Ist Honig mit Mikroplastik verkehrsfähig?

Frage: Seitdem ich als Neuimker 2013 mit Interesse die Themen zu Bienen, Bienenhaltung, -züchtung, Bienenprodukten und deren Verwendung in unserem Ortsverein, den Kreis- und Landesverbänden sowie den Medien, insbesondere auch in die biene verfolge, liegt mein besonderes Augenmerk auch auf dem Polyethylen (= Mikroplastik) im Honig, worüber im Februarheft 2014 kurz berichtet wurde. Leider wurde nicht erwähnt, ob PE-belastete Honige noch verkehrsfähig sind. Wissenswert wäre auch, wo Honig-Analysen auf PE durchgeführt werden und was eine solche Analyse den Imker kostet.
Falls PE-belastete Honige nicht mehr verkehrsfähig sein sollten, ist dann in absehbarer Zeit eine Änderung der Honigverordnung zu erwarten?
Alfred Scherer, Saarwellingen

Antwort: Bei den Verbrauchern hat Honig als Lebensmittel einen besonderen Stellenwert, und Kontaminanten im Honig sind immer ein sensibles und medienwirksames Thema. Gleichwohl stellen Mikrokunststoffpartikel (Abrieb von Plastikgefäßen, Mikroplastik in Kosmetika, Putzmitteln etc.) eine allgegenwärtige Umweltbelastung in Luft und Wasser dar. Sie sollen u. a. auch in Trinkwasser, Milch und Meeresfrüchten enthalten sein.
Eine Bewertung der biologischen Risiken von Mikrokunststoff in Kosmetika und möglicher Gesundheitsgefahren für den Menschen wird aktuell seitens des Bundesinstituts für Risikobewertung durchgeführt. Eine Risikobewertung für die möglichen Gesundheitsgefahren durch Mikrokunststoff in Lebensmitteln ist ebenfalls notwendig. Gleichwohl gibt es bis dato keine Grenzwerte.

Derzeit wird die Untersuchung auf Mikrokunststoff in Honig nach hiesiger Kenntnis noch nicht von Dienstleistungslaboren als Routineanalytik angeboten. Zwar kann man Mikro­partikel durch das Filtern von Honig in nahezu jedem Labor erfassen, aber für den Nachweis, um welches Material es sich handelt, sind spezifische Untersuchungsmethoden notwendig. Bezogen auf den Honig sind neben Umweltbelastungen auch Einträge durch beim Imkern sowie im Honigprocessing genutztes Equipment (z. B. Siebe, Abkehrbesen, Kunststoffgefäße, Styroporbeuten) nicht auszuschließen. Ebenso besteht die Möglichkeit, dass Partikel durch Anknabbern und Abbeißen von Kunststoffteilen in der Beute, wie z. B. Folienabdeckungen, auftreten.

Dieser Fragestellungen wird sich das LAVES Institut für Bienenkunde Celle in einem Projekt annehmen. Handelt es sich um mikroskopisch oder makroskopisch sichtbaren Kunststoff aus der Imkerei, ist der Honig gemäß Honigverordnung §§ 2 + 4 in Verbindung mit Anlage 2, Abschnitt I, nicht verkehrsfähig, denn Honig dürfen im Honigprocessing (Ernte und Bearbeitung) keine anderen Stoffe als Honig zugefügt werden, und Honig muss soweit möglich frei von organischen und anorganischen honigfremden Stoffen sein.

Die Umwelt kann selbst in Naturschutzgebieten durch Kontaminanten belastet sein. Naturprodukte gelten daher auch dann noch als naturbelassen, wenn sie Kontaminanten aufweisen, die nicht vermeidbar sind. Dieses gilt auch für Mikrokunststoff aus der Umwelt, der über kontaminierten Nektar oder Honigtau in den Honig gelangt ist und nicht direkt über das Honigprocessing. Daraus folgt, dass man zwar durch die Honigverordnung gezwungen ist, soweit möglich von Bienen neben Nektar oder Honigtau aufgenommene fremde Partikel zu entfernen, allerdings liegt die Betonung auf „soweit möglich“. Durch Filtern könnte man Mikropartikel entfernen, würde dabei aber auch die zum überwiegenden Teil sogar größeren Pollenkörner entziehen. Gemäß Honigverordnung dürfen Honig aber keine honigeigenen Stoffe entzogen werden. Daraus folgt gemäß des Kommentars zur Honigverordnung, dass trotz geringer Belastungen mit Mikrokunststoff der Honig verkehrsfähig ist. Diese Situation würde sich dann ändern, wenn für Mikrokunststoff Grenzwerte festgelegt sind und diese in einem Honig überschritten werden.  

Auch die Wirkung von Mikrokunststoff auf andere Tiere ist noch ein relatives Forschungsneuland. In einer aktuellen Studie bzgl. der Wirkung von Mikroplastik auf Fische geht man von einer Stresssituation für die Fischgesundheit durch die langfristige Anreicherung von Mikroplastik in der Leber aus.
Verdauungssystem, Filtermechanismus des Ventiltrichters sowie insbesondere die Kurzlebigkeit der Honigbiene lassen hingegen vermuten, dass durch Mikroplastik keine gravierende Beeinträchtigung der Bienengesundheit befürchtet werden muss.
  Dr. Werner von der Ohe
Institutsleiter LAVES Institut
für Bienenkunde Celle
Werner.von-der-ohe@laves.
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