Was tun bei einem allergischen Schock?

Dass Imker Kindergarten- oder Schulkindern oder auch interessierten Erwachsenen ihren Bienenstand zeigen, ist ein bewährtes Mittel der Öffentlichkeitsarbeit, weckt es doch Interesse und Verständnis für die Imkerei und bringt vielleicht auch den einen oder anderen neuen Honigkunden. Bleibt die etwas bange Frage, was, wenn doch einmal jemand gestochen wird und vielleicht sogar allergisch reagiert, wie sie uns u. a. Hans Reihs gestellt hat.
Mit dem Problem der Bienengiftallergie hat sich Professor Dr. Karsten Münstedt schon sehr ausführlich in den Heften 8 und 9/2004 auseinandergesetzt.
Hier fasst er nochmals die wichtigsten Verhaltensregeln für Imker zusammen.

Frage: Ich habe meinen Bienenstand außerhalb stehen! Nun ist es passiert: Ein Besucher ist von einer Biene, evtl. auch einer Wespe, gestochen worden. Daraus resultierte ein allergischer Schock, der zum Glück behandelt werden konnte.
Damit der nächste Fall ohne Hektik und Stress zu beherrschen ist, möchte ich gern wissen, welche Vorkehrungen man als Imker für solche Fälle treffen und wie man sich verhalten sollte.
Hans Reihs
Geschwindstraße 23, 63329 Egelsbach

Antwort:
Eine allergische Reaktion auf einen Bienenstich wirkt sehr bedrohlich, insbesondere wenn Beschwerden wie Atemnot, Schwindel etc. auftreten. Glücklicherweise verlaufen Reaktionen nur selten tödlich. Trotzdem sollte ein Besuch am Bienenstand, insbesondere wenn mehrere Besucher kommen, gut vorbereitet sein.

Vorbereitungen
– Besucher vorab über die Verhaltensmaßregeln beim Umgang mit Bienen informieren (ruhige Bewegungen, Distanz einhalten, nicht vor ein Flugloch stellen, keine Parfüms, kein Alkohol, helle Kleidung, offene Haare zusammenbinden oder Kopftuch tragen).
– Ängstlichen Teilnehmern Schutzkleidung anbieten.
– Sollten Besucher mit bekannter Bienengiftallergie kommen, diese anweisen, ein Notfallset mitzubringen und sie in jedem Fall Schutzkleidung anlegen lassen.
– Eventuell dem Schauvolk, das geöffnet werden soll, tags zuvor neuen Standplatz geben, damit Flugbienen abfliegen (geht nur, wenn diese ins Nachbarvolk einfliegen können, sonst Unruhe am Stand).
– Honigschleuderung und/oder Verkostung nicht in der Nähe des Bienenstandes, sondern nur in geschlossenen Räumen vornehmen.
– Darauf achten, dass die Besucher die Verhaltensregeln auch einhalten.
– Handy für einen eventuellen Notfall bereithalten.

Maßnahmen
Wenn doch jemand gestochen wird:
– Stachel sofort entfernen! Dabei spielt es keine Rolle, wie der Stachelapparat entfernt wird. Anderslautende Informationen in zahlreichen Imkerbüchern sind falsch!
– Einstichstelle kühlen (kaltes Wasser, Kühlakkus, Zwiebelscheiben auflegen).
– Langsames Entfernen vom Bienenstand.
– Beruhigend auf die Person einwirken.

Bei allergischer Reaktion (starke Schwellung der Einstichstelle, Übelkeit, evtl. Atemnot, Zusammenbruch):
– Ebenso verfahren wie oben erwähnt – auch bzw. gerade bei Allergie sind die o. g. Maßnahmen wichtig.
– Bei Schocksymptomatik – stabile Seitenlage.
– Bei einem ausgewiesenen Allergiker dessen Notfallmedizin verabreichen. Das Maximum der schweren allergischen Reaktion liegt innerhalb der ersten 10 Minuten. Sind diese überstanden, wird alles gut. Daher kommt ein Notarzt bei wirklich schweren Problemen meist zu spät. Entsprechend Medikamente sofort geben, dann Notarzt rufen.
– Bei anderen Personen mit einer allergischen Reaktion können oder sollten folgende Medikamente sofort gegeben werden:
– Antihistaminika (z. B. Fenistil-Tropfen; Tavegil-Sirup – 1 Esslöffel; ab 6 Jahre: 2 Esslöffel).
– Kortisonpräparate (z. B. Celestamine 0,5 N liquidum; gesamte Flasche, ca. 30 ml, nach Entfernung des Tropfansatzes austrinken).
– Bei Blutdruckabfall und der Kontraktion der Bronchialmuskulatur ist die Gabe von Adrenalin-Spray erforderlich (z. B. Primatene Mist Dosier-Aerosol; 2 bis 3 Mal tief inhalieren, falls erforderlich, Wiederholung nach 3 bis 5 Minuten).

Es ist sicherlich nicht notwendig, ständig ein Medikamentenset aus Vorsicht bereitzuhalten. Dies macht wahrscheinlich nur Sinn, wenn häufig größere Besuchermengen an den Stand kommen. Imker, die zur Sicherheit ein solches Notfallset am Stand haben wollen, sollten sich vorab bei ihrem Arzt eingehend über die richtige Gabe der Medikamente informieren. Da diese nur gegen Rezept abgegeben werden dürfen, ist ein entsprechendes Gespräch sowieso unumgänglich!

Prof. Dr. Karsten Münstedt
Universitätsklinikum Marburg
und Gießen Klinikstraße 32
35385 Gießen