Wie kann man gemeinsam an Honig-Großhändler vermarkten?

Frage: Als Hobbyimker kann ich den meisten Honig direkt zu einem guten Preis an Bekannte verkaufen. Ein bis zwei Eimer Honig bleiben übrig. Händler kaufen aber erst ab einer Mindestmenge an. Anderen Imkern im Verein geht es auch so. Daher die Frage: Kann man den noch flüssigen Honig in einem gemeinsamen Fass sammeln und an einen Großhändler verkaufen?
Gibt es dazu schon praktische Erfahrungen?
Dr. Albert Eismann, 91413 Neustadt/Aisch

Antwort: Natürlich kann man den Honig aus verschiedenen Imkereien des Imkervereins sammeln und an einen Großhändler verkaufen. Es stellt sich jedoch in diesen Zusammenhang die Frage der Qualitätssicherung und Produkthaftung. Der Großhändler benötigt einen verantwortlichen Geschäftspartner, der für die Qualität der angelieferten Ware einsteht und im Extremfall auch dafür haftet.
Ob Privathaftpflicht- oder Imkerversicherungen das Risiko aus einem solchen Handel übernehmen, muss deshalb im Vorfeld geprüft werden. Gegebenenfalls könnte der Verein – eine entsprechende Versicherung und eine entsprechende Vertragsgestaltung mit den anliefernden Imkereien vorausgesetzt – diese Aufgabe übernehmen, sofern es sich um eine juristische Person, also um einen eingetragenen Verein, handelt. Beachtet werden muss hierbei jedoch, dass der Imkerverein nur in engen Grenzen am wirtschaftlichen Leben teilnehmen darf. Dies trifft im besonderen Maße zu, wenn eine Gemeinnützigkeit vorliegt! Eine Rücksprache mit dem Finanzamt macht deshalb Sinn!
Tritt einer der Imker als Zwischenhändler auf, muss weiter geprüft werden, ob dieser dann gewerblich handelt beziehungsweise, ob entsprechende Bagatellgrenzen überschritten werden. Diese Frage kann das örtliche Gewerbeamt in der Gemeinde- oder Stadtverwaltung klären.
Allerdings sollte angesichts der offenen Fragen und der kleinen Menge von ein bis zwei Eimern pro Imker auch daran gedacht werden, diese einfach als Reserve in die nächste Vermarktungssaison mitzunehmen. Bei guten Lagerbedingungen gibt es hierbei keine Bedenken hinsichtlich der Qualitätsverluste. Da die jährlichen Honigerträge Schwankungen unterliegen, kann so eine kontinuierliche Versorgung der Kunden auch in schlechteren Jahren gesichert werden.
Eine weitere Alternative stellt die Veredlung dar. Durch die Metproduktion oder andere Veredlungsprodukte kann beim Kunden ein zusätzlicher „Honig“-Bedarf geweckt werden.
Gerhard Müller-Engler
Staatlicher Fachberater für Bienenzucht, Erlangen
Gerhard.Mueller@lwg.bayern.de