Wirkt Ameisensäure nicht auch gegen Viren?

Tobias Dittmann, Fachberater für Imkerei der Tierseuchenkasse Mecklenburg-Vorpommern, fragte zum Bienen-Check von Dr. Wolfgang Ritter in der März-Ausgabe: Wieso lassen sich mit Viren belastete Futterwaben durch Verdampfen von 60%iger Essigsäure desinfizieren, während bei einer Behandlung mit 60%iger Ameisensäure nur die Varroamilben reduziert werden, aber die Virenzahl weiter ansteigt? (siehe Grafik in „Grundwissen für Imker“, Beitrag 10-01-03).Liegt dies daran, dass sich die Viren bei der Varroabekämpfung im Volk befinden, während in den Futterwaben ein lebender Wirt fehlt?
Dr. Wolfgang Ritter antwortet: Es ist genau, wie Sie annehmen. Obwohl Ameisensäure, als die stärkere Säure im Vergleich zur Essigsäure, wesentlich stärker desinfizierend wirkt, fehlt den Viren in den Futterwaben das fremde lebende Genmaterial, um sich zu vermehren. Im Bienenvolk finden sie dieses in den Zellen der erwachsenen Bienen, der Brut und nicht zuletzt in den Milben. Mit jeder AS-Behandlung desinfiziert man zwar das Volk, aber eben nicht dauerhaft. Zudem darf man die AS-Behandlung nicht übertreiben, denn als Nebenwirkung werden auch Antagonisten abgetötet. Das sind sogenannte gute Bakterien und Pilze, die für die Widerstandskraft des Bienenvolkes gegen Krankheiten (wie z. B. Kalkbrut) sehr wichtig sind. Es ist deshalb sinnvoll, äußerlich saubere Waben aus an der Varroose eingegangenen Völkern mit Essigsäure zu desinfizieren. Man erhält sie im Imkereibedarfshandel.