Was tun mit Deckelwachs?

Frage: Ich habe mit meinem Deckelwachs schon ziemlich viel „hantiert“. Inzwischen bewahre ich es in verschlossenen Eimern auf und schmelze es aus Zeitgründen erst im Winter ein. Ich weiche es dann in einem großen Mörtelkübel ein, um die Honigreste abzuwaschen. Danach fische ich die Wachsteilchen mit einem Küchensieb aus der Brühe, gebe sie in einen großen Topf (unten eine Handbreit Wasser) und koche/schmelze sie aus. Es tut mir weh, wenn ich anschließend das schöne Honigwasser in den Ausguss kippen muss! Außerdem ist das so gewonnene Wachs immer noch nicht frei von Honig – es klebt. Alles sehr aufwendig und ein ziemlich unbefriedigendes Resultat. Daher würde ich gerne wissen, wie sich Deckelwachs sauber und möglichst ohne Honigrückstände ausschmelzen lässt und was man damit am sinnvollsten herstellen soll – Mittelwände oder Kerzen? Und auch, wie ich die darin befindlichen Honigreste sinnvoll nutzen kann?

Phillip Elsässer
Carl-Hilt-Straße 27A, 52134 Herzogenrath

Antwort:
Bekanntlich verwenden Honigbienen zur Verdeckelung der gefüllten Honigzellen – sicherlich aus Hygienegründen – vorwiegend Jungfernwachs und nur selten das an anderer Stelle abgetragene „Altwachs“. Sie geben uns damit sozusagen einen Hinweis und zeigen uns die „Messlatte“ für unsere Arbeitsweise bezüglich Wabenhygiene und Völkerführung zur Gewinnung von Qualitätshonig!
Damit lässt sich auch gleich die Frage nach der Verwendung von Deckelwachs schlüssig beantworten: Diese höchste Qualitätsstufe verwenden wir zur Herstellung von Mittelwänden – sie bildet den Grundstock für einen getrennten Wachskreislauf. Dagegen wird zur Herstellung von Kerzen, Möbel- oder Schuhpolituren das aus Altwaben gewonnene Wachs eingesetzt – es wird damit dem Kreislauf entzogen.
Entdeckelungsarten: Die meisten Imker verwenden zum Entdeckeln von Honigwaben Entdeckelungsgabeln. In mittleren und größeren Imkereien kommen häufig elektrisch beheizte Messer oder Hobel zum Einsatz. Dabei landen weniger Wachsteilchen in den Honigsieben als bei der Gabelentdeckelung. Erwerbsimkereien schließlich arbeiten mit verschiedenartigsten Entdeckelungsmaschinen. Dabei werden z. B. die Zelldeckel mit beheizten Messern abgeschnitten, dadurch gerät ins Entdeckelungswachs wiederum mehr Honig. Dieser wird dann z. B. mit speziellen Zentrifugen ausgeschleudert und so doch weitestgehend trockenes Wachs gewonnen. Ähnliche Techniken werden auch schon für mittlere Imkereien angeboten. So gibt es Edelstahllochblech- und Kunststoffgazetaschen, welche mit Deckelwachs gefüllt, in die Schleuder eingehängt und bei hoher Drehzahl ausgeschleudert werden.
Im Schnitt lassen sich je nach Entdeckelungsart und weiterer Behandlung je 100 kg gewonnenen Honigs 1,0 bis 1,5 kg reines goldgelbes Bienenwachs gewinnen.
Schließlich können Honigwaben mit heller (!) Verdeckelung auch mit Gasbrennern oder elektrischen Heißluftgebläsen ganz flott entdeckelt werden. Vorsicht: Schutzbrille tragen und Entdeckelungstisch etc. abdecken, da Zelldeckel abplatzen und wegspritzen! Die Frage nach der Gewinnung von Entdeckelungswachs erübrigt sich hier: Es gibt nämlich keines! Damit ist das Verfahren auch beim Aufbau eines eigenen Wachskreislaufes nicht zu wählen!

