Winterfütterung mit Rapshonig

Frage: Wir haben heuer größere Mengen an Rapshonig geerntet und möchten ihn, da wir diese Mengen in der Direktvermarktung nicht absetzen können, teilweise unseren Bienen als Winterfutter einfüttern. In Fachbüchern und Zeitschriften haben wir dazu leider keine Angaben gefunden. Wie soll z. B. das Mischungsverhältnis von Honig zu Wasser bei der Futtergabe sein?

Traudl und Josef Wiedenmann, Oberrimbach 39, 96152 Burghaslach

Antwort:
Honig ist zweifellos das natürlichste Bienenfutter. Es sind jedoch nicht alle Honige, die die Bienen in den Waben speichern, zur Zehrung im Winter geeignet. Besonders ungeeignet sind Tauhonige, weil sie beim Verzehr durch die Bienen zu viele Verdauungsrückstände bilden und die Kotblase schnell füllen. Aber auch Blütenhonige können in langen Kälteperioden Schwierigkeiten machen, wenn sie hart in den Wabenzellen kristallisiert sind.
Ihr Vorhaben, mit Rapshonig zu füttern, ist m. E. aus wirtschaftlichen Gründen interessant und bereitet keine Überwinterungsprobleme, wenn ein Teil der Bevorratung aus Zuckerlösung hergestellt wird. Damit Honig zum Füttern dargeboten werden kann, muss er verflüssigt und verdünnt werden. Nach der Verflüssigung im Wärmeschrank oder anderen geeigneten Geräten ist es relativ leicht, Wasser beizumischen. Es muss eine Fütterungskonsistenz ähnlich der Zucker-Wasserlösung 3 : 2 oder des angebotenen Sirups mit ca. 30% Wassergehalt erreicht werden. Der Rapshonig dürfte einen Wassergehalt um 18% mitbringen, dieser sollte auf ca. 30% aufgemischt werden. Dann ist die Verarbeitung für die Bienen völlig unproblematisch. Einem Kilogramm Honig muss man ca. 250 ml Wasser beimischen. Man macht das am besten, solange der Honig noch temperiert ist, da geht die Beimischung besonders schnell.
Die Gesamtbevorratung kann ohne weiteres aus 50% Honig und etwa 50% Zuckerlösung aus Trockenzucker oder einem der angebotenen Invert- oder Stärkezuckersirupe bestehen.
Beim Füttern werden die Bienen vom Honigaroma besonders schnell mobilisiert, man muss deshalb möglichst zügig vorgehen, um Räuberei zu vermeiden. Und wer in den Abendstunden füttert, kann diese Gefahr weiter vermindern.

Imkermeister Werner Gekeler
Sternbergstraße 14
72525 Münsingen