Winterbehandlung verpasst! – Was nun?

Immer wieder erreichen uns Fragen, was man tun kann, wenn man die Winterbehandlung im Dezember aus persönlichen oder wetterbedingten Gründen nicht hatte durchführen können:

  • Ist zu befürchten, dass die Völker dann mit einem höheren Besatz in die Saison starten?
  • Lässt sich die Behandlung nicht einfach im Januar durchführen?
  • Welche Möglichkeiten gibt es hierzu?
  • Was soll man tun, wenn es zu spät zur Behandlung ist?

Wir baten Fachberater Bruno Binder-Köllhofer um die Beantwortung: Ein klares „Ja“ zu Frage 1. Eine Winterbehandlung sollte immer erfolgen. Nur so kann man mit einer niedrigen Milbenmenge in die neue Saison starten, und es besteht bis zur Jahresmitte keine unmittelbare Gefährdung, insbesondere, wenn begleitende biotechnische Maßnahmen den Befallsanstieg abbremsen. Zu nennen sind der Drohnenbrutschnitt oder auch die Brutwabenentnahme zur Jungvolkbildung. Liegt der natürliche Milbentotenfall auf der Bodeneinlage im Zeitraum Oktober bis November bei über 0,5 Milben je Tag, kann der Milbenbesatz zu Anfang des Jahres schon so hoch sein, dass sich besonders bei frühem Brutbeginn und durchgehender Bruttätigkeit schon im Mai, aber spätestens im Juni ein gefährlich hoher Parasitierungsgrad aufgebaut hat. Wichtig bei der Winterbehandlung ist, dass die Völker brutfrei sind! Ein verspäteter Behandlungszeitpunkt birgt, ebenso wie ein zu früher, die Gefahr, dass die Bienen verdeckelte Brut haben. Zur Winterbehandlung stehen grundsätzlich drei Wirkstoffe zur Verfügung: Oxalsäure, Milchsäure und Coumaphos (Perizin) – siehe auch „Varroa-Mittel sind Medikamente“, Seite 10 – 12. Nachfolgend soll aber ergänzend darauf hingewiesen werden, dass nicht bei allen eine Behandlung im Januar noch zulässig ist bzw. welche Konsequenzen zu bedenken sind. Oxalsäure – träufeln Die Träufelbehandlung mit Oxalsäuredihydrat-Lösung 3,5 % ad us. vet. soll bei Außentemperaturen zwischen +3 °C bis +10 °C erfolgen. Leichter Frost schadet nicht, sondern ist eher förderlich, weil sich die Bienen im Wintersitz noch enger zusammengezogen haben und nicht auffliegen. Aufgrund der gesetzlich vorgeschriebenen Wartezeit und der Warnhinweise sollte die OS-Behandlung im brutfreien Volk bis spätestens 31. Dezember eines Jahres abgeschlossen sein. Denn nach einer Behandlung darf Honig erst im Frühjahr des nächsten Jahres gewonnen werden. Eine Anwendung im Januar sollte daher nur in äußersten Ausnahmefällen erfolgen – um z. B. ein Volk zu retten – und mit der Konsequenz, dass in diesem Jahr davon kein Honig geerntet wird. Perizin® – träufeln Für die Perizin-Anwendung sollten +5 °C bis +10 °C herrschen. Das Mittel kann Rückstände im Wachs verursachen, weshalb man nur die Bienen und möglichst nicht Waben beträufeln sollte. Eine einmalige Anwendung reduziert den Wirkstoffeintrag und reicht zur Wirkung aus, da die normalen biotechnischen Maßnahmen (s. o.) den Milbenanstieg abbremsen und eine Sommerbehandlung obligatorisch ist. Eine Anwendung im Frühjahr kann, sollte aber aufgrund der höheren Gefahr möglicher Rückstände im Honig, nur in Ausnahmefällen in sicher brutfreien Völkern erfolgen. Vorgeschrieben ist eine Wartezeit von 6 Wochen vor Trachtbeginn. Aufgrund der Warnhinweise sollte auch hier Honig erst im Folgejahr geerntet werden. Milchsäure – sprühen Das Besprühen aller bienenbesetzten Waben mit 15%iger Milchsäure (ad us. vet.) sollte für die Winterbehandlung von November bis Dezember nur bei frostfreier Witterung bei 5 – 6 °C erfolgen. Bei höheren Temperaturen fliegen vermehrt Bienen auf und werden nicht benetzt. Im Abstand von einigen Tagen wird ein zweites Mal gesprüht. Eine Behandlung im Januar ist rechtlich möglich, birgt aber ebenfalls die Gefahr erhöhter Rückstandswerte im Honig. Wie weiter verfahren? Wer die Winterbehandlung verpasst hat und auf eine Honigernte nicht verzichten möchte, sollte mit einem frühzeitigen Drohnenbrutschnitt und einer relativ starken Ablegerbildung bei Entnahme von 2 – 3 verdeckelten Brutwaben im Mai gegensteuern. In den Ablegern lässt sich die Varroa in der brutfreien Zeit, 24 Tage nach Bildung, wirksam bekämpfen! Bei nicht behandelten Völkern sollte man dann regelmäßig ab Mitte Mai den Milbenabfall (Gemüll) kontrollieren oder noch besser Befallskontrollen (Puderzucker) durchführen. Steigen dort die Werte über 10 Milben je Tag auf der Bodeneinlage oder 5 Milben je 100 ml Bienen vor Juli, muss  sofort reagiert werden, entweder, indem man die Völker durch eine komplette Brutwabenentnahme saniert oder indem man frühzeitig abschleudert und anschließend behandelt. Bruno.Binder-Koellhofer@llh.hessen.de