Am Bienenstand – Worauf sollten Bienenvölker stehen?

Von der Europalette bis zum Bienenhaus nutzen Imker die verschiedensten Standplätze für Bienen. Doch worauf stehen die Bienen am Besten? Wir stellen die Vor- und Nachteile vor.

Im Imkereifachhandel laufen wir an Beuten, Rähmchen und Schleudern vorbei. Dabei wird eines außer Acht gelassen: Worauf die Bienen stehen – der Bienenstand. Wir fragen uns, ob unsere Bienenvölker auf einer geeigneten Unterlage und in einer optimalen Anordnung stehen. Natürlich sind dabei auch die Bedingungen des Standortes entscheidend, an dem man die Bienen aufstellt. Auch Wanderimker sollten sich gut auf die neuen Stellplätze ihrer Bienen vorbereiten. Dabei wissen wir längst, das Imker Individualisten sind: Auch für das Aufstellen von Bienenvölkern gibt es nicht nur eine Möglichkeit. Nur in einem sind sich alle einig: Die Beuten sollten besser nicht direkt auf dem Erdboden stehen. Für die leicht erhöhte Aufstellung sprechen tatsächlich mehrere Gründe: In Bodennähe bildet sich auch im Hochsommer ein feuchtes und kühles Klima. Es verschwindet erst, wenn der Tau von der Vegetation verdunstet ist. Außerdem wachsen bodennahe Fluglöcher rasch zu. Das vermeiden Sie, indem Sie die Völker auf eine betonierte oder gepflasterte Fläche stellen. In der folgenden Bildergalerie präsentieren wir einige Möglichkeiten, selten genutzte Beutenstände sowie Ideen für kleine Verbesserungen des Bienenstandes.

Foto: Jürgen Schwenkel

Bodennaher Bienenstand: Eine einfache Unterlage

Dünne Platten aus wasserfest verleimten Holzschichten, Dachpappe oder Zuschnitte von LKW-Planen gehören zu den einfachsten Varianten eines Bienenstandes. Sie legen diese einfach auf den Boden und treten die Vegetation so nieder, dass die Fläche eben ist. Dann stellen Sie die Beuten darauf ab. Diese Unterlagen sollten mindestens 30 Zentimeter nach allen Seiten überstehen, sodass die Bienen sich nicht durch Gras und Unterholz mühen müssen. Die Bienen stehen dabei sehr bodennah und sind trotzdem vor dem unmittelbaren Kontakt mit dem Erdreich geschützt.

Vorteil: Die Unterlage braucht beim Transport sehr wenig Platz, ist leicht und kostengünstig.

Nachteil: Je nach Beutenart belastet die niedere Aufstellungsart den Rücken beim Bearbeiten der Völker.

Etwas erhöhter Bienenstand: Paletten

Hier liegt eine Unterlage zwischen der Europalette und den Völkern. Sie schützt vor der Kälte im Winter. Foto: Jürgen Schwenkel

Rückenschonender lässt es sich an den Völkern arbeiten, wenn diese auf Paletten stehen. Außerdem dringen Mäuse und sonstiges Kleingetier weniger leicht in die Fluglöcher ein. Paletten gibt es in ganz verschiedenen Varianten. So können Sie im Imkereifachhandel spezielle Kunststoffpaletten erwerben, die leicht sind und für gängige Beutensysteme passen. Diese Paletten sind meist so konstruiert, dass sie sich platzsparend stapeln lassen. Handwerklich versierte Imker bauen sich zu ihren Beuten passende Paletten selbst. Alternativ können Sie leichte, kleine Einwegpaletten nutzen. Diese werden zum Beispiel von Druckereien gerne abgegeben, da sie sich auf diese Weise die Entsorgung sparen. Diese Paletten sind in der Regel leicht, aber nicht sehr lange haltbar. Nach rund drei bis fünf Jahren sind sie so verrottet, dass sie auseinanderfallen. Deutlich haltbarer, aber auch schwerer sind Europaletten. Auf jeder Europalette ist genug Platz für vier Beuten in den gängigen Beutensystemen wie Normalmaß, Zander und Langstroth. Erwerbsimker, die wandern, arbeiten oft mit Paletten, die exakt zu ihren Beuten passen, sodass sie beim Transport wenig Platz einnehmen. Großimker, die wandern, nutzen palettierte Völker zusammen mit einem geländegängigen Stapler, um große Völkermengen am Wanderstand ab- und aufzustellen.

Vorteil: Paletten schaffen eine ebene und sichere Standfläche für Bienenvölker im
Gelände. Wenn sie aus Holz bestehen, sind sie von der Anschaffung bis zur Entsorgung als Altholz sehr preiswert.

Nachteil: Paletten sind, sofern die Völker nicht fest darauf montiert sind, sperrig und brauchen verhältnismäßig viel zusätzlichen Platz beim Transport.

