Was ist Sauerbrut für eine Bienenkrankheit?

Frage: Vor einiger Zeit brachte mir eine Nachbarin aus ihrem Urlaub in der Schweiz die Schweizerische Bienen-Zeitung Heft 9/2007 mit. In der wird sehr ausführlich über die Sauerbrut berichtet, eine Krankheit/Seuche, die ich nicht kenne. In der Bekämpfung ähnelt sie sehr unserer AFB (Amerikanische Faulbrut). Ist „Sauerbrut“ vielleicht nur eine andere Bezeichnung für unsere AFB? Die Zahl befallener Bienenstände lag von 1970 bis 1999 unverändert bei ca. 50 pro Jahr, ist dann aber bis 2006 auf ca. 300 angewachsen – mit ansteigender Tendenz. Sollten Sauerbrut und AFB nicht gleichbedeutend sein, könnte die Sauerbrut auch bei uns auftreten?
Ferdinand Marcks
Bergengruenstraße 40
51109 Köln

Antwort: Mit „Sauerbrut“ wird in der Schweiz eine Brutkrankheit bezeichnet, die mit der bei uns als „Gutartige Faulbrut“ oder heute „Europäische Faulbrut“ bekannten Krankheit identisch ist. Gemeinsam haben sie den Erreger Melissococcus pluton (früher Streptococcus pluton). Typisch für diese Krankheit ist, dass sich bei der Streichholzkontrolle in der eingegangenen Brut kein ziehender Faden zeigt. Je nach den begleitenden Bakterien kann die Europäische Faulbrut auch verschiedene äußere (klinische) Formen annehmen. Besonders der Geruch kann stark säuerlich sein. Hieraus leitet sich auch der nur in der Schweiz gebräuchliche Name „Sauerbrut“ ab. Da Sauerbrut (ebenso wie die Amerikanische Faulbrut) in der Schweiz anzeigepflichtig ist, greifen dieselben Maßnahmen bei der staatlichen Bekämpfung. Dazu gehören das Abtöten, der Kunstschwarm ebenso wie Wanderverbote und Sperrgebiete.
Die Sauerbrut hat in den letzten Jahren in der Schweiz deutlich zugenommen. Hiervon betroffen sind vor allem die Gebiete in der französischen Grenzregion. Nicht erst heute stellt man sich die Frage, warum die Sauerbrut nicht auch in Deutschland eine ähnlich große Rolle spielt. Wegen der Nähe zur Schweiz hat zumindest das Land Baden-Württemberg sie vor mehr als 30 Jahren bereits für anzeigepflichtig erklärt. Die Feststellung führt aber zu keinen weiteren Aktivitäten der Veterinärbehörde. Wir sind besonders direkt im Grenzgebiet sehr wachsam. Bis heute haben wir aber bei uns keine ähnliche epidemieartige Ausbreitung und Vorkommen gefunden. Ich hatte daraufhin in einem mit der Schweizer Bienenzeitung geführten Interview etwas ketzerisch meine Zweifel an der Bedeutung dieser Krankheit geäußert. Woraufhin mich die Schweizer Kollegen zur Besichtigung der betroffenen Stände einluden. Ich konnte mich von dem der Amerikanischen Faulbrut sehr ähnlichen Verlauf der Sauerbrut überzeugen und musste meine Meinung zumindest für die Schweiz relativieren.
Es bleibt aber weiter unklar, warum diese Krankheit nicht auf Gebiete außerhalb der Schweiz überschwappt. Die Gründe könnten neben einem anderen Betriebssystem, einer anderen Beute, die unterschiedliche Flora, aber auch Unterschiede in den Bienenrassen sein. Ich gebe zu, diese Erklärung ist sehr unbefriedigend und ist wohl besser umschrieben mit: „Wir wissen es nicht“. Mit den Schweizer Kollegen aus Bern/Liebefeld ist aber vereinbart, sich gemeinsam der Fragen anzunehmen.

Dr. Wolfgang Ritter
am CVUA Freiburg
PF 100 462, 79123 Freiburg
www.bienengesundheit.de