Wie tötet man Drohnenbrut am besten ab?

Drohnenbrut soll abgetötet werden, um die Varroamilben zu dezimieren. Doch wie kann man dies tun, ohne die ethischen Grundsätze der Bienenhaltung zu verletzen?

Jürgen Schwenkel
Jürgen Schwenkel

Peter Trollmann aus Augsburg schreibt: Im neuen Buch von Dr. Wolfgang Ritter „Gute imkerliche Praxis“ finde ich das 14. Kapitel über „Ethische Grenzen der Bienenhaltung“ besonders interessant. Ich kenne keinen Autor, der bisher dieses Thema bearbeitet hat. Zurzeit ganz oben an in der täglichen imkerlichen Arbeit steht das Ausschneiden und Vernichten von Drohnenbrut.

Ehrlich gesagt habe ich schon damit meine Probleme, wenn ich alle zwei bis drei Wochen die gesamte Drohnenbrut ausschneide. Ich sehe ja ein, dass dies notwendig ist, um dem Wachstum und der Vermehrung der Varroamilbe Einhalt zu gebieten. Doch wie töte ich die Drohnenbrut artgerecht?

Ausfressen lassen durch die Vögel (eigentlich verboten!)? Einfach einige Tage liegen lassen? Wenn die Sonne scheint, gleich in den Sonnenwachsschmelzer legen und dort die Drohnenmaden dem qualvollen Hitzetod aussetzen? Einfrieren im Gefrierschrank (neben den anderen Lebensmitteln) und späteres Ausschmelzen im Sonnenwachsschmelzer?
Abschwefeln in einer separaten Zarge – geht das überhaupt? Wie lange dauert es, bis die schwefligen Dämpfe in die Zellen eindringen und die Maden abgetötet sind?
Wäre auch der Einsatz von hochprozentiger Ameisensäure (evtl. in Verbindung mit zusätzlicher Wärme) denkbar, um neben den Milben auch die Maden abzutöten?

Wenn die Drohnen schon abgetötet werden müssen, dann sollte deren Todeskampf möglichst kurz und vom menschlichen ethischen Standpunkt aus vertretbar sein.
Was raten Sie?

Dr. Wolfgang Ritter antwortet: Schön, dass Ihnen mein neues Buch gefällt. Die von Ihnen aufgeworfenen Fragen sind sehr interessant. Ehrlich gesagt, habe ich das Ausschneiden der Drohnenbrut ethisch immer vom Bienenvolk aus beurteilt und nicht von der Art der Tötung der Brut.

Wir wissen heute, dass die Vernichtung stark befallener Drohnenbrut zu den wichtigsten Abwehrmechanismen der Östlichen Honigbiene (Apis cerana) gegen einen zu großen Befall mit Varroa-Milben gehört. Stark befallene Drohnen können nicht schlüpfen, da die asiatischen Bienen das „Atemloch“ im Zelldeckel mit Propolis verschließen. Die Drohnen ersticken somit. Dies hat sich im Laufe der Evolution so entwickelt, damit beide, Varroa-Milbe und Bienenvolk, überleben können.

Bei unserer Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) funktioniert das nicht, da die dünneren Deckel der Drohnenbrutzellen einen ungehinderten Gasaustausch ermöglichen. Brut einfach liegen lassen, führt erst nach Tagen zum Tod. Sie als Vogelfutter in der freien Natur anzubieten, ist wegen der Ausbreitung von Seuchen sowieso nicht erlaubt. Der Hitzetod im Sonnenwachsschmelzer ist sicher ebenso wie im automatischen Drohnentöter (Mitezapper) nicht artgerecht. Das Abschwefeln führt zwar schnell zum Tod, ist aber immer mit Gesundheitsgefahren für den Anwender verbunden und bringt auf Dauer Schwefelrückstände im Wachs. Ameisensäure hilft auch nicht wirklich weiter.
Bienen sind wechselwarme Tiere. Sinkt die Temperatur auf unter 10 °C, fallen sie in eine Starre, und bei längerem Einfrieren (sicher nach 12 Stunden) sterben sie. Für die Brut gilt wohl ähnliches. Niedrige Temperaturen scheinen daher am meisten artgerecht zu sein, da dies einem sanften Einschläfern am nächsten kommt. Ich sehe zwar kein Problem für die Lebensmittel in der Truhe, allerdings ist je nach Größe der Imkerei der energetische Aufwand enorm. Hier bleibt es jedem überlassen, selbst zwischen den Vor- und Nachteilen abzuwägen.

ritter@bienengesundheit.info