Mein Wildbienenhotel ist vermilbt! Was kann ich tun?

  Frau Sibylle Zimmerman aus Kassel fragte bei der „kraut & rüben“-Redaktion an:
Können Sie mir weiterhelfen? Aus meinem Wildbienenhotel ist neben vielen anderen Bienen auch eine männliche Mauerbiene geschlüpft. Jedoch war ihr Pelz über und über mit irgendetwas Braunem besetzt, wie man auch auf dem Foto eindrücklich sieht. Das Männchen wirkte auch nicht sehr fit. Handelt es sich dabei um Milben? Oder ist es eine Pilzerkrankung? Muss ich mir eventuell ein neues „Wildbienenhotel“ bauen, damit ich diese möglichen Parasiten loswerde?
Wir leiteten die Frage an Helmut Hintermeier, unseren bekannten Autor für diese Themen, weiter. Hier seine Antwort:
Auf dem sehr eindrucksvollen Foto von Frau Zimmermann handelt es sich tatsächlich um ein mit Milben besetztes Männchen der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta). Die Männchen erkennt man an den langen Fühlern.
Milben (Acari) bilden in den Brutzellen von Wildbienen ebenso regelmäßige wie häufige Gäste. Die meisten Arten fressen Pilze, Bakterien oder geringe Mengen von Pollen und Nektar, einige können sich aber auch räuberisch von anderen Milben oder Fadenwürmern ernähren. Sie treten daher in den Brutzellen der Wildbienen nur als Kommensale (Tischgenossen) und kaum als Schädlinge auf. Um neue Bienennester zu besiedeln, nutzen die Milben die frisch geschlüpften Bienen als Transportmittel. Dicht mit Milben besetzte Wildbienen sind im Frühjahr durchaus häufig zu sehen und signalisieren trotz des erschreckenden Anblicks keinerlei Gefährdung.
Auch in Hummelnestern findet man derartige Milben. Von den bisher beobachteten leben vier von organischen Abfällen (Exkremente, Exuvien, Kadaver), z. T. auch von eingetragenem Nektar und Pollen. Nur eine Art ernährt sich von der Hämolymphe (Blutwasser), indem sie die dünnste Stelle des Hummelkörpers durchbohrt. Alle diese Milben stellen jedoch für gesunde und damit starke Hummelvölker keine ernsthafte Gefahr dar. Am Ende der Lebensphase eines Hummelvolkes klammern sich bestimmte Milbenarten (z. B. Tyrophagus laevis) an die jungen Hummelköniginnen, um den Winter auf ihrem Wirt zu überdauern, während die im Nest verbleibenden Milben zugrunde gehen.
Schädlich ist dagegen die Varroamilbe, die sich von den Körpersäften der Bienenlarven ernährt und bedeutende Brut- und Völkerverluste verursacht. Derartige Milbenarten sind jedoch nur von sozial lebenden Bienen, wie der Honigbiene, bekannt.   Helmut Hintermeier
Ringstraße 2, 91605 Gallmersgarten