Wird Thiacloprid bei der Honiganalyse bestimmt?

Gerade wurde der zulässige Höchstwert für Thiacloprid in Honig EU-weit abgesenkt. Doch wo kann man diesen Rückstand überhaupt bestimmen lassen?

Bernd Stucky aus Harbach fragt: Dr. Klaus Wallner beschreibt in seinem Artikel in der März-Ausgabe die Gefahr, dass durch die Absenkung des Rückstandshöchstwertes für den Wirkstoff Thiacloprid Honig aus der Rapstracht möglicherweise nicht verkehrsfähig sein könnte. Wird denn dieser Wirkstoff bei einer Honiganalyse bestimmt? Ich würde gerne sichergehen, dass mein Honig den aktuellen Bestimmungen entspricht.

Dr. Klaus Wallner, Hohenheim, antwortet: Die Bestimmung von Thiacloprid und anderen Neonicotinoiden war tatsächlich längere Zeit ein Problem für unser Labor in Hohenheim. Man benötigt dafür eine LC-MS/MS-Anlage, die ca. 400.000 Euro kostet. Wir mussten daher auch unsere eigenen Proben aus Versuchen bei anderen Laboren untersuchen lassen. Möglich war jedoch, die Rückstandswerte von Thiacloprid in Rapshonig dadurch abzuschätzen, indem wir z.B. Boscalid oder Azoxystrobin bestimmten. Diese Wirkstoffe werden bei der Pflanzenschutzmittel-Anwendung im Rapsanbau zusammen mit Thiacloprid ausgebracht und tauchen in ähnlichen Konzentrationen wie Thiacloprid in Honig auf. Bei etwa 12 % der analysierten Honige konnten wir auf diese Weise erkennen, dass Thiacloprid im Honig zu finden sein wird. Allerdings weit unterhalb der bisher geltenden Höchstgrenze von 0,2 mg/kg.
Allerdings hat sich in den letzten Jahren die Situation dadurch verschärft, dass die Pyrethroide, die früher zur Rapsblüten-Spritzung hauptsächlich eingesetzt wurden, ihre insektizide Wirkung verloren haben. Dadurch wurde das Thiacloprid als einziges noch funktionierendes Insektizid in die Marktführer-Rolle gedrängt. Damit hat sich in den letzten beiden Jahren die Rückstandssituation bezüglich Thiacloprid deutlich verschärft. Wir haben darauf reagiert und uns zusammen mit zwei anderen Instituten in Hohenheim eine entsprechende Analyse-Anlage beschafft und begonnen, eine eigene Methode für Thiacloprid und andere Wirkstoffe zu entwickeln. Heute können wir in einer Kooperation mit dem Institut für Lebensmittelchemie der Universität Hohenheim diesen Wirkstoff erfassen und bieten die Analysen seit Dezember 2015 auch als Service an.