Mit Ameisensäure gegen die Varroa behandeln

Die Ameisensäurebehandlung gegen die Varroamilbe ist weit verbreitet, da sie auch in der Brut wirkt. Wir zeigen, wie sie wirkt und worauf man achten muss.

In diesem Nassenheider-Verdunster tropft die Ameisensäure auf ein Vliestuch und verdunstet dort. Foto: Ute Schneider-Ritter
In diesem Nassenheider-Verdunster tropft die Ameisensäure auf ein Vliestuch und verdunstet dort. Foto: Ute Schneider-Ritter

Die Ameisensäure ist in der Natur ein bekannter Wirkstoff gegen Milben. Vögel baden beispielsweise gerne im Ameisenhaufen, um sich von den Milben in den Federn zu befreien. Auch bei Bienen wirkt die Ameisensäure gegen die Varroamilbe. Deshalb verdunsten Imker die Säure im Bienenstock, um die Milbe zu bekämpfen. Hier gibt es verschiedene Methoden der Ameisensäurebehandlung und einiges zu beachten.

So wirkt Ameisensäure gegen die Varroa

Ameisensäure ist farblos, stark ätzend und schwerer als Luft. Deshalb sinkt sie im Bienenstock nach unten und wird meistens von oben verabreicht. Sobald die Luft im Stock eine gewisse Konzentration von Ameisensäure enthält, werden die Milben abgetötet oder geschädigt. Die Luft im Stock ist dann so übersäuert, dass die Milben nicht mehr richtig atmen können. Das hängt mit dem Körper der Varroamilben zusammen: Die Milbe ist relativ leicht, hat aber eine große Körperoberfläche, deshalb hat sie eine höhere Atmungsaktivität als Honigbienen. Diese sind weniger empfindlich gegen den Ameisensäuredampf. Da die Zelldeckel bei Brutzellen luftdurchlässig sind, verbreitet sich auch dort die Ameisensäureluft und schädigt die Milben in der Brut. Zudem paaren sich die Milben nicht mehr so effizient, wenn Ameisensäure im Stock ist.

Vor- und Nachteile der Ameisensäurebehandlung

Wie jedes Varroabekämpfungsmittel hat auch die Ameisensäure Vor- und Nachteile.

Die Vorteile der Ameisensäurebehandlung:

  • Wirkt in geschlossener Brut: Als einziges Varroabekämpfungsmittel tötet die Ameisensäure auch Milben in der Bienenbrut ab.
  • Wirkt gegen Tracheenmilben: Die Tracheenmilbe ist ein weiterer Parasit, der den Bienen schadet. Diese Milbe sitzt in den Luftröhren der Bienen und wird deshalb vom Imker oft nicht bemerkt.
  • Keine Resistenzen: Bei neuartigen, synthetischen Mitteln werden Varroamilben schnell resistent, sie wirken also irgendwann nicht mehr. Bei der Ameisensäure als natürliches Mittel gibt es dieses Problem bisher nicht.
  • Zulassung für Bio-Imker: Als organische Säure darf die Ameisensäure gemäß EU-Öko-Verordnung auch von Bio-Imkern angewandt werden.
  • Frei verkäuflich: Die Ameisensäure 60% ad us. vet. kann man in der Standardzulassung direkt beim Hersteller, im Imkerfachhandel aber auch in der Apotheke kaufen.

Die Nachteile der Ameisensäurebehandlung:

  • Brutschäden: Befindet sich direkt unter dem Verdunster Brut, wird sie häufig geschädigt. Deshalb ist es gut, vor der Behandlung die Bienen etwas zu füttern. Dann legen sie oben in den Waben einen Futterkranz an und brüten nicht bis zum Oberträger durch. Auch bei hohen Temperaturen von über 30°C kann die Bienenbrut durch die Ameisensäure geschädigt werden. Die Bienen reißen die Brut dann heraus und man findet auf dem Flugbrett häufig weiße Larven.
  • Ameisensäure desinfiziert: Die Ameisensäure tötet auch Bakterien, Pilze und Viren ab. Ist doch positiv – sollte man meinen. Doch darunter sind auch wertvolle Mikroorganismen (Antagonisten), die dem Bienenvolk helfen, gesund zu bleiben.
  • Abhängig von Temperatur und Luftfeuchtigkeit: Damit die Säure wie gewünscht verdunstet, müssen die äußeren Bedingungen passen. Ist es zu kalt, wirkt die Ameisensäure nicht. Ist es zu warm, kann sie auch Brut und Bienen schaden. Da die Ameisensäure Wasser zieht, ist es schlecht, wenn die Luftfeuchtigkeit zu hoch ist. Dann ist die Konzentration der Ameisensäure in der Stockluft nicht hoch genug. Deshalb sollte man die Bienen nicht bei Regenwetter oder Nebel behandeln und nicht parallel füttern. Denn auch bei einer Fütterung verdunstet Wasser und die Wirkung der Ameisensäure ist geringer.
  • Bienen reagieren empfindlich: Teilweise brausen die Bienen auf, wenn man die Ameisensäure mit einem Verdunster in den Stock gibt. Manche Völker versuchen zudem die übersäuerte Luft hinaus zu fächern, deshalb sieht man vor den Fluglöchern häufig abgestorbenes, braunes Gras. Manche Bienen flüchten auch vor der Säure: Sie machen einen Bogen um die Verdunster und hängen sich teilweise vor dem Flugloch auf.

