Fragen zur Einwinterung (zu Monatsbetrachtung 8/2008)

Fragen: Wie empfohlen, haben wir Anfang August den ausgeschleuderten Honigraum wieder aufgesetzt – noch ohne Behandlung oder Füttern. Aufgrund der guten Versorgung aus dem Springkraut haben die Bienen nun die Waben wieder zu etwa einem Drittel mit Honig gefüllt. Sollte denn auch in der obersten Zarge – dem ehemaligen Honigraum – nun Brut sein? Dies ist bei uns nicht der Fall.
Möglicherweise ist auch im untersten Raum aufgrund der guten Versorgung noch Brut – sollten wir ihn trotzdem wegnehmen?
Haben Sie einen Richtwert, wie viel die Völker im Hohenheimer Magazin nach der Auffütterung wiegen sollten? Ich selbst arbeite mit Alpentrogbeuten und habe mit den Magazinen, die die von mir betreute Jungimkerin verwendet, keine Erfahrungswerte. Bei mir hat sich das Wiegen gut bewährt. Letztes Jahr konnte ich die Futtermenge wegen noch vorhandener Tracht deutlich reduzieren.
Franz Emmerig
E-Mail: Franz.Emmerig@lfu.bayern.de

Antwort:
Da hab ich wohl nicht genau genug beschrieben, was auf Sie zukommen kann, denn diese Fragen wurden mir schon mehrfach gestellt. Deshalb will ich dies hiermit nachholen: Den Ex-Honigraum besiedeln die Bienen in der Regel bis zum Beginn der Spätsommerpflege Mitte August nicht. Fällt – wie bei Ihnen – noch verstärkt Tracht an (z. B. von der Balsamine), dann lagern sie allenfalls den Honig dort oben ab. Obwohl also die Königin ihr „Einzugsgebiet“ nicht in die dritte Zarge verlagert, findet sich ab der dritten Augustwoche der Großteil der im Volk vorhandenen Brut im oberen Brutraum (2. Zarge). Aus beiliegender Grafik lässt sich leicht erkennen: Nur 11 von 35 Völkern enthalten im unteren Brutraum noch mehr offene als verdeckelte Brut. Wo noch vorhanden, fand die wenige offene Brut meist im Kern von vier Wabenseiten Platz. Ein Viertel der Völker hatte bereits Anfang August den unteren Brutraum völlig verlassen. Der faule Imker – wie ich einer bin – kann dann meist ab Mitte August die untere Zarge mit den alten Waben problemlos entnehmen und erspart sich damit mühevolles Aussortieren im Frühjahr. Kleinere Brutreste werden einfach mit eingeschmolzen, die Entwicklung des Volkes bleibt von diesem Verlust unbeeinflusst. Sollten zu diesem Zeitpunkt in der unteren Zarge noch mehr als zwei Waben mit großen Brutflächen (mehr als 6 Handteller Brutfläche pro Wabe) vorhanden sein, warte ich einfach noch eine weitere Woche ab. Sollte der Varroabefall jedoch eine sofortige Behandlung (und damit Einengung) notwendig machen, hänge ich die betroffenen Brutwaben in die obere Zarge an den Rand.
Warum aber ziehen die Bienen im August „nach oben“? In Vorbereitung auf den Winter reduzieren Altvölker ihr Brutnest schon ab Ende Juni, jetzt im August nimmt die Brutzellzahl besonders stark ab. Die Bienen halten dabei jedoch stets Kontakt zum Futter, das sich in der Regel als Kranz an den Rähmchenoberkanten des oberen Brutraumes befindet, also direkt unter dem Ex-Honigraum. Wer direkt nach dem Abschleudern füttert, verbreitert diesen Kranz und sorgt so dafür, dass das Brutnest in der unteren Zarge bleibt. Es lohnt sich also, die Biologie unserer Immen im Blick zu haben, das erleichtert manchen Arbeitsschritt.
Zum Gesamtgewicht der Zargen kann ich nichts sagen. Ich gebe zu, dass ich sie noch nie richtig gewogen habe, sondern immer nur nach Gefühl vorgehe. Wenn ich unsicher bin, suche ich mir die leichteste Beute heraus, ziehe dort alle Waben und schätze den Futtervorrat ab. Dies habe ich im Februar- und ausführlich im April-Heft (S. 14 – 16) beschrieben. Zu den notwendigen Futtermengen für die Völker gucken Sie bitte in die August- (S. 6) und für die Jungvölker in die Septemberausgabe (S. 4).
Pia Aumeier