Nachbarin ist allergisch gegen Bienen – was tun?

Frage: Insbesondere auf Hinwirken unseres jüngsten Sohnes haben wir beschlossen, ein oder zwei Bienenstöcke aufzustellen. Wir sind auch schon Mitglied im Imkerverein und konnten den Vorsitzenden gewinnen, uns mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Zudem hatten wir bereits in Beuten etc. investiert, damit es im Frühjahr losgehen sollte. Im Wohngebiet haben wir ein freies Grundstück mit Apfelbäumen etc. (ca. 800 qm) gepachtet, welches sich laut Begutachtung des Vereinsvorsitzenden als Standort eignen würde.
Leider mussten wir dann im Gespräch mit unserer Nachbarin (ca. 100 m Entfernung) feststellen, dass sie sehr allergisch auf Bienen und Wespen reagiert und im Sommer ihre Notfallspritze immer dabei hat. Sie äußert Bedenken, dass unsere Bienen sie bedrohen oder zumindest ihre Lebensqualität einschränken könnten. Wir sind total verunsichert. Ist dies wirklich der Fall? Natürlich wollen wir unsere Nachbarin nicht gefährden. Gibt es hierzu Vorschriften oder lässt sich das Risiko durch ein Gutachten abschätzen?
Marion Dittmer, Königstein im Taunus
Antwort: Ich gehe aufgrund Ihrer Informationen davon aus, dass das Grundstück der Nachbarin nicht unmittelbar an Ihr Grundstück grenzt. Ab einer Entfernung von schätzungsweise 50 m vom Bienenstock (oft auch darunter) findet bei unseren heimischen Honigbienen üblicherweise keine Nestverteidigung statt. Es ist daher kein erhöhtes Risiko von Bienenstichen außerhalb dieses Radius zu erwarten. Bei ihren Sammelflügen vermeiden Honigbienen Angriffe und versuchen immer zu flüchten, sofern sie nicht festgehalten werden oder aus Versehen unter die Kleidung oder in die Haare geraten. Solche geringfügigen Beeinträchtigungen sind von Nachbarn hinzunehmen.
Mögliche Beeinträchtigungen können vor Ort abgeschätzt werden, von daher ist es gut, dass Sie schon vorab fachkundigen Rat eingeholt haben. So können Sie Maßnahmen treffen, die zum beiderseitigen Verständnis beitragen und im Vorhinein Konflikte vermeiden helfen (siehe unten). Ob es im Einzelfall tatsächlich zu nicht unerheblichen Beeinträchtigungen kommen kann, wovon ich in Ihrem Fall nicht ausgehe, kann man aber erst feststellen, wenn Bienen vor Ort stehen. Durch ein Vorab-Gutachten lässt sich das Risiko nicht abschätzen! Es gibt auch keine Vorschriften zur Aufstellung von Bienenvölkern. Momentan ist eine Schrift der Arbeitsgemeinschaft der Fachberater für Imkerei (AFI) in Vorbereitung, die entsprechende Empfehlungen gibt.
Mein Rat: Sagen Sie Ihrer Nachbarin, dass Sie gerne darauf Rücksicht nehmen wollen und daher prüfen möchten, wie Sie weiter vorgehen können. Bitten Sie Ihren Vorsitzenden nochmals darum, den Standort unter den neuen Voraussetzungen zu betrachten. Es sollten Bedingungen geschaffen werden, dass Ihre Bienen beim Aus- und Einflug nicht in Menschenhöhe auf das Grundstück der Nachbarin fliegen. Hierzu kann man in 5 – 6 m Abstand vor den Fluglöchern kurzfristig eine Sichtschutzwand und langfristig eine Hecke anbringen. Dann fliegen die Bienen sofort nach oben. Sofern die „Flugschneise“ nicht direkt über das betreffende Nachbargrundstück führt, sehe ich keine unmittelbare Gefahr, dass sich das Risiko eines Bienenstiches deutlich erhöht. Allenfalls Sammelbienen und andere Bestäuberinsekten würden dann im Zuge eines üblichen Sammelflugs das nachbarschaftliche Grundstück aufsuchen, wenn dort Trachtpflanzen vorhanden sind.
Sie sollten natürlich sehr darauf achten, sanftmütige Bienen zu halten, und vermeiden, dass Schwärme ausziehen und sich womöglich auf dem Nachbargrundstück niederlassen.
Diese sind zwar direkt nach Auszug äußerst friedlich, aber auch sehr „beeindruckend“! Überhaupt sollten Sie die Völker sichtgeschützt aufstellen, denn alleine das Gefühl, dass die „fliegenden Tiger“ da sind, weckt bei Laien oft schon Ängste. Vielleicht sollten Sie Ihre Völker auch erst einmal ein bis zwei Jahre woanders aufstellen. So können Sie Erfahrungen im Umgang mit den Bienen sammeln, und es besteht weniger die Gefahr, dass Sie Anfängerfehler begehen und es beispielsweise zur Räuberei kommt.
Bruno Binder-Köllhofer, Fachberater für Bienenzucht
Bruno.Binder-Koellhofer@llh.hessen.de