Warum beeinträchtigt die zargenweise Erweiterung die Hygiene im Bienenvolk?

Welche Probleme hierbei bestehen, erfahren Sie vom Bienengesundheitsexperten Dr. Wolfgang Ritter.

Ralf Lindlein aus Kronach fragt: Warum wird der Amerikanischen Faulbrut (AFB) sowie der Varroose Vorschub geleistet und das Hygieneverhalten eingeschränkt, wenn man mit Mittelwänden oder sauberen, natürlich unbebrüteten, trockenen Honigwaben des Vorjahres erweitert? So wie es die Redaktion im Beitrag „Auswertung: Wie halten Sie‘s mit Schwärmen?“ ausführt, der in der April-Ausgabe auf Seite 7 veröffentlicht wurde.
Sind die sauberen Waben und die Mittelwände nicht frei von AFB-Sporen? Die möglicherweise stärker belastete unterste brutfreie Zarge entnehme ich bei meiner Betriebsweise mit zwei Zander-Bruträumen immer im Herbst und schmelze sie ein.
Und wieso sollte beim zargenweisen Aufsetzen auch die Varroa gefördert werden? Ein Volk brütet doch immer nur so viel, wie es bewältigen kann, egal ob noch ein Raum obendrauf steht.
Hygiene-Bedenken hätte ich eher bei einer mehrjährigen Verwendung einer Drohnenwabe, wie im Beitrag von Armin Spürgin auf der Seite 6 in der gleichen Ausgabe zu sehen ist.

Dr. Wolfgang Ritter antwortet: Bienenvölker sollten immer mit weitgehend sauberen und einwandfreien Waben erweitert werden – genau so, wie Sie es praktizieren. Das gilt natürlich ebenso für Drohnenfangwaben, die man regelmäßig erneuern sollte. Denn alte oder gar mit Schimmel oder Brutresten behaftete Waben können die Bienen zwar reinigen, aber es kostet sie viel Energie und belastet die Selbstheilungskräfte eines Volkes. Aber auch mit sauberem Wabenmaterial birgt die Erweiterung des Beutenvolumens auf das Doppelte oder um ein Drittel die Gefahr, dass das Hygieneverhalten der Bienen gestört wird. Es kommt nämlich darauf an, dass möglichst viele Bienen in dem besonders gefährdeten Brutbereich kranke oder befallene Brut (z.B. durch AFB oder auch Varroa) erkennen und entfernen. Je größer der Raum ist, mit dem Bienenvölker erweitert werden, desto mehr Bienen werden für die Reinigung und Bearbeitung der neuen Waben abgezogen und stehen für die Hygiene im Brutbereich nicht zur Verfügung. Natürlich kommt man bei der Magazinimkerei um solche Arbeitsschritte nicht herum, aber man sollte immer die Volksstärke bei der Erweiterung im Auge haben und nicht zu früh Raum geben (siehe Heft 4/2013, S. 10 – „Selbstheilung fördern“ und Heft 5/2014, S. 8/9 – „Loch im Deckel“).