Warum haben meine Waben einen Bauch?

Frage: Bei der Durchsicht meiner vier Völker fiel mir auf, dass drei ihre Waben im unteren Bereich nicht regelmäßig, ja sogar mit einer Wölbung ausgebaut hatten – siehe Foto. Diese drei Völker hatte ich 2006 als Ableger von meinem ersten Volk gebildet.
Wie kommt es zu diesem ungleichen Wabenbau? Wird dieses Verhalten möglicherweise von der ersten Königin an die nächste Generation weitergegeben? Was kann ich tun, um diesen „Un“-bau zu vermeiden?
Peter Fehrenbach
p.fehrenbach@friedrichsheim.de

Antwort:
Diese Erscheinung hat keine genetischen Ursachen, sondern kommt durch die Befestigung der Mittelwände (MW). Beim Ausbauen dehnt sich die MW bei 35 °C Brutnesttemperatur aus, wird weich, und zusätzlich hängen sich viele Bienen daran. Steht die MW dadurch unten auf, wölbt sich diese und es kommt zu dem unregelmäßigen Ausbau. Die Ursachen sind, dass die MW beim Einlöten zu nahe am Unterträger anstand und/oder die Drähte nicht straff genug waren und nachgaben.
Um dies zu verhindern, sollten Sie beim Edelstahldraht nach dem Einfädeln ins Rähmchen jede Drahtlänge etwas dehnen (vorspannen), dann gibt er später kaum mehr nach. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, ruhig auch einmal bis zum Reißen ziehen. Die gebräuchlichen Edelstahldrähte lassen sich um nahezu 30 % dehnen. Hilfreich ist auch, wenn Sie beim Einfädeln und bei waagerechter Drahtung die Rähmchenseitenteile durch eine Vorrichtung (einfachste Variante: lange Schraubzwinge im Schraubstock) spannen. Nach dem Lösen strafft sich die Drahtung zusätzlich.
Weiterhin sollten Sie die MW so einlöten, dass der Abstand zum Unterträger ca. 2 mm beträgt. Ist er kleiner, steht diese, wie gesagt, auf. Ist er größer, so dass die Bienen darunter durchschlüpfen können, bauen sie die MW häufig unten nicht durchgehend an. Dann ist die Wabe beim Schleudern weniger stabil, und man hat den Nachteil, dass sich in diesem Zwischenraum die Königin oder auch Schwarmzellen schwer finden lassen.

Bruno Binder-Köllhofer
Fachberater für Bienenzucht
Bieneninstitut Kirchhain