Warum macht Gen-Mais-Anbau Honig unverkäuflich?

Zum Augsburger Gerichtsurteil, siehe Juli-Ausgabe, Seite 8 f.

Frage:
Wieso machen Pollen von MON 810 den Honig ungenießbar? Es vergeht kaum ein Tag, wo der Gen-Mais nicht verteufelt wird. Aber noch nie habe ich gelesen oder gehört, dass er giftig ist. Wäre dem so, müssten doch in Amerika unzählige Menschen diesem Gift zum Opfer gefallen sein?!
Die Weltfirma BASF pflanzt Gen-Kartoffeln, sogenannte Pharma-Crops, an. Werden wir Pfälzer, wenn wir davon essen, aussterben???
Es wäre angebracht, dass wir ehrlich aufgeklärt werden.
Otmar Engel
Kreuzwoogstraße 13, 76857 Ramberg

Antwort:
Verständlicherweise fordern Sie ehrliche Aufklärung. Unter juristischem Blickwinkel geantwortet: Es geht bei dem Urteil nicht darum, ob der Honig durch den Polleneintrag von MON 810 ungenießbar oder schädlich wird. Es geht darum, dass diese Frage nirgendwo wissenschaftlich seriös so untersucht wurde, wie es die EU-Gesetze fordern. Der Mais MON 810 ist deshalb auch nicht als Lebensmittel zugelassen. Ich bin der Meinung, dass wir es als Imker nicht dulden sollten, unseren Honig damit verunreinigen zu lassen. Die jeweiligen Länder haben das Recht und die Pflicht, uns als Imker davor zu schützen. Leider hat das Gericht in Augs­burg dem Imker Bablok diesen Schutzanspruch nicht gewährt. Es hat aber bestätigt, dass es für Verbraucher unzumutbar ist, ein Lebensmittel zu verzehren, welches mit derartigen GVO verunreinigt ist.
Um Ihre Frage aus dem Blickwinkel Sicherheit für Verbraucher und Umwelt befriedigend zu beantworten, reicht hier der Platz nicht. Es hat einige unabhängige wissenschaftliche Studien gegeben, welche Gesundheits- und Umweltprobleme zeigen, bemerkenswerterweise auch eine Untersuchung vom Saatgutkonzern Monsanto selbst. Allerdings hatte Monsanto die Untersuchung den Behörden gegenüber fälschlicherweise anders dargestellt. Erst nach Intervenetion von Greenpeace hat man die gesamten Daten zugänglich gemacht. Leider ohne Konsequenzen. Ratten, die mit dem Gen-Mais gefüttert wurden, zeigten gravierende Schäden an ihren inneren Organen, bei Schmetterlingen und Regenwürmern wurden Probleme gefunden. Wissenschaftler, die solche Ergebnisse präsentierten, haben oftmals ihre Stellung verloren. Unser gesellschaftliches Problem ist die mangelnde Unabhängigkeit der Forschung und die Verquickung von Behörden und Politik mit der Industrie. Neben den von der Industrie finanzierten Internetseiten zum Thema gibt es auch unabhängige, so zum Beispiel: www.keine-gentechnik.de oder www.oekologischer-aerztebund.de.
Wir können nicht warten, bis uns jemand ehrlich aufklärt.
Wir müssen uns selber ein Urteil bilden.
Thomas Radetzki, Vorstand v. Mellifera e.V.
Imkerei Fischermühle, 72348 Rosenfeld