Nachfrage zum Höseln von Pilzsporen

Im Augustheft 2015 hatte Dr. Werner von der Ohe dazu Stellung genommen, warum Bienen manchmal ungeeignete Stoffe höseln. Hierzu gab es nun noch eine Nachfrage, auf die Dr. Ohe ebenfalls antwortet.

Dieter Nees aus Bad Salzschlirf schreibt uns: Immer noch beschäftigt mich die Antwort von Herrn Dr. von der Ohe zur Frage des Höselns von Pilzsporen in Heft 8/2015. Darin zeigt er deutlich auf, dass die Bienen Ungeeignetes und Unsinniges sammeln und als Pollen einlagern. Ich frage mich:
Werden denn Pilzsporen durch die Einspeichelung und milchsaure Vergärung zu einer geeigneten Nahrung für Bienen?
Wenn sie in die Pollenfalle gehen, erwirbt der Kunde dann Krankmachendes statt der erwarteten Gesundheitsförderung?
Was wird aus Mehl, Sojamehl etc, die Imker wohl früher (evtl. noch immer) den Bienen als Höselfutter angeboten haben?
Fressen die Ammenbienen die Ergebnisse und sterben? Oder wird Kohlenstaub/Weizenmehl/Sojamehl auch nach milchsaurer Vergärung wieder ausgeräumt und aus dem Stock geworfen?
Es interessiert mich sehr, ob Herr Dr. von der Ohe oder auch andere Forschende dazu Erkenntnisse haben.
Antwort:
Nach meiner Kenntnis gibt es keine Untersuchungen über die Einspeichelung und Konservierung der eingetragenen Pilzsporen durch die Bienen. Allerdings kann man ableiten, dass die Bienen, wenn sie den kompletten Sammelvorgang vom Höseln bis zum Einlagern von Pollen offensichtlich auch mit Pilzsporen durchführen, sie dann auch Speichel und Honigblaseninhalt zusetzen werden. Fraglich ist allerdings, ob dadurch die Pilzsporen auch aufgeschlossen werden. Pollenkörner weisen Keimporen und/oder -falten auf. Liegt das Pollenkorn auf der Blütennarbe, öffnen sich die Keimstellen und der Pollenschlauch kann zwecks Befruchtung austreten. Diese Keimöffnungen sind auch beim Verdauen des Pollens entscheidend. Durch feuchte Lagerung, besonders bei Pollen im Honig, dringt Wasser durch die Keimöffnungen, wodurch er aufquillt, der Polleninhalt freigelegt wird und verdaut werden kann. Geschieht das Aufquellen sehr schnell, wie beim Übergang der Pollenkörner aus der Honigblase über den Ventiltrichter in einen sehr wasserhaltigen Mitteldarm, kommt es zum osmotischen Schock. Das Pollenkorn zerplatzt und Inhaltsstoffe liegen frei und können verdaut werden. Damit wir den Pollen möglichst gut nutzen können, ist es wichtig, ihn einige Zeit vor dem Verzehr in ein wasserhaltiges Lebensmittel wie Milch oder Müsli zu geben.Nach der mikroskopisch sichtbaren Struktur zu urteilen, schließt sich dieser Mechanismus bei Pilzsporen eher aus.
Selbstverständlich muss man als Inverkehrbringer darauf achten, dass sich in dem angebotenen Pollen nur Pollen befinden. Eine Gesundheitsgefährdung durch Pilzsporen kann nicht ausgeschlossen werden. Abgesehen davon kann man aus den derzeit vorliegenden Ergebnissen schließen, dass die meisten Pollenproben wegen zu hoher Pflanzenschutzmittelrückstandsbelastung oder ihrem Gehalt an Pyrrolizidinen etc. nicht verkehrsfähig sind.
Nach hiesigen Untersuchungen werden Produkte wie Sojamehl von den Sammelbienen in Ermangelung von Pollen gehöselt
und eingelagert. Sie werden allerdings von den Ammenbienen deutlich weniger gefressen, sodass die Verweildauer in den Waben
hoch ist. Die Ammenbienen fressen zwar auch eingelagertes Sojamehl, allerdings ist die physiologische Nutzung der Nährstoffe relativ schlecht. So zeigen zum Verzehr von Sojamehl gezwungene Ammenbienen im Vergleich zu denjenigen, die eine Pollendiät erhalten haben, wesentlich schlechter entwickelte Futterdrüsen und Fettkörper. Steht Bienenvölkern anstelle von Pollen nur Sojamehl zur Verfügung, wird das Brutnest immer kleiner (verminderte Eilegetätigkeit der Königin/Kannibalismus).
Der Pollenduft hat wahrscheinlich eine anziehende Wirkung auf Ammenbienen. Sammelgut, das offensichtlich überhaupt nicht verdaut werden kann und keinen Nährwert hat (Kohlen- oder Zementstaub) wird wahrscheinlich gar nicht von den Ammenbienen konsumiert, vielleicht wieder abgetragen, oder die Waben
bleiben schlicht unberührt. Sofern diese Substanzen konsumiert würden, wären ruhrähnliche Durchfallerkrankungen zu erwarten.
Dr. Werner von der Ohe