Verfliegen sich die Bienen durch die Ameisensäurebehandlung?

Frage: Seit etlichen Jahren behandele ich die Varroose mittels Ameisensäure mit dem Schwammtuchverfahren von oben. In diesem Jahr gelangte ich zu dem Eindruck, dass eine fluglochnahe Positionierung des Schwammtuchs heimkehrende Sammelbienen dazu bewegte, zu anderen Völkern „überzulaufen“, bei denen das Schwammtuch weiter entfernt vom Flugloch aufgelegt war. Hier sei angemerkt, dass ich mit Trogbeuten imkere und infolgedessen der Abstand vom Schwammtuch zum Flugloch größer sein kann als bei Magazinbeuten. Ist mein Eindruck falsch? Oder hat die Positionierung des Säuredepots Auswirkungen auf den „Bienenverflug“?

Martin Jung, mart.jung@arcor.de

Antwort:
Die Beobachtung erscheint mir plausibel, es liegt wahrscheinlich tatsächlich an der unterschiedlichen Position des Schwammtuchs. Die Ameisensäure ist schwerer als Luft und strömt daher bei sehr fluglochnaher Position leicht ins Freie, aktiv unterstützt durch das Fächeln der Bienen. Die anfliegenden Sammelbienen bemerken die Säure-Ausdünstungen und wandern bei naher Aufstellung leicht in ein anderes Flugloch.
Ein Überlaufen von Bienen zu einem anderen Volk oder ein Vorlagern ist allerdings beim stoßweisen Einsatz des Schwammtuches (4 3 im Abstand von 4 – 5 Tagen) nur kurze Zeit zu beobachten, da schon nach 12 Stunden die 60%ige Ameisensäure weitestgehend verdunstet ist.
Am besten ist es, das Schwammtuch bei allen Völkern gleich aufzulegen. In Trogbeuten im Querbau empfehle ich, dieses erst auf das zweite bzw. dritte Rähmchen von vorne und eben bei allen gleich aufzulegen. Bei Trogbeuten längs zum Flugloch (bspw. Golzbeuten) ist es angeraten, das Tuch mehr zum Absperrgitter (in Richtung Honigraum) aufzulegen. So wirkt die Ameisensäure auch besser auf die Brutwaben ein. Ergänzender Hinweis: Bringen Sie die AS-getränkten Schwammtücher tiefgekühlt in die Völker ein. Die Bienen bleiben so ruhig, und Königinnenverluste werden vermieden.

Fachberater Bruno Binder-Köllhofer
Bieneninstitut Kirchhain
E-Mail: bruno.binder@hdlgn.de