Wie kann ich meine Winterverluste schnell ausgleichen?

Dass einige der Völker nach dem Winter tot sind, kommt leider immer wieder vor. Wie man nun vorgehen kann, ist Inhalt einer Frage/Antwort.

Kai Degenhart aus Lautertal fragt: Bei der Oxalsäurebehandlung am 29.12. musste ich feststellen, dass von meinen 42 Völkern nur noch 18 lebten. In den abgestorbenen Völkern waren keine toten Bienen zu finden und die Futterwaben fast nicht angetastet. Ich schließe daraus, dass ich gegen die Varroa nicht ausreichend behandelt hatte.
Nun möchte ich natürlich die Verluste schnell ausgleichen und stelle mir das so vor: Ich verwende nur ein Volk zur Vermehrung und imkere mit den anderen erst einmal ganz normal. Sobald sie auf fünf Waben (Dadant) Brut haben, nehme ich die beste davon zusammen mit der Königin heraus und bilde Einwaben-Ableger – die bis Saisonende zu überwinterungsfähigen Einheiten aufgebaut werden.
In die Völker hänge ich stattdessen zwei bis drei schlupfreife Weiselzellen, die ich in meinem Vermehrungsvolk angezogen habe. Damit hätte ich junge Königinnen in den Völkern, den Schwarmtrieb unter Kontrolle und gleichzeitig meine Völkerzahl verdoppelt. Nur, kann ich dabei auch mit einer Honigernte rechnen, wenn mitten in der Tracht 10 – 14 Tage Eiablage fehlen?
Kurz vor der letzten Schleuderung würde ich dann durch eine totale Brutentnahme
zusammen mit den Bienen aus den Honigräumen Sammelbrutableger bilden. Die geschröpften Völker behandele ich dann mit Milchsäure und die Sammelbrutableger 21 Tage später auch. Ist dies alles praktikabel?
Bruno Binder-Köllhofer antwortet: Ihre Diagnose kann ich nachvollziehen. Dieser Spätherbst-Varroaschaden ist wohl nach der Räubereigefahr aufgetreten. Prinzipiell könnte Ihr Vorhaben klappen, ich will
jedoch Schwachpunkte aufzeigen:

  • Nur ein Volk zur Vermehrung wäre mir zu wenig.
  • Beim Einsatz von Weiselzellen in die Völker ist mit 10 – 20 % Verlusten bei der Begattung zu rechnen.
  • Wird dies zu spät bemerkt, fallen drohnenbrütige Völker aus.
  • Bei der Honigertragserwartung ist gleich nach der Herausnahme der Königin sogar mit einem „Plus“ zu rechnen, da die Völker weniger Brut pflegen. Etwa nach vier bis fünf Wochen (je nach Begattungsbedingungen) erreicht der Bienenbesatz in den Völkern jedoch einen Tiefpunkt, was sich zwangsläufig auf die Nutzung einer dann anstehenden Tracht auswirkt.
  • Aus dem gleichen Grund ist es auch fragwürdig, ob die anfangs „umgeweiselten“Völker schon wieder so viel Bienenmasse gebildet haben, dass die dann geplante komplette Brutentnahme und Teilung in Sammelbrutableger und „Restvölker“ zu überwinterungsfähigen Einheiten führt.

Vielleicht wäre es doch besser, wenn man im Frühjahr mit jeweils einer entnommenen Dadant-Brutwabe und der Zugabe einer schlupfreifen Zelle Ableger bildet und aufbaut, die Völker „normal“ durch die Saison führt und danach die von Ihnen beschriebene komplette Brutentnahme macht. Oder Sie machen eine komplette Brutentnahme, beispielsweise so wie von Imkermeister Dr. Jens Radtke auf den vorangegangenen Seiten beschrieben. Völker, denen man die Königin nimmt, sind erst einmal „steuerlos“ und u. U. schwer oder gar nicht mehr zu führen!