Bienen an Pferdekoppel, geht das?

Frage: Ich habe einen neuen Bienenstand eingerichtet und vorerst mit einem Volk belegt. Ein Pferdezüchter, der in unmittelbarer Nähe eine Pferdekoppel hat, forderte mich auf, die Bienen sofort zu entfernen. Vor allem an der Pferdetränke könne es zu Panik unter den Pferden kommen und sie evtl. ausbrechen. Ich habe diesen Bienenstand wieder abgebaut und mir einen neuen Standort – mehr als 500 m von der Koppel entfernt – gesucht.
Trotzdem interessiert mich, ob es Vorschriften gibt, wie weit ein Bienenvolk von einer Pferdekoppel entfernt sein muss.
Gerhard Ködding aus Geismar

Antwort: Meines Wissens gibt es keine Regelung, den Abstand von Bienenvölkern zu Flächen mit Weidetierhaltung betreffend. Dennoch muss man als Grundstücksnutzer im angemessenen Umfang Rücksicht auf Nachbarn nehmen.
In der Tat sind Pferdekoppeln, aber auch Reitwege in der Nähe von Bienenständen, nicht unproblematisch, da zum einen Bienen auf Pferdeschweiß zu bestimmten Wetterlagen recht verteidigungsbereit reagieren können und zum anderen Pferde als ausgeprägte Fluchttiere gegenüber Insekten (Bremsen, Wespen, Hornissen, aber auch Bienen) extrem panisch reagieren und selbst durch massive Zäune nicht zurückgehalten werden können. Was ausgebrochene Pferde beim heutigen Verkehrsaufkommen für eine lebensbedrohende Gefahr sein können, ist bekannt. Ob da die Haftungsfrage alleine beim Pferdehalter bleiben würde, ist für mich ungewiss.
Sicherlich können sich auch Pferde in gewissem Umfang an die Bienen „gewöhnen“, aber es könnte auch sein, dass die Pferde ihre Tränke meiden, wenn dort regelmäßig Bienen Wasser holen. Weiter sollte man bedenken, dass Pferde, falls es zu gesundheitlichen Problemen kommen sollte, recht teuer sind (Tierarztkosten, Anschaffung) und die Halter einen engen Bezug zu ihren Tieren haben (emotionale Bindung).
Abhilfe könnte eine separate, für Bienen angenehme (gut besonnt mit geeignetem Landeplatz) und die ganze Saison immer feuchte und verfügbare Bienentränke (siehe Schulungsmappe „Grundwissen für Imker“ 02-03-02) schaffen, doch es ist nie sicher, ob die Bienen sie annehmen.
Meine Empfehlung ist daher, im Umkreis von 50 – 100 Metern, ggf. je nach Flugrichtung auch 200 m, zumindest um nicht nur kurzfristig genutzte Pferdekoppeln keinen Bienenstand aufzubauen. Ebenfalls würde ich keinen Dauerstand in der Nähe bekannter Reitwege aufbauen und saisonale Wanderstände durch Hinweisschilder kenntlich machen, damit sich Reiter darauf einstellen können. Keinesfalls darf man den Ausflug in Richtung der Koppel oder des Reitweges ausrichten bzw. sollte dafür Sorge tragen, dass die Flugrichtung entsprechend nach oben geleitet wird.
Ich denke, Sie haben sehr vernünftig gehandelt und mögliche Konflikte schon im Vorfeld vermieden.
Rinder- oder auch Schafweiden sind übrigens deutlich weniger problematisch. Diese Tiere gewöhnen sich leichter an die Bienen. In der Regel meiden sie die Fluglöcher und die Flugschneisen und weiden um die Bienenvölker erst am späten Abend oder am frühen Morgen ab. Auf die Weide sollte man seine Bienen allerdings nicht stellen, denn die Pflanzenfresser könnten die Kästen als willkommene Schubberstelle ansehen und sie dabei umwerfen.
Bruno Binder-Köllhofer
bruno.binder-koellhofer@llh.hessen.de