Wirkt Ameisensäure auch in verdeckelten Zellen?

Frage:In meinem Verein wird immer wieder behauptet, dass die Ameisensäure nur zu 1 – 2 % in der Brut wirkt. Wenn dem so wäre, ist es doch absoluter Blödsinn, die Bienen sowie den Imker dieser Prozedur auszusetzen! Im Internet finde ich auch keine genauen Wirkungszahlen. Können Sie mir vielleicht etwas Genaueres sagen.
Albert Wienstroer

Antwort:
Interessant, dass sich diese Mär immer noch hält!
Die Ameisensäure wirkt – bei Anwendung eines geeigneten Dispensers und passenden Außentemperaturen (siehe meine Monatsbetrachtungen) – als einziges Mittel so gut, dass nicht nur die Milben auf den Bienen, sondern im Durchschnitt auch 95 % der Milben getötet werden, die sich gerade in der verdeckelten Brut aufhalten.
Diese Tatsache können Sie selbst an Ihren Völkern mit einer der folgenden Methoden überprüfen:

Methode 1 (Methode für Fleißige):
Eine AS-Kurzzeit-Behandlung durchführen. Einen Tag nach Ende der Behandlung eine Wabe mit verdeckelter Brut entnehmen. Die Zelldeckel mit einer Pinzette öffnen, die Puppen vorsichtig herausziehen und auf ein Blatt Papier ablegen. Nachdem eine ausreichende Anzahl an Zellen geöffnet ist, die Wabe so umdrehen und fest ausklopfen, dass aus den geöffneten Zellen darin eventuell vorhandene Milben ebenfalls auf das Blatt Papier herausfallen. Nun mit einer Lupe bei guter Beleuchtung (Schreibtischlampe) die Puppen und das Blatt untersuchen. Sie werden vermutlich keine einzige zappelnde Milbe mehr finden. Sowohl die dunklen Muttermilben als auch die hellen Nachkommen sind leblos.
In diesem Jahr wird diese Methode allerdings sehr mühselig, denn in den meisten Völkern liegt der Varroa-Befall sehr niedrig. Bei einem natürlichen Milbenfall von 10 pro Tag müsste ich in meinen Völkern aktuell etwa 500 Zellen (ist etwa 1 dm2) öffnen, um 40 Milben zu finden. Daher ist vielleicht Methode 2 oder 3 besser geeignet.

Methode 2 (für „Faule“):
Bis 12 Tage nach Ende einer AS-Behandlung täglich den Milbenabfall in der Windel begutachten, notieren und die Windel frisch geputzt wieder unterschieben. Dabei eine Lupe und Taschenlampe verwenden, um gute Sichtverhältnisse zu schaffen, und eventuell täglich ein frisches Blatt dunkles Papier in die Windel legen. Achten Sie darauf, die Anzahl der dunklen Muttermilben und der deutlich helleren Entwicklungsstadien der Nachkommen (siehe Foto) getrennt zu notieren. Beim Betrachten des Ergebnisses werden Sie erkennen, dass dunkle Muttermilben über die gesamten 12 Tage in der Windel zu finden waren, während die Anzahl der hellen Stadien mit zunehmendem Abstand zum Behandlungsende stetig abnahm. Woran liegt das? Ganz einfach: Bei der AS-Behandlung sind nahezu alle Milben in den verdeckelten Zellen abgestorben, in die Windel fallen sie jedoch erst, wenn „ihre“ Biene aus der Zelle schlüpft. Zunächst schlüpfen natürlich diejenigen Bienen, die ihre Entwicklung zum Zeitpunkt der Behandlung schon fast beendet hatten. Sie beherbergen schon eine ganze Milbenfamilie, die sich seit Zellverdeckelung munter in der Zelle vermehrt hat. Die Muttermilben jedoch, die in einer frisch verdeckelten Zelle gerade erst mit ihrer Fortpflanzung beginnen wollten, kostet eine Ameisensäure-Dusche sofort das Leben. Sie können kein einziges Ei mehr ablegen. Wenn ihre Biene schlüpft, fällt einzig die getötete Muttermilbe in die Windel, die hellen Stadien fehlen völlig. So können Sie nicht nur nachweisen, DASS Ameisensäure in der verdeckelten Brut wirkt, sondern auch, dass sie die Milben SOFORT das Leben kostet und damit die sich entwickelnde Brut effektiv schützt.

Methode 3 (für ganz „Faule“):
Den natürlichen Milbenfall VOR einer AS-Behandlung erfassen. Anhand Abbildung 2 in der August-Monatsbetrachtung die Gesamtzahl der Milben im Volk ermitteln. Den Milbenfall zwei Tage nach Behandlungsbeginn und dann wieder 12 Tage nach Behandlungsende erfassen. Der erste Wert zeigt Ihnen, wie viele Milben auf den Bienen saßen – sie fallen sofort nach AS-Kontakt. Der zweite Wert verrät die Anzahl der Milben, die in den verdeckelten Brutzellen gestorben sind. Sie können ja erst fallen, wenn die Bienen schlüpfen. Sind in Ihren Völkern – wie in meinen Ende August – noch etwa 10.000 verdeckelte Brutzellen vorhanden, sind darin etwa 50 – 75 % Ihrer Milben zu finden.
Pia Aumeier,
Am Dornbusch 8, 44803 Bochum
Pia.Aumeier@rub.de