Der Wanderbock als Bienenstand für geringe Völkerzahlen

Der Wanderbock nimmt durch die beweglichen Beine beim Transport wenig Platz ein. Foto: Jürgen Schwenkel

Wanderböcke sind die klassische Variante, Völker aufzustellen. Es gibt viele Varianten, doch in der Regel bestehen sie aus zwei Seitenteilen, die auf dem Boden
stehen, und zwei Balken, die als Auflage für die Beuten darauf geschraubt oder
gelegt werden. Je länger die Balken gewählt werden, desto mehr Völker haben
auf ihnen Platz. Neben den im Handel erhältlichen Wanderböcken gibt es viele ähnliche Konstruktionen, die sich Imker selbst ausgedacht haben. So dienen zum Beispiel
Ziegelsteine oder Beton-Pflanzringe als Auflage für die Balken. Eine sehr leichte Balkenauflage sind ausrangierte Mineralwasser- oder Bierkisten. Darauf stehen die Bienenvölker hoch und lassen sich rückenfreundlich bearbeiten. Da beim Wanderbock das gesamte Gewicht des Bienenstandes auf nur vier Ecken ruht, muss er so aufgebaut werden, dass er auch bei Regen oder weichem Untergrund nicht einsinkt. Sonst besteht die Gefahr, dass er umkippt.

Vorteil: Wanderböcke lassen sich platzsparend im oder auf dem Imkerfahrzeug verstauen.

Nachteil: Je nach Bauart brauchen sie teilweise etwas Zeit, bis sie am Bienenstand einigermaßen waagerecht aufgebaut sind, sie eignen sich auch nur für höchstens vier bis sechs Völker.

Der Beutenstand in Reihe für Ordnungsliebende

Stehen Beuten in einer Reihe jeweils zu zweit eng beieinander, tut es sich der Imker leichter. Er kann auch von der Seite an seine Völker ran und hat Platz zum Abstellen von Waben. Foto: Jürgen Schwenkel

Schon aus der Konstruktion des Bienenstandes ergibt sich in vielen Fällen, wie die Bienen gruppiert werden. So stehen die Bienenvölker auf einem Wanderbock immer in Reihe. Die Völker werden dabei von hinten bearbeitet. So können die Deckel der Nachbarvölker als Ablage für den Smoker und andere Gerätschaften dienen. Allerdings verfliegen sich die Bienen dabei leicht. Dies ist bezüglich der Verbreitung von Krankheiten als kritisch anzusehen. Durch den Verflug kommt es zudem zu Unterschieden bei der Volksstärke. Völker am Rand der Reihe quellen regelmäßig vor Bienen über und haben die größten Honigvorräte. Der Grund: Ein Teil der von links oder rechts zurückkehrenden Sammelbienen fliegt einfach das erste Flugloch in der Reihe an und verstärkt die Randvölker immer mehr. Dies lässt sich verringern, indem Sie die Beuten so aufstellen, dass abwechselnd die Fluglöcher nach vorne oder nach hinten zeigen.

Vorteil: Reihenaufstellung sieht ordentlich aus und bietet Vorteile bei der Bearbeitung.

Nachteil: Der Verflug bewirkt unterschiedliche Völkerstärken und damit große Unterschiede bei der Schwarmneigung und den Honigerträgen. Bei Beuten mit Waben im „Kaltbau“ kommt es bei der Bearbeitung von hinten (seitlich ist nur bei den Außenvölkern möglich) zu Verdrehungen der Wirbelsäule, was aus ergonomischer Sicht nicht optimal ist.

Der Beutenstand in Gruppen zur besseren Orientierung

In Gruppen aufgestellte Beuten ermöglichen Flugbienen eine bessere Orientierung und sorgen für gleichmäßige Honigerträge pro Volk. Foto: Jürgen Schwenkel

Bienenvölker, die auf einfachen Unterlagen oder Paletten stehen, können problemlos
in Gruppen aufgestellt werden. Das empfiehlt sich besonders bei größeren Bienenständen. Je nach Größe der Unterlage sind Zweier- oder Vierergruppen möglich. Die Bienen finden sich leichter im jeweiligen Flugraum ihrer Beute zurecht und finden sie bei der Rückkehr
vom Sammelflug besser. Durch den geringeren Verflug werden Krankheiten weniger leicht übertragen. Allerdings steht der Imker bei der Bearbeitung seiner Völker oft in der Einflugschneise irgendeines Bienenvolkes, was das Anlegen einer Schutzbekleidung unabdingbar macht.

Vorteil: Eine Gruppenaufstellung ermöglicht eine bessere Beurteilung der Einzelleistung von Völkern, was für Züchter sehr wichtig ist. Das seitliche Bearbeiten von Magazinbeuten ist zum Wabenziehen und Zargenabnehmen aus ergonomischer Sicht vorteilhaft. Bei Trachtende ist die Räubereigefahr etwas geringer.

Nachteil: Ein Stand aus Zweier- oder Vierergruppen braucht mehr Platz im Gelände. Das bedeutet längere Fußwege für den Imker.

Tipp: Besonders in den späten Trachten, wenn die Bienenwohnungen nicht mehr so hoch sind und die Schwarmkontrolle überflüssig ist, können Sie die Beuten am Stand stapeln. Stabil stehen die Beuten, wenn Sie immer zwei Beuten als Unterlage für eine darauf gestellte Bienenwohnung nutzen. Um Verflug zu vermeiden, richten Sie die Fluglöcher unterschiedlich aus.

von Dr. Marc-Wilhelm Kohfink

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