Ist Propolis aus mit Perizin behandelten Völkern belastet?

Frage: Ich behandle meine Völker mit Ameisensäure im Sommer und als Abschlussbehandlung im Winter mit Perizin. Kann ich die gewonnene Propolis für die Herstellung von Tinkturen und Cremes verwenden? Kann ich die Tinktur auch zum Gurgeln oder für die innere Anwendung verwenden?
Es gibt Hinweise, dass man bezüglich möglicher Rückstände vorsichtig sein soll.

Winfried Baumhämmel
97638 Mellrichstadt

Antwort:
Bei keinem Varroabekämpfungsverfahren gelingt es, den oder die Wirkstoffe ausschließlich dort zu platzieren, wo sie tatsächlich gebraucht werden – in der verdeckelten Bienenbrut bzw. im Haarkleid der Bienen, also dort, wo sich auch die Milben aufhalten. Mit allen Bekämpfungsmitteln schießt man quasi über das Ziel hinaus und kontaminiert zwangsläufig den gesamten Innenraum der Beute und alle Vorräte des Bienenvolkes. Dies gilt auch für das Träufelverfahren mit Perizin. Messungen nach einer Träufelbehandlung haben gezeigt, dass nur etwa 25 % der eingeträufelten Suspension auf den Körpern der Bienen zu finden sind. Der Rest verteilt sich auf andere Innenteile des Kastens. Wirkstofflösung benetzt die Rähmchenoberträger, Tropfen perlen in die Zellen hinein und kontaminieren das Futter, Bienen streifen Wirkstoffe mit dem Haarkleid an den Zellwänden ab und verschleppen mit ihren Beinen den Wirkstoff im Bienenkasten. Der Wunsch des Imkers, nur die Bienen zu treffen, scheitert nicht zuletzt auch an der Aufregung im Bienenvolk nach der Behandlung. In der Summe führt dies zwangsläufig auch zu einer Belastung der Propolisvorräte im Bienenstock. Rückstandsmessungen von Propolisproben bestätigen dies.

Dr. Klaus Wallner
Landesanstalt für Bienenkunde
August-von-Hartmann-Straße 13
D-70593 Stuttgart
bienewa@Uni-Hohenheim.de