Ungeeignete Weiterbehandlung: Auf keinen Fall darf man den Bienen das honigfeuchte Deckelwachs offen zum Ausschlecken anbieten. Das verursacht mit größter Wahrscheinlichkeit eine wilde Räuberei und darf streng genommen nach der Bienenseuchenverordnung nicht gemacht werden.
Auch der Sonnenwachsschmelzer ist ungeeignet. Der anhaftende Honig dunkelt in der großen Hitze völlig – ist damit wärmegeschädigt und somit nurmehr begrenzt marktfähig. Aber auch als Bienenfutter ist er ungeeignet, da er durch den hohen HMF-Gehalt für Bienen giftig wirkt!

Kleine Mengen: Für die Hobby- und Liebhaberimkerei kommt für eine Weiterbehandlung des Deckelwachses einmal das Ausleckenlassen durch die Bienen in Frage. Aber eben nicht im Freien, sondern in einem Trog oder einem sonstigen flachen Behälter in der Beute – z. B. in einer leeren Zarge über einer an einer Ecke zurückgeschlagenen Folie. Dabei nur eine dünne Schicht – ca. 1 cm – hineingeben, damit die Bienen den Honig gut aufsaugen können. Das trockene Wachs anschließend im Sonnenwachsschmelzer zu einem goldgelben Wachsbarren einschmelzen.
Alternativ kann das Deckelwachs in Wasser ausgewaschen und nach dem Abtropfen eingeschmolzen (Sonnenwachsschmelzer) werden. Soll es aufbewahrt werden, muss es getrocknet werden, sonst fängt es schnell an zu schimmeln. Die Honigwasserlösung wird sofort mit Zucker angereichert und gefüttert.

Größere Mengen: Auslecken durch die Bienen kommt hier nicht mehr in Frage. Dagegen ist das Auswaschen des Honigs aus dem Deckelwachs weiterhin interessant, wenn z. B. Met hergestellt werden soll. Entdeckelungswachs von Jungfernwaben lässt sich gut in verschließbaren Fässern sammeln – bei Altwabenwachs besteht Mottengefahr! Darin wird es mit Wasser eingeweicht und z.B. in eine hohe Entdeckelungswanne umgefüllt und mehrmals gerührt. Dadurch schwimmt das ausgewaschene Wachs obenauf und lässt sich mittels eingelegtem Bodensieb herausheben. Das Honigwasser kann unten abgelassen werden. Es wird auf die gewünschten Öchslegrade eingestellt, in Fässer gefüllt und der gezielte Gärprozess durch Hefezugabe eingeleitet. Wird das Deckelwachs zur Zeit der Ableger- oder Winterfütterung ausgewaschen – wie für Met beschrieben –, lässt sich die Honigwasserlösung wiederum verfüttern – es bedarf nur an die Deckelwachsmenge angepasster Behälter. Das gewaschene Wachs wird im Dampfwachsschmelzer oder ähnlichen Geräten eingeschmolzen.

Kontinuierliche Verwertung: Das schnellste und wirtschaftlichste Verfahren wird von Erwerbsimkereien angewendet. Das anfallende honigfeuchte Deckelwachs wird sofort in einem Schmelzapparat mit Infrarotwärmestrahlern, der im Fachhandel angeboten wird, ausgeschmolzen.
Ich selbst verwende einen Eigenbau, der mit gebräuchlichen elektrischen Infrarotheizstrahlern arbeitet – siehe Skizze. Das Deckelwachs wird dabei in ein großes Honigsieb gegeben, das auf eine Auffangwanne gestellt wird. Der Wärmestrahler darüber schmilzt sowohl den enthaltenen Honig als auch das Wachs, beides fließt in die Auffangwanne. Das leichtere Wachs schwimmt obenauf, während unten der flüssige Honig abgelassen werden kann. Die von mir verwendete Wanne fasst ca. 15 kg Wachs. Je nach Wärmeeinwirkung wird der Honig einer geeigneten Verwendung zugeführt.

Imkermeister Werner Gekeler