Warum sind die Fluglöcher meistens unten?

Frage: Warum haben unsere Beuten den Einflug unten und nicht oben oder in der Mitte, wie er z. B. bei Bienenkörben zu finden war? Damit könnten die Bienen doch die Luftfeuchtigkeit im Stock besser regulieren? Nachteilig wäre allerdings, dass Wärme in der Wintertraube leichter nach oben abzöge. Wobei es Hinweise gibt, dass die Wintertraube des Bien in einer schlecht isolierten Beute nicht mehr Winterfutter als in einer gut isolierten verbraucht. Packen wir unsere Bienen nicht zu sehr in Watte/Isolierung? Könnte man in unseren Breitengraden nicht auch mit oben liegendem Einflugloch imkern?
Dr. Gregor Hoffmann, Meerbusch

Antwort: Es gibt tatsächlich nur sehr wenige Beuten mit dem Flugloch oben oder in der Mitte. Eine Ausnahme ist der Lüneburger Stülper. Hier wollte man den fluglochfern gelagerten Honig (meistenteils Heidehonig, aber ggf. im Frühsommer auch den Obstblütenhonig) frühzeitig nach der Tracht unten herausschneiden. Sowohl der hessische Korb als auch der badische Rumpf hatten das Flugloch unten. Im ersten Fall wurde ein „Dippche“, ein kleiner Strohkorbaufsatz als Honigspeicher oben aufgesetzt und dann abgeerntet. Beim badischen Rumpf wurde hingegen erst im Frühjahr der übriggebliebene Honig geerntet und dann zur Waben­erneuerung der Korb um 180 ° gedreht (das Flugloch war im Bodenbrett eingenutet).
Traditionelle wie auch moderne Beuten haben entweder bei senkrechter Aufstellung das Flugloch unten oder bei liegenden Beuten auf der Stirnseite vorne/unten. Einfach, weil die Bienen den Honig, wenn möglich fluglochfern ablagern, nämlich oberhalb bzw. hinten (Verteidigung, Schutz). Der Zehrweg folgt vom Flugloch immer nach oben, hinten oder schräg vom Flugloch weg. Sofern sich Futter sowohl unten als auch oben befindet (z. B. bei der Vereinigung zweier Völker), zieht die Wintertraube in der Regel immer nach oben. (siehe auch Antwort unten).
Auch wenn ein Bienenvolk die Ventilation sehr gut bewältigt, mag das Argument der besseren Luftzirkulation bei der Honigreifung zutreffen. Bei Magazinbeuten gibt es daher die Möglichkeit, einfach ein Spundloch in jedem Honigraum anzubringen und diese während der Saison zu öffnen oder im Innendeckel (oberer Rahmen mit isolierender Einlage, unterhalb der Blechhaube) ein Flugloch vorzusehen. Das hat aber den Nachteil, dass dort auch möglicherweise vermehrt Pollen abgelagert wird, obwohl sich hier nicht das Brutnest befindet.
Für die Überwinterung wäre ein oben liegendes Flugloch dagegen negativ. Die Bienen heizen zwar niemals die Beute – daher die geringen Unterschiede im Futterverbrauch von isolierten und nicht isolierten Beuten. Wenn aber Wärme ständig oben abziehen kann oder ein Kamineffekt mit einem Luftstrom entsteht (unten auch offen), wird auch vom äußeren Pelz der Wintertraube, wo die Bienen 8 bis 10 °C halten, Wärme abgezogen.
Eine gut isolierte Beute hat in unseren Breitengraden im Vollwinter keinen Nutzen, hilft aber beim Start, wenn viel Brut erzeugt wird, kann aber dann auch schnell zu zyklischem Brutverlauf und somit zu frühem Schwärmen führen. Wir empfehlen deshalb im Winter einen offenen Bodenschieber (kalter Sitz), aber eine „warme Mütze“. Also eine isolierende, je nach Bauausführung und Isolationsmaterial dampfdichte oder auch dampfoffene Isolierung (analog Wohnungsbau im Dachraum). Wenn starker Bruteinschlag gewünscht bzw. erwartet wird (ab März), sollte man den Schieber schließen. So erleichtert man den brütenden Bienen die Wärmeregulierung. Wenn man den Honigraum aufsetzt, kommt der Schieber wieder raus (Erleichterung des Luftaustausches).
In unseren Breiten würde ich nicht dazu raten, mit oben liegendem Flugloch zu imkern (siehe auch Nicht nur für Einsteiger 11/2012, Seite 10 – 11).
  Bruno.Binder-Koellhofer@llh.hessen.de