Ist ein Glukose-Sirup eine gute Alternative zu Zucker?

Frage: Ich bin im Internet auf einen Glukose-Fruktose Sirup gestoßen. Werbeaussage: „Höchste Bienenfuttermittel-Qualität, besteht aus 75 % Trockensubstanz, aus 100 % gentechnikfreiem Weizen …“. Kann ich diesen bedenkenlos verfüttern oder muss ich mit negativen Folgen für die Bienen oder auch den Honig rechnen?
Martin Heinrichs
martin.heinrichs@online.de

Antwort: Leider gibt es in der EU keine speziellen gesetzlichen Vorschriften für „Bienenfutter“. Dies bedeutet, dass weder die Zusammensetzung der enthaltenen Zuckerarten noch der Grenzwert von möglichen Inhaltsstoffen, die für Bienen schädlich sind (z. B. HMF), festgelegt sind.
Die speziell für Bienen entwickelten Futtersirupe enthalten überwiegend Fruktose, Glukose und Saccharose in einem nektarähnlichen Verhältnis. Wichtig ist, dass die Anteile von Glukose unter 30 % und von Fruktose bei knapp 40 % liegen, sodass die Glukose nicht auskristallisiert.
Sofern Futtersirup auf Stärkehydrolysat-Basis (Weizen, Mais) verwendet wird, entsteht ein eingelagertes Winterfutter mit einem ungünstigen Fruktose-Glukose-Verhältnis.
Und zwar wird der in der Regel in solchen Siruparten enthaltene Zweifachzucker Maltose durch den Bienenspeichel in Glukose gespalten, was zu einer Erhöhung des Glukose-Gehaltes führt. Tragen die Bienen zur Zeit oder nach der Einfütterung zusätzlich noch Glukose reichen Nektar (z. B. von Senf, Ölrettich, Efeu) ein, kann dies zum Auskristallisieren des Winterfutters führen, sodass den Bienen ggf. nicht alles Futter zum Verzehr zur Verfügung steht und sie verhungern können.
Erfolgt die Invertierung der Saccharose in Fruktose und Glukose bei der Herstellung eines Sirups nicht enzymatisch, sondern (billigerweise) mit Säure, und wird diese nicht umgehend neutralisiert, entsteht als Nebenprodukt Hydroxymethylfurfural (HMF). Bei zu warmer Aufbewahrung oder gar Überlagerung steigt der HMF-Gehalt weiter an, sodass der Sirup für Bienen giftig wird.
Empfehlung: Lassen Sie sich vom Lieferanten eine verbindliche Analyse über die Zuckerartenzusammensetzung, den HMFGehalt sowie den Aschegehalt (alternativ elektrische Leitfähigkeit) des Futtersirups geben. Für Bienen geeignetes Futter sollte idealerweise bei 20, aber wegen eines möglichen weiteren Anstiegs nicht über 40 mg/kg liegen. Wenn dies gegeben ist, können derartige Futtersirupe durchaus eine preiswerte Alternative zu den bekannten Fertigfuttersirupen aus Rübenzucker sein. Letztere sind jedoch speziell für die Winterfütterung der Bienen hergestellt, woraus sich ein höherer Preis ergibt, und weisen die ideale und bewährte Zuckerartenzusammensetzung auf.
Die Gefahr, dass ein gewisser Anteil des Winterfutters in den Honig geraten kann, ist bei Sirup auf Stärkehydrolysatbasis nicht größer als bei der Fütterung mit (Rüben-)Zuckerwasser und kann bzw. muss durch betriebstechnische Maßnahmen – Futterwabenentnahme im Frühjahr vor der Honigraumfreigabe – vermieden werden.
Dr. Werner von der Ohe