Allergisch gegen Propolis. Wie sollen Imker damit umgehen?

Frage: Im Laufe des Jahres 2002 hat sich bei mir eine Propolisallergie entwickelt. Immer sind meine Hände betroffen. Zunächst hat es mit Hautrötung und Jucken begonnen. Aber schon bald haben sich auf meinen Händen schmerzhafte Risse gebildet. Die Haut trocknet aus und platzt auf.
Ein Allergietest beim Hautarzt hat meinen Verdacht bestätigt. Seine Empfehlung: „Suchen Sie sich ein anderes Hobby. Gegen Kontaktallergien können wir nichts machen.“
Damit habe ich mich nicht zufrieden gegeben und mich einer Homöopathin anvertraut; vielleicht der falschen, denn es stellte sich keinerlei Besserung ein. Seit dem Frühjahr 2003 arbeite ich nur noch mit dünnen Einweghandschuhen an den Bienenvölkern. Aber ich musste die Erfahrung machen, dass Propolisspuren überall vorhanden sind. Und so habe ich immer wieder Probleme: beim Honigabfüllen, bei der Wachsgewinnung …
Mittlerweile ist die Haut an meinen Händen so geschädigt, dass ich mir keinen Rat mehr weiß. Die Imkerkollegen im Verein können mir auch nicht helfen. Muss ich mein Hobby an den Nagel hängen? Wer weiß Rat?
Hans Baggen
An Sichelscheid 6, 52134 Herzogenrath
Tel.: 02407/4850
e-mail: hbaggen@web.de

Antwort:
In der Septemberausgabe 2005 dieser Zeitschrift wurde auf die Propolisallergie im Rahmen der Thematik „Gesundheitliche Gefährdungen des Imkers“ eingegangen. Eine Zwischenanalyse aus unserer jüngsten Umfrage Imkergesundheit hat ergeben, dass etwa 4% aller Imker unter kontaktallergischen Reaktionen auf Propolis leiden. Häufigste Kontaktallergene sind aber Nickelsulfat, ein Duftstoff-Mix und Perubalsam, das Produkt eines Baumes (Myroxylon balsamum Harms var. pereiae), welches bei der Herstellung von Parfüms, in der Schokoladen- und Kaugummiindustrie verwendet wird und Teil der Coca-Cola-Rezeptur sein soll.
Zwischen Perubalsam und Propolis besteht eine chemische Ähnlichkeit, so dass beide Allergien häufig miteinander vergesellschaftet sind. Da beide Substanzen weit verbreitet sind, haben Allergien gegen diese Stoffe zugenommen.
Ich habe aus Ihrer anderen Anfrage im Internet schließen können, dass Homöopathie und Apitherapie Ihnen bisher nicht helfen konnten. Bislang sind auch von der wissenschaftlichen Medizin keine Verfahren etabliert, die eine Heilung bringen. Kontaktallergien unterscheiden sich nämlich von anderen Formen der Allergie, z. B. Bienengiftallergie, die ja durch Desensibilisierung oft geheilt oder deutlich gebessert werden können.
Die Beschreibung Ihrer aktuellen Symptome lässt auf ein degeneratives Kontaktekzem schließen. Um Ihre Situation zu bessern, sollten folgende Maßnahmen ergriffen werden:
– Kontakt mit dem Allergen konsequent meiden – Schutzhandschuhe tragen, Hautschutzschaum oder Hautschutzsalben auftragen.
– Hautpflege mit seifenfreien Waschlotionen (pH-Wert zwischen 5 und 6,5) sowie rückfettenden Bädern.
– Wiederherstellung des Hautschutzmantels nach jedem Waschen durch entsprechende Pflegemaßnahmen (rückfettende Öle, Salben).
– Behandlung bestehender Hautekzeme unter Einsatz von Medikamenten (Kortisonsalbe, Ichthyol- und Teerpräparate, nichtsteroidale Antiphlogistika) nach hautärztlicher Verordnung und Konsultation.
– Allergologische Diagnostik – Ausschluss weiterer Allergien – Allergiepass ausstellen lassen.
– Sie sollten sich darüber informieren, in welchen Substanzen Propolis oder andere Kontaktallergene vorkommen, und die Produkte meiden.

Wenn Sie die Imkerei fortsetzen möchten, sollten Sie einen Imkeranzug und hochwertige Schutzhandschuhe tragen, da die preiswerten Plastikhandschuhe oft durchlässig sind und einen Antigenkontakt nicht vollständig verhindern. Sollte dann immer noch eine erhebliche Beschwerdesymptomatik bestehen, müssen Sie möglicherweise ernsthaft darüber nachdenken, die Imkerei aufzugeben.

Prof. Dr. Karsten Münstedt
Universitätsklinikum Marburg
und Gießen Klinikstraße 32
35385 Gießen