Eignet sich Traubenzucker als Bienenfutter?

Frage: Ein Imkerkollege hat die Möglichkeit, an eine größere Menge reinen Traubenzucker zu kommen. Eignet sich dieser als Bienenfutter? Besteht die Gefahr, dass er, ähnlich wie Rapshonig, der einen hohen Traubenzuckeranteil aufweist, in den Zellen auskristallisiert? Gibt es eventuell Erfahrungen über geeignete Mischungsverhältnisse? Denkbar wäre, den Traubenzucker mit Haushalts- oder Fruchtzucker zu verschneiden.

Herbert Hohmann
Imkerverein Felsberg
Herbert.Hohmann@bbraun.com

Antwort:
Ihre Befürchtung bezüglich der Kristallisation trifft zu. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sich Traubenzuckerlösung (Glucose aus der Fruchtsaftindustrie) nicht zur Winterfütterung eignet. Sie kristallisiert sehr schnell, nämlich bereits im Gebinde oder Futtergeschirr, aber vor allem in den Waben aus. Die Kristalle schaffen die Bienen meist gleich wieder aus dem Stock bzw. werden darauf im Winter verhungern. Selbst für eine Reizfütterung der Ableger im Sommer ist eine Futterlösung mit reiner Glucose ungeeignet und sollte nicht verwendet werden. Wie Sie ebenfalls schreiben, ist auch Rapshonig, wegen seiner Neigung auszukristallisieren, als Winterfutter kritisch zu bewerten. Und dies, obwohl er einen Anteil des nicht kristallisierenden Fruchtzuckers von etwa 39% aufweist. Relevant ist nämlich der Traubenzuckergehalt von ca. 41 % im Rapshonig.
Bereits bei einer Traubenzucker-Konzentration von 32 g je 100 g ist der Sättigungsgrad einer Lösung erreicht, und sie kristallisiert aus.
Um dies zu vermeiden, enthalten gebrauchsfertige, im Handel befindliche Futtersirupe einen so niedrigen Traubenzuckergehalt, dass auch bei einer Spaltung des ebenfalls darin enthaltenen Rohzuckers (in Trauben- und Fruchtzucker) – was bei der Aufnahme und Verarbeitung durch die Bienen geschieht – der genannte Sättigungsgrad nicht erreicht wird. Die Mischungen bestehen aus ca. (Trockensubstanz) 33 % Rohrzucker (Saccharose), 27 % Traubenzucker (Glucose) und 40 % Fruchtzucker (Fructose) in einem Sirup mit ca. 28 % Wasser. Diese Rezeptur wurde vor ca. 20 Jahren von Dr. von der Ohe vom Bieneninstitut in Celle für derartige Fertigsirupe empfohlen, nachdem es infolge von auskristallisiertem Winterfutter zu Bienenschäden gekommen war.
Ihre Frage nach möglichen Mischungen des Traubenzuckers mit anderen Zuckerarten beantwortete mir Dr. v. d. Ohe ebenfalls: „Eine Mischung von 28 % Traubenzucker, 44 % Fruchtzucker und 28 % Wasser müsste sich zur Winterfütterung eignen. Dagegen ist eine Mischung mit Haushaltszucker (Rohrzucker) nicht zu empfehlen.“
Da Fructose jedoch sehr teuer ist, wird aus dem scheinbar attraktiven Angebot Ihres Imkerkollegen doch keine Alternative, mit der sich die Bienen sicher und kostengünstig füttern lassen!

Bruno Binder-Köllhofer
Fachberater für Bienenzucht
Bieneninstitut Kirchhain