Wie lassen sich Ameisen fernhalten?

Frage: Wir besitzen ein Bienenhaus, das auf acht Eisenrohren als Ständer gebaut ist. An diesen Rohren krabbeln ständig Ameisen hoch. Ein Einstreichen dieser Rohre mit Fett half auch nicht, den „Aufmarsch“ zu verhindern. Welche Möglichkeiten gibt es, die Ameisen fernzuhalten?

Rudolf und Andrea Kozel
Stadtwaldstraße 58
85368 Moosburg a.d. Isar
k.kozel@t-online.de

Antwort:
Bienenvölker sind mit ihren Vorräten für viele Lebewesen eine willkommene Nahrungsquelle. Zudem laden Bienenbehausungen häufig zum Einzug von Untermietern ein. Gerade für Ameisen sind Beutenböden und -deckel, Magazin- oder Beutenzwischenspalten wahre Siedlungsparadiese. Zum Ärgernis des Besitzers werden dabei oft weiche Isoliermaterialien oder bei Styroporbeuten gar ganze Zargenteile mit Gängen durchzogen und allmählich ganz zerstört. Weniger tragisch ist es, wenn Ameisen zeitweilig die Stockwärme eines Bienenvolkes nutzen und ihre Puppen in eine ausgelagerte, gut temperierte Brutkammer, wie z. B. den Zwischendeckel der Beuten, verbringen. So richtig lästig werden sie uns Imkern aber, wenn sie sich auf einen „bequemen“ Weg der Kohlenhydratversorgung spezialisieren und sich der Honigvorräte unserer Bienenvölker bedienen.

Naturschutzgesetze beachten!
Mehrere Ameisenarten sind aus oben genannten Gründen ständige Begleiter bei der Honigbienenhaltung. Vergessen sollten wir dabei jedoch nicht, dass Ameisen als „Polizisten des Waldes“ viele geschwächte oder tote Lebewesen, auch Bienen, verzehren und so ein bedeutendes Glied im Naturhaushalt sind. Wissen sollten wir als Imker auch, dass alle Ameisenarten nach § 41 des Bundesnaturschutzgesetzes den so genannten Mindestschutz von wild lebenden Tierarten genießen und nicht grundlos gefangen, verletzt oder getötet werden dürfen. Zusätzlich zählen alle Hügel bauenden Waldameisen mit Ausnahme der Blutroten Raubameise nach der Neufassung der Bundesartenschutzverordnung vom 16. 02. 2005 wieder zu den besonders geschützten Tierarten, s. a. www.ameisenschutzwarte.de/rechtliches.php.

Vorbeugen ist besser als…
Bei allen Maßnahmen am Bienenstand muss es daher in erster Linie darum gehen, Ameisen fern zu halten – was nicht immer ganz einfach ist, wenn sie die sprudelnde Nahrungsquelle einmal entdeckt haben. Muss in einem Bienenhaus ein Nest entfernt werden, sollte man sich bei Unsicherheiten bezüglich der Ameisenartbestimmung fachlichen Rat einholen. Um der Besiedelung vorzubeugen, errichtet man Bienenhäuser am besten immer auf speziellen Sockelsteinen, die eine Wasser- oder Ölsperre besitzen, um sie vor dem Zugang von Ameisen zu schützen. Sind diese bei einem schon bestehenden Gebäude nicht vorhanden, kann man es mit Fetten oder einem Insektenklebegürtel versuchen. Diese werden von den Ameisen jedoch häufig mit Erdkrümeln überbrückt, denn auch diese Stückchen haften gut auf diesem Untergrund. Nach Erfahrungsberichten klappt es auch mit einem doppelseitigen Klebeband – es muss allerdings häufig erneuert werden.

Wenn Klebriges nichts hilft…
Sollten die genannten Maßnahmen, wie auch bei Andrea und Rudolf Kozel, nicht zum Erfolg führen, hilft eine nachträglich angebrachte Flüssigkeitssperre. Dazu müssen Blechteile als Halbschalen gefertigt und an die Rohre bzw. Ständer geschweißt oder geschraubt werden. Sie können ähnlich der untenstehenden Skizze konstruiert sein. Nachdem die beiden Teile festgeklemmt sind, werden die Nähte mit Silikon abgedichtet und mit Salatöl oder Wasser gefüllt (kein Motoren- oder gar Altöl). Ist der Zugang wirksam versperrt, müssen die eingedrungenen Untermieter noch aus dem Bienenhaus geschafft werden; auch hierzu kann eine mehrmalige Säuberung notwendig werden.
Häufig nisten Ameisen auch unter den Blechhauben der frei aufgestellten Magazinbeuten oder in der Deckelisolierung. Um diesen Nistplatz „unbequemer“ zu gestalten, vergrößert man den Abstand vom Deckel zur Blechhaube durch Abstandshalter. Es hilft nach meinen Erfahrungen auch, wenn man sie beständig dort herausfegt bzw. ins Gras abstößt, sie schauen sich dann meist nach einem ruhigeren Platz um. Ziehen sie in das (Styropor-) Isoliermaterial unter dem Blechdeckel ein, verwendet man dort Trittschall-Glaswolle, welche sie meiden.
Imkermeister Werner Gekeler
Sternbergstraße 14
72525 Münsingen