiner Rechnung aus, schuldet er den Mehrbetrag und müsste diese Differenz abführen (§ 14 c Abs. 1 Satz 1 UStG).
Problematisch kann auch der Zukauf von artgleichen Produkten (Honig, Wachs) und artfremden Produkten (Imkerzubehör, Dekorationsartikel und dergleichen) sein. Liegt ein einheitlicher land- und forstwirtschaftlicher Betrieb vor, erstreckt sich die Durchschnittssatzbesteuerung sowohl auf Umsätze der zugekauften Erzeugnisse wie auch auf aus land- und forstwirtschaftlichen Erzeugnissen hergestellte Gegenstände (Kerzen aus eigenem Wachs, Met). Die Frage des Zukaufs und der Weiterverarbeitung kann je nach Anteil am Gesamtumsatz aus ertragssteuerlicher Sicht problematisch sein und ist daher mit Vorsicht zu betrachten. In kritischen Fällen sollte man einen Steuerberater beteiligen!
Der Imker kann auf die Angabe der Umsatzsteuer in Rechnungen auch verzichten. Abnehmer, die die Imkerprodukte nicht für den persönlichen Bedarf, sondern als Handelsware kaufen, haben dann allerdings keinen Vorsteuerabzug. Händler erwarten daher, dass eine Rechnung die oben genannten Angaben enthält.
Cord Henry Lankenau
Heckenweg 9, 27283 Verden