Gibt es neue Regeln zur Amerikanischen Faulbrut?

Traugott Krüger (Bienensachverständiger) vom Bienenzuchtverein Korschenbroich schreibt uns: Nach bisheriger Rechtsprechung ist die Amerikanische Faulbrut (AFB) erst dann ausgebrochen, wenn ein klinischer Nachweis erfolgt ist. Der Imker
erhält bei nicht vorliegendem klinischen Ausbruch vom Veterinär eine Gesundheitsbescheinigung zum Wandern oder Verkaufen von Völkern. Die Futterkranzprobe konnte ebenfalls bei völliger Abwesenheit von Sporen auch zum Erwerb der Gesundheitsbescheinigung herangezogen werden. Bei einer nicht ausbruchsverdächtigen Anzahl von Sporen wurde dem Imker geraten, durch Hygienemaßnahmen die Anzahl der Sporen zu senken. Das Volk wurde aber trotzdem als gesund angesehen.
Nach Aussage eines Berufsimkers, der bis dato die Jungimker mit Ablegern versorgt hatte, hörte ich, dass eine neue Verordnung in Kraft sei, wonach bereits bei einer Spore in einem Volk der ganze Stand als verseucht anzusehen sei und keine Bienen den Stand verlassen dürften. Da immer davon auszugehen ist, dass in einem
Volk im Futterkranz einige Sporen sich aufhalten, die den Bienen aber keine Probleme machen, macht sich demnach der Imker strafbar, wenn er nur mit einer klinischen Gesundheitsbescheinigung Ableger verkauft.
Da ich im Internet und auch in Ihrer Zeitschrift nichts über diese neue Regelung gehört oder gelesen habe, möchte ich Sie bitten, in der nächsten Ausgabe diese Problematik zu erläutern und Ihre Leser auf den neuen rechtlichen Stand zu bringen.

Dr. Wolfgang Ritter antwortet: Die Bienenseuchenverordnung ist immer noch in der zuletzt im Jahre 2014 geänderten Fassung gültig. Darin heißt es in § 5: „Aus der Bescheinigung (Gesundheitszeugnis) muss hervorgehen, dass die Bienen als frei von Amerikanischer Faulbrut befunden worden sind und der Herkunftsort der Bienen nicht in einem Faulbrut-Sperrbezirk liegt.“
Die Länder können in Form von Verwaltungsvorschriften bzw. Erlassen die Bienenseuchenverordnung präzisieren bzw. erweitern. Dabei können Vorschriften verschärft, aber nicht abgeschwächt werden.
Der Bienenzuchtverein Korschenbroich liegt in Nordrhein-Westfalen. Dort steht in der zuletzt 2016 geänderten Verwaltungsvorschrift: „Dies (das Freisein von AFB) kann nur bescheinigt werden, wenn durch eine Untersuchung die Abwesenheit klinischer Symptome der Amerikanischen Faulbrut belegt ist. Der Imker kann diesen Nachweis auch durch eine von einem Bienensachverständigen gezogene Futterkranzprobe mit negativem Befund erbringen. Falls im Zuge einer klinischen Untersuchung keine klinischen Symptome festzustellen sind oder eine Futterkranzprobe einen negativen Befund aufweist, ist die amtstierärztliche Bescheinigung auszustellen.“
Insofern ist Ihre Information nicht ganz richtig, da in NRW die Untersuchung auf klinische Symptome nur durch die alternative Möglichkeit der Futterkranzprobe ergänzt wurde. Richtig ist allerdings, dass in NRW wie auch in manchen anderen Bundesländern nur noch zwischen einem positiven (Sporen gefunden) und einem negativen Befund (keine Sporen) unterschieden wird. Bereits bei einer Spore im Futter besteht somit ein dringender Verdacht des Ausbruchs der AFB im betroffenen Bienenstand oder dessen Umgebung. Ja nach Bienendichte müssen daher in NRW die Bienenvölker im Umkreis von einem bis drei Kilometern untersucht werden.
Die AFB gilt aber – wie in allen Bundesländern – erst dann als ausgebrochen, wenn klinische Symptome gefunden werden.  Werden solche nicht gefunden, dann wird der Imker aufgefordert, Sanierungsverfahren durchzuführen. In der Verordnung wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Bienenstände nicht amtlich gesperrt sind. Allerdings gilt in allen Bundesländern, dass Bienenvölker nicht an einen anderen Ort verbracht werden dürfen, solange der Verdacht des Ausbruchs besteht, also noch kein Ergebnis der Untersuchung vorliegt. Der von Ihnen erwähnte Berufsimker kann somit in NRW auch weiterhin ein Gesundheitszeugnis allein aufgrund der Untersuchung auf klinische Symptome ausgestellt bekommen.
In einigen Bundesländern wird der Imker allerdings aufgefordert, für die Ausstellung eines Gesundheitszeugnisses eine Futterkranzprobe untersuchen zu lassen. Dies kann aber jede Amtstierärztin bzw. Amtstierarzt sowieso fordern, wenn die Untersuchung auf klinische Symptome nicht eindeutig ist oder ein dringender Verdacht besteht. Übrigens können die Bundesländer entsprechend der geplanten Neufassung der BSVO die Untersuchung einer Futterkranzprobe für die Ausstellung des Gesundheitszeugnisses in Zukunft obligatorisch vorschreiben. Inwieweit die einzelnen Länder davon Gebrauch machen werden, bleibt abzuwarten.
Aufgrund der unterschiedlichen Regelungen in den verschiedenen Bundesländern bleibt mir abschließend nur, jeder Imkerin und jedem Imker den Rat zu geben, sich beim Bienensachverständigen zu erkundigen, welche Vorschriften im eigenen Bundesland gelten.

Kontakt: ritter@bienengesundheit.info