Perizin – wo ist das Problem?

Frage:
Ich imkere mit Absperrgitter – also zwei Bruträume und ein Honigraum. Die Mittelwände (nicht varroazidfrei) werden im Honigraum ausgebaut. Im Spätsommer oder im Folgejahr kommen sie in die Ableger. Diese werden im nächsten Frühjahr zur Wildkirschblüte über Zeitung einem Volk aufgesetzt. Der untere Brutraum wird entnommen, und die Waben werden eingeschmolzen – bisheriger oberer Brutraum mit der Ablegerzarge wird auf einen neuen Boden gesetzt. Im Spätsommer gehört den Bienen alles, was sie unter dem Absperrgitter eingetragen haben. Das Winterfutter wird danach bemessen. Perizin aus der Winterbehandlung kommt somit nie mit Honigwaben in Berührung. Es bleibt also nur noch das Problem der nicht varroazidfreien Mittelwände. Schon oft haben wir im Verein darüber geredet: Sollen wir einen eigenen Wachskreislauf beginnen und die Mittelwände selbst herstellen? Ich bin der Meinung, dass die Mittelwand nur ca. 10 % der gesamten Zellenfläche ausmacht. Der Honig kann somit kaum eventuelle Rückstände aus der Mittelwand aufnehmen. Eine Honiganalyse, die ich in Hohenheim durchführen ließ, bestätigt dies: Mein Honig zeigt keine Rückstände! Daher die Frage: Was war eigentlich unser Problem?
Horst Dubac
Vogesenstraße 64
76337 Waldbronn

Antwort:
Leider sind die Zusammenhänge zwischen der Anwendung von Varroaziden und dem Risiko für die Honigqualität nicht so überschaubar, wie in der Anfrage dargestellt. Leider sind auch die Betriebsweisen, vor allem, was das Wachsrecycling und die Anwendungshäufigkeit der Träufelpräparate angeht, nicht immer so optimal wie im Betrieb von Herrn Dubac. Sonst hätten wir tatsächlich weit weniger Probleme.
Aber beginnen wir von ganz vorne:
Wenn wir Perizin, das den fettlöslichen Wirkstoff Coumaphos enthält, im Winter in die Wabengassen der Völker träufeln, dann wollen wir den Wirkstoff, der als Kontaktgift auf Varroa wirkt, in das Haarkleid der Bienen bringen. Einen Teil des Wirkstoffs finden wir tatsächlich auf und in den Bienen, ein größerer Anteil wird dagegen auf den Wachsoberflächen und in den Vorräten ankommen. Das lässt sich leider nicht vermeiden. Wenn mehr als einmal geträufelt wird, steigert sich entsprechend der Wirkstoffgehalt im Volk.
Wir wissen, dass das Winterfutter nach der Anwendung relativ hohe Wirkstoffgehalte enthält. Kein Problem, wenn die Vorräte aufgezehrt werden oder wenn der Imker im Frühjahr überschüssiges Futter entnimmt. Wenn aber Winterfutter in den Honigraum umgetragen wird, dann kann daraus schnell ein Problem für den Frühjahrshonig werden.
Von der Wachsoberfläche kann der Wirkstoff in das Larvenfutter, das Bienenbrot und in den Honig einwandern. Bienenvölker, die in der Frühtracht stehen, lagern vorübergehend den frisch eingetragenen Nektar in freiwerdenden Brutarealen der unteren Zargen ein. Dort wird der Honig vorgetrocknet und dann später in die Honigräume transportiert. Während dieser Lagerphase befindet sich der Honig also in Zellbereichen, die bei der Winterbehandlung mitbehandelt worden sind. Der Wirkstoff kann dann dort auch in den Honig einwandern.
Bienen, die in Zellen aufwachsen, deren Zellwände Coumaphos enthalten, haben in ihrem Körper den Wirkstoff gespeichert. Diese Bienen schwitzen später wirkstoffhaltige Wachsplättchen und bauen damit beispielsweise die Zellen von Mittelwänden im Honigraum aus. Außerdem verteilen Bienen mit ihren Beinen und der Körperoberfläche Wirkstoffe im ganzen Bienenstock, auch vom Brutraum in den Honigraum.
Demzufolge gibt es für den Perizin-Wirkstoff keine Grenzen oder Barrieren im Bienenvolk. Ob sich daraus messbare Konsequenzen für die Honigqualität ergeben, hängt entscheidend vom Imker ab. Wir wissen, dass die Rückstandsprobleme, die es beim Perizin gibt (siehe Jahresbericht der LA Bienenkunde), meist damit zusammenhängen, dass das Präparat entgegen der Gebrauchsanweisung mehrfach eingesetzt wird und dadurch der Wirkstoffgehalt im Volk höher ausfällt. In Verbindung mit Coumaphos-Rückständen, die über die Umarbeitung von Altwachs zu Mittelwänden in das Volk gelangen, summieren sich dann die Wirkstoffspuren zu messbaren Rückständen im Honig.
Bienen knabbern das Wachs der Mittelwände bis auf eine hauchdünne Schicht ab und modellieren mit diesem Wachs etwa ⅔ der Zellwände. Das Wachs der Mittelwände bestimmt damit entscheidend die Qualität der entstehenden Wabe, sodass wir uns sehr wohl um die Qualität der Mittelwände kümmern sollten.
Da Herr Dubac sehr sorgfältig seinen Wachsumtrieb organisiert, die Wirkstoffverwendung optimiert, seine Mittelwände aus Baurahmen- und Entdeckelungswachs herstellt oder vielleicht auch Glück beim Mittelwandzukauf hatte, kommt er zu dem gewünschten Ergebnis: Keine Rückstände im Honig nachweisbar – keine Probleme. Leider ist das nicht bei allen Perizin-Anwendern so.
Dr. Klaus Wallner
Landesanstalt für Bienenkunde
August-von-Hartmann-Straße 13
70593 Stuttgart
bienewa@uni-hohenheim.de

Anmerkung der Redaktion: In einem der nächsten Hefte wird sich Dr. Klaus Wallner in einem Beitrag eingehend der Analyse von Wachs widmen.