Was tun bei zu feuchtem Honig in verdeckelten Waben?

Fachberater Bruno Binder-Köllhofer erreicht häufig die folgende Frage:
Ich habe eben begonnen, meinen Honig zu schleudern und merke, dass er wie Wasser aus der Schleuder läuft, und dies, obwohl die Waben vollständig verdeckelt waren. Ich habe den geschleuderten Honig gemessen, er hat über 20 %! Was kann ich jetzt tun? Ein Eimer ist schon voll, die restlichen Waben sind noch nicht geschleudert.

Antwort: Grundsätzlich sollte man sofort mit der Schleuderung aufhören, wenn der Honig im Sieb keinen Kegel bildet. Am besten man kontrolliert gleich in den Waben oder spätestens beim ersten Honigfluss ab Schleuder den Wassergehalt mit dem Refraktometer.
Ist er zu hoch, entdeckelt man die noch nicht geschleuderten Waben oder ritzt sie zumindest mit der Entdeckelungsgabel auf und hängt sie zurück in die Honigräume. Am besten so, dass ein Kern (mit den zu trocknenden Waben) von bis zu vier Stück in der Mitte entsteht und links und rechts mit Leerwaben bzw. Mittelwänden aufgefüllt wird, wo eventuell frisch eingetragener Nektar Platz findet. Ist die Tracht schon zu Ende oder nicht mehr allzu üppig, kann man die Waben auch im Wechsel mit Leerwaben einhängen.
Auf keinen Fall sollte man eine Folie zwischenlegen. Es bedarf der (Brut-)Wärme des Volkes, andernfalls wären Belüftung und Aufheizung des Raumes und damit eine Trocknung behindert. Honig, der schon geschleudert ist, kann nochmals verfüttert werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass man möglichst abends, mit guten Vorkehrungen gegen Ertrinken der Bienen, alle Völker eines Standes füttert, da durch die Fütterung die Völker suchen und der Geruch höchste Räubereigefahr bedeutet. Allerdings muss man einen Umarbeitungsverlust von etwa einem Drittel in Kauf nehmen.

Hans-Jürgen Schacht aus Vöhl-Marienhagen hatte den Tipp befolgt und schreibt:
Sehr geehrter Herr Binder-Köllhofer, ich möchte mich ganz herzlich für Ihre Hilfe bedanken! Völlig verzweifelt stand ich Anfang Juni im Schleuderraum vor zwölf Zargen mit Rapshonig. Die Waben waren zum größten Teil bis zur Grundleiste verdeckelt. Eine Segeberger Zarge, in der keine einzige Zelle mehr frei war, wog 30,2 kg. Das Leergewicht nach dem Schleudern betrug 5,6 kg. Doch wie staunte ich, als der Honig wie Wasser aus der Schleuder lief: 20,5 % Wassergehalt. Der Rest des Tages schien gelaufen … doch dann habe ich Ihren Rat befolgt: alles entdeckelt und den Bienen wieder zurückgebracht. Dabei taten mir Futter­zargen gute Dienste, denn die Waben tropften fürchterlich. Ich habe die Honigräume immer abwechselnd mit Leerwaben und Honigwaben bestückt. Den schon geschleuderten Honig (Gott sei Dank nur 25 kg) habe ich in die zum Tragen benutzten Futterzargen geschüttet und den Bienen aufgesetzt.
Nach zwei Tagen war nicht mehr zu erkennen, welche Wabe Honigwabe und welche Leerwabe gewesen war. Nachdem die Honigräume wieder voll waren, habe ich erneut geschleudert. Der Wassergehalt lag nun zwischen 15,5 und 17,5 %. Bedauerlich, dass der Wald zwischenzeitlich angefangen hatte zu honigen, sodass ich nun Mischhonig erntete. Aber auch der findet seine Liebhaber. Insgesamt bin ich noch auf einen Schnitt von 55 kg/Volk gekommen. Das hatte ich im Mai nicht erwartet. Also noch einmal vielen Dank für Ihre Hilfe!