Fragen zum Deckel-Haftfleck und zum Imker-Honigglas-Etikett

Frage: Die Probleme sind nicht neu (siehe Ausgaben 10/02 und 05/03): Beim Spülen meiner neuen D.I.B.-Imkerhonigglas-Deckel verfärbt sich der im Trockenzustand unsichtbare Haftfleck für die Deckelbanderole des Gewährverschlusses weißlich und ist im warmen Wasser ruckzuck mit der Bürste abgeschrubbt (Ja, es gibt noch die Leute, die von Hand spülen!) Dabei färbt sich das Spülwasser milchig-weiß und muss ständig erneuert werden. Und überhaupt, was nützt mir ein Haftfleck, wenn er nach dem ersten Spülen weg ist? Oder soll ich neue Deckel gar nicht spülen? Undenkbar, ich weiß doch nicht, wie die vorher gelagert und gehandhabt wurden! Und für die Deckel aus dem Pfandrücklauf (davon noch viele mit dem „Bauhaus-Adler“) – da benötige ich dann doch wieder die „Prittstift-Methode“!?
Bei einigen Gläsern aus dem Pfandrücklauf habe ich dagegen das gegenteilige Problem: Nur mit Stahlschwamm und Scheuerpulver sind die D.I.B.-Etiketten dort abzubekommen! Nein, nicht meine eigenen, die „schweben“ im Einweichwasser sanft davon. Es passiert nur, wenn mir Kunden ein Glas von bestimmten Abfüllern zurückbringen. Ich erkenne die zwar inzwischen, aber soll ich sie dann ablehnen? Das wäre dem Kunden schwer zu vermitteln, schließlich begreifen wir den „Echten Deutschen Honig“ als unsere gemeinsame Marke!
Besagte Abfüller setzen in ihrer Vermarktungsstrategie offenbar nicht auf Pfandrücklauf – da wäre der Aufwand für die Rücknahme und Reinigung wohl zu hoch. Bei dem Preis von teilweise 2,99 e für ein Pfund Blütenhonig im D.I.B.-Glas im Supermarkt ist das nur zu verständlich. Da ist ihnen egal, wie wir uns mit der Klebemasse abplagen!
Obwohl ich mir schon öfter Gedanken darüber gemacht habe, wie denn ein Abfüller an die D.I.B.-Etiketten kommt, ohne möglicherweise eigene Bienen zu haben, glaubte ich immer, dass das D.I.B.-Etikett von allen in der gleichen Form eingesetzt werden müsse. Offenbar gibt es aber doch Unterschiede!
Inwieweit ist der Deutsche Imkerbund informiert? Er muss ja schließlich die Kontrollnummer vergeben. Könnte er da nicht Einfluss auf die Art der Gummierung nehmen?
Im Augenblick jedenfalls sehe ich die Angelegenheit sehr kritisch: Wir haben Wettbewerbsnachteile und plagen uns mit der Hinterlassenschaft von Marken-Mitbenutzern. Aus der Sicht eines kleinen Imkers ist hier der D.I.B. gefragt, Klarheit zu schaffen.

Philipp Elsässer
Carl-Hilt-Straße 27A
52134 Herzogenrath
Philipp.Elsaesser2@epost.de

Antwort zum Klebepunkt des Deckels:
Der Deckel des Imker-Honigglases wird aus Polypropylenkunststoff gefertigt. Dieses Material ist optimal geeignet für die Verpackung von Lebensmitteln. Es ist völlig ungiftig, rostet nicht, ist geschmacks- und geruchsneutral. Außerdem ist es ausgezeichnet zu reinigen und wird von Chemikalien und Reinigungsmitteln nicht angegriffen. Im Gegensatz zu Klarglas haften auf ihm keine wasserlöslichen Kleber. Es ist Paraffinöl ähnlich und von keinem Kleber angreifbar. In der Vergangenheit half man sich damit, Klebstoffe wie Pritt, Uhu oder Patex zu nutzen, um den gummierten Gewährverschluss auf dem Polypropylendeckel aufzubringen (Logo: Adler aus der Zeit der Weimarer Republik).
Aufgrund vielfältiger Versuche gelang es erstmals 1999/2000 in einer elektrischen Vorbehandlung des Polypropylendeckels (Beflammen) und Aufbringen eines lebensmittelechten Klebers ein Haften des gummierten Gewährverschlusses auf dem Polypropylendeckel zu erreichen. Durch das Beflammen wird die Oberflächenspannung des Polypropylens gelöst. Im Anschluss an die elektrische Behandlung wird ein gesundheitlich unbedenklicher, wasserlöslicher Kleber aufgebracht. Dieser Kleber verkrallt sich in dem geflammten Polypropylen. Überflüssiger Kleber wird beim ersten Spülvorgang vor Befüllen des Glases abgewaschen. Das Spülwasser färbt sich durch den überschüssigen Kleber milchig-weiß. Dies ist nur ein einmaliger Vorgang. Bei späteren Spülvorgängen tritt diese Erscheinung nicht mehr auf. Nach internen Versuchen hat sich herausgestellt, dass der in dem Polypropylen verkrallte Klebstoff auch nach 12-maligem Waschvorgang in der Spülmaschine noch ein Haften des Gewährverschlusses bewirkt.
Bei älteren Deckeln, die nicht mit dem erkennbaren farblosen, jetzt milchigen Klebepunkt versehen sind, können die Gewährverschlüsse nur mit Hilfe eines Prittstiftes zum Haften gebracht werden.

Antwort zur Imker-Honigglas-Nutzung und zum Ablösen des Gewährverschlusses:
Das Imker-Honigglas kann als Einweg- und als Mehrwegglas verwendet werden.
Bei der Nutzung als Mehrwegglas wird der gummierte Gewährverschluss vorgezogen, da er sich durch einfaches Spülen entfernen lässt.
Bei Nutzung des Glases im Einwegbereich wird bei der maschinellen Verfüllung der ungummierte Gewährverschluss mit einem eigenen Kleber des Abfüllers eingesetzt. Soweit Dispersionskleber zum Einsatz kommt, lässt sich der Gewährverschluss vom Leerglas im einfachen Spülvorgang nicht lösen. Hierbei bieten sich zwei Möglichkeiten an: – Kaltes Einweichen vorab und danach das Leerglas normal spülen. Nach bisherigen Erfahrungen hat sich diese Vorgehensweise bewährt.
– Zuführen des alten Glases zum Glasabfall. Bei größeren Mengen ist der Grüne Punkt zu beachten, dessen Aufdruck auf den Gewährverschluss möglich ist. Einsatz eines Neuglases, um zusätzliche Arbeit und die Umwelt belastende Spülgänge zu vermeiden.

Bei Zuführung des Altglases mit dem schwer löslichen Gewährverschluss zum Weißglasabfall tragen Sie mit dazu bei, dass bei der Glasschmelzung unter Zuführung von Altglas weniger Energie einzusetzen ist. Hilfreich ist es für uns, wenn Sie bei Reklamation auch die Anschrift des Abfüllers nennen (lizenzierte Abfüllstellen als auch Imker). In diesem Fall könnten wir den Abfüller direkt ansprechen.

Deutscher Imkerbund e.V.
Jürgen Löwer
Geschäftsführer
deutscherimkerbund@t-online.de