Wann zieht man Jungköniginnen nach?

Frage:
Die Imkerliteratur bezeichnet die frühzeitige Königinnenaufzucht als schwierig. Ruttner schreibt: „Die beste Aufzuchtzeit ist vom 15. Mai bis Juli.“ Nun ist bekannt, dass die Aufzucht während einer starken Tracht nicht gelingt. Also wäre der erstbeste Termin gegen Ende der Rapstracht im letzten Maidrittel. Die erste Brut schlüpft dann Ende Juni. Solche Ableger besetzen im Herbst aber nur 6 bis 7 Waben. Demgegenüber habe ich bei Pfefferle gelesen, dass er schon während der Obstblüte (Ende April) schröpft und demnach schon dann mit der Königinnenaufzucht beginnt. Nur so lässt es sich erklären, dass seine Dreiwabenableger ohne Verstärkung im Herbst auf zwei Zargen stehen. Wie sollte der Imker am besten vorgehen?

Ernst Schuster
Enz-Straße 181, 75181 Pforzheim

Antwort:
Die Frühjahrsentwicklung unserer Bienenvölker wird im Wesentlichen von der Einwinterungsstärke, der gebotenen Tracht und dem Witterungs- und Temperaturverlauf bestimmt. Mit Pflegemaßnahmen kann die Entwicklung nur bedingt gefördert werden. In wärmeren Lagen beginnt die Vegetationszeit und damit die Volksentwicklung üblicherweise früher, im Bergland später. Bei günstiger Frühjahrsentwicklung müssen gut versorgte Völker in wärmeren Lagen etwa Mitte April erweitert werden. Kurz bevor die Völker ihren Entwicklungshöhepunkt erreicht haben (sie besetzen dann 30 – 40 Waben, Zander oder DNM, und haben Spielnäpfchen angebaut), ist der richtige Zeitpunkt zur Jungvölkerbildung und Königinnenzucht gekommen. Um ihre Schwarmlust zu bremsen, werden Brutwaben und Bienen entnommen. Dabei darf man jedoch nicht warten, bis sich massive Schwarmtendenzen zeigen (bestiftete Weiselzellen), sonst wirkt das leichte Schröpfen nicht mehr.

Jungvolk-Stärke
Die Jungvolkbildung hat in der heutigen Imkerei eine zentrale Bedeutung. Sie wird zur Vermehrung, Verjüngung, Gesunderhaltung des Völkerbestandes und zur Wabenerneuerung genutzt, und wir verbinden damit die Schwarmverhinderung. Je früher man damit beginnt, desto weniger Bienengut ist erforderlich, um daraus bis zur Einwinterung ein zweiräumiges Jungvolk heranzuziehen. Im Mai hat man mit zwei Brutwaben und zwei Deckwaben (je eine Futter- und eine Leerwabe) eine sehr gute Ausgangsstärke. Die Waben sollten jeweils mit 500 bis 1.000 Bienen besetzt sein.
Werden Ableger später gebildet, muss ihre Ausgangsstärke entsprechend größer sein, damit sie die erforderliche Winterstärke erlangen können. Im Juni nimmt man drei Brutwaben, im Juli vier und im August sogar fünf bis sechs. Selbstverständlich müssen die Jungvölker ständig gut mit Futter versorgt sein. Sie bekommen einen Standort außerhalb des Flugkreises des Spendervolkes und werden bei mir mit einer schlüpfreifen Zuchtzelle beweiselt.

Geeignete Aufzuchtstermine
Die Königinnenaufzucht wird parallel zur Jungvolkbildung eingeleitet, um die Jungvölker mit den schlüpfreifen Zuchtzellen oder Jungköniginnen beweiseln zu können. Die gesamte Zeitspanne der natürlichen Vermehrungszeit (Schwarmzeit) ist hierfür bestens geeignet. Die Aufzucht kann aber auch im Juni und Juli erfolgreich fortgesetzt werden.
Eine gute Blütentracht begünstigt die Königinnenaufzucht. Wenn die sonstigen Bedingungen stimmen, entstehen in dieser Zeit Königinnen von höchster Qualität. Einschränkungen gibt es bei einer Waldtracht, ebenso wirken sich Regenperioden, kalte Witterung und Trachtmangel ungünstig aus. Richtig ist, dass Königinnen-Zellen bei guter Tracht gerne verbaut werden, was sich nachteilig auf die Königinnenqualität und die Schlüpfrate auswirkt.
Wie man das verhindern kann, hatte ich in der Ausgabe 09/2003 auf Seite 6 beschrieben.

Imkermeister Werner Gekeler
Sternbergstraße 14
72525 Münsingen