Warum wrid die Silphie schlecht gemacht?

Viele Imker setzen große Hoffnungen in die Durchwachsene Silphie als Energie- und Trachtpflanze. Daher stießen die etwas ernüchternden Ergebnisse der von Ina Heidinger im Januar vorgestellten Untersuchung bei manchen Lesern auf Unverständnis.

  Unser Leser Werner Hofmann aus 64846 Groß-Zimmern ist enttäuscht von dem Artikel von Ina Heidinger zur Durchwachsenen Silphie (Heft 1/2016, Seite 18). Er schreibt u. a.: Ihre Recherchen über die Nektarproduktion der Pflanze sind nicht nachvollziehbar. Im Anbauprogramm Durchwachsene Silphie aus 2013 steht auf Seite 17, dass eine mit dem Silphie-Anbau verbundene Honigproduktion zu erheblichen Mehreinnahmen führen kann. Auch in ADIZ/die biene/Imkerfreund, Heft 8/2012, wird von den Thüringer Wissenschaftlern ein Honigertrag von ca. 150 kg pro ha angegeben.
Von 2000 bis 2004 wurde eine Studie über das Honigpotenzial verschiedener Pflanzen von dem Forschungsinstitut für Obstbaumkunde und Blumenzucht, Abteilung Bienenzucht (Polen), durchgeführt. Dort haben die Wissenschaftler festgestellt, dass das Silphium 450 kg an Zuckermenge pro ha produziert.
Welch gravierender Unterschied zu Veitshöchheim. Sind denn alle aufgeführten vorangegangenen Forschungsergebnisse unrichtig?
In Ihrem Bericht geben Sie weiter an, dass die Silphie durch Honigbienen intensiv beflogen wird. Ich möchte dazu nur bemerken, dass Bienen Blüten ohne Nektarproduktion so gut wie nicht anfliegen. Wie passt das mit Ihren Ergebnissen zusammen?
Mit solchen Berichten schaffen wir es niemals, die Maiswüste in unserer Landschaft aufzulockern.  
Antwort: Der Beitrag zur Durchwachsenen Silphie basiert auf Daten von Versuchen an drei unterschiedlichen Flächen, die 2013 und 2014 durchgeführt wurden. Von keinem der 18 Versuchsvölker, die an der Silphie standen, konnte nennenswert Honig geerntet werden. Jedoch nutzten die Bienen die Durchwachsene Silphie als Pollen- und Nektarquelle zur Eigenversorgung. Dies deckt sich mit den Erfahrungen weiterer Institute. In der „Leitlinie zur effizienten und umweltverträglichen Erzeugung von Durchwachsener Silphie“ der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft, die Sie zitieren, sind bedauer-licherweise keine Quellen angegeben, welche die Aussage, dass „eine mit dem Silphieanbau verbundene Honigproduktion zu erheblichen Mehreinnahmen führen könnte“, belegen. Die von Ihnen angegebene Ertragsmenge von 150 kg Honig je Hektar ist meines Wissens ein hochgerechneter, theoretischer Wert, der in der Praxis bislang noch nicht einmal annähernd erzielt wurde. Sollte Ihnen ein Imker bekannt sein, der Honig der Durchwachsenen Silphie zu Analysezwecken bereitstellen kann, wäre ich für dessen Kontaktdaten sehr dankbar.
Des Weiteren zitieren Sie eine polnische Studie, deren Ergebnisse 2005 in der Zeitschrift „Journal of Apicultural Science“ veröffentlicht wurden. Aus dieser Veröffentlichung geht bedauerlicherweise nicht hervor, wie die angegebenen Honigmengen ermittelt wurden. Ich gehe davon aus, dass es sich hier ebenfalls um hochgerechnete Werte, basierend auf Nektarmessungen, handelt und nicht um tatsächlich erzielte Honigerträge. Versuche mit der Durchwachsenen Silphie finden in Deutschland an verschiedenen Standorten und mit verschiedenen Silphie-Herkünften statt. Die Nektarproduktion wird auch von Klima, Boden, Kulturführung und von der Pflanzengenetik beeinflusst. Nennenswerte Honigernten wurden meines Wissens bisher aber nicht erzielt.
Fest steht aber: Besser als Mais ist die Durchwachsene Silphie allemal, wenn es um die Nahrungsverfügbarkeit für Bienen und andere Insekten geht, insbesondere in Landschaften, wo ansonsten praktisch nur Mais wächst. Blühen hingegen auch andere (attraktivere) Pflanzen, dann ist die Silphie für Bienen anscheinend nicht die erste Wahl.
Ina Heidingerina.heidinger@yahoo.deAnmerkung