Wie und wann kann ich mit Ameisensäure behandeln?

  • Nach der Tracht: Mit Ameisensäure sollte man nur nach der Tracht behandeln, also wenn man keinen Honig mehr erntet. Der Honig enthält zwar natürlicherweise auch minimal Ameisensäure, bei einer offenen Verdunstung kann es aber zu größeren Rückständen kommen. Der Honig kann dann nicht mehr verkauft werden.
  • Auf das Wetter achten: Für die Verdunstung von Ameisensäure ist die Temperatur wichtig. Sie sollte zwischen 10°C und 30°C liegen. Zudem sollte die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch sein. Vor der Behandlung sollte man die Wetterprognose auf varroawetter.de checken.
  • Rechtzeitig behandeln: Prinzipiell behandelt man vor allem in den Sommermonaten Juli und August mit der Ameisensäure. Je nach Varroabelastung kann man aber auch im Juni oder September behandeln. Dabei sollte man bedenken, dass bei späten Behandlungen zwar die Milben abgetötet werden, die Bienen aber trotzdem mit Viren infiziert sein können. Es ist deshalb empfehlenswert, direkt nach dem Abschleudern die Bienen mit Ameisensäure zu behandeln.
  • Bodenschieber schließen: Den Bodenschieber sollte man vor der Behandlung schließen. Ansonsten entweicht die Stockluft zu schnell und die Ameisensäure ist nicht konzentriert genug.
  • Flugloch maximal offen: Verdunstet die Säure bei heißem Wetter zu schnell, kann die Konzentration in der Luft so hoch sein, dass die Bienen panisch werden. Deshalb sollte man das Flugloch auf die maximale Breite öffnen, dann können die Bienen die Luft etwas hinausventilieren.
  • Milbenfall kontrollieren: Etwa drei Wochen nach der Behandlung stellt sich der natürliche Milbenfall wieder ein. Dann sollte man ihn ständig im Blick haben, da Räuberbienen Varroamilben zwischen den Stöcken verteilen können. Dann ist eventuell eine zweite Behandlung notwendig.

Ameisensäure verdunsten: Nassenheider oder Liebig-Dispenser

Für die Verdunstung von Ameisensäure eignen sich verschiedene Geräte, beispielsweise der Nassenheider universal, der in ein Rähmchen eingebaut wird. Andere Modelle wie der Nassenheider professional oder der Liebig-Dispenser werden in einer Leerzarge auf die Waben gestellt. Bei allen Versionen gibt man die Ameisensäure in einen Behälter, die dann langsam über einen Docht verdunstet. Da die Ameisensäure kein verschreibungspflichtiges Medikament ist, dürfen Imker die Dosierung und die Anwendung auf eigene Gefahr variieren. Besser ist es allerdings, sich an das jeweilige Behandlungskonzept der Bieneninstitute zu halten.

Schwammtuch: Die Schockbehandlung

Obwohl es mittlerweile professionellere Verdunster gibt, verwenden viele Imker noch ein Schwammtuch zur Ameisensäurebehandlung. Hier tränkt man ein Haushalt-Schwammtuch mit 2 Milliliter pro besetzter DNM/Zander-Wabe. Anschließend legt man es auf die Rähmchen, die Säure verdunstet dort ziemlich schnell. Das hat Vor- und Nachteile: Das Schwammtuch taugt nicht für eine langfristige Behandlung, deshalb muss mehrmals behandelt werden. Bei feuchter, kalter Witterung kann das Schwammtuch jedoch eine geeignete Notmaßnahme sein.

Hier geht es zur Schritt-für-Schritt-Anleitung der Schwammtuchmethode: Ameisensäure mit Schwammtuch verdunsten

MAQS: Fertigstreifen für einfache Anwendung

Die MAQS-Streifen sind ein Fertigpräparat. Sie sind mit Ameisensäure imprägniert und geben diese über sieben Tage ab. Die Behandlung sollte nach der letzten Honigernte erfolgen und ist relativ einfach. Man muss nur die Verpackung entfernen und die Streifen auf die Waben legen. Dafür ist das Präparat vom Hersteller Andermatt BioVet im Vergleich zur Ameisensäure ad us. vet. relativ teuer. Ein Vorteil ist, dass MAQS auch bei niedrigen Temperaturen eine hohe Wirksamkeit aufweist. Bei hohen Temperaturen (über 30°C) kann es bei dieser Ameisensäurebehandlung hingegen zu Brutschäden kommen.

Hier geht es zur Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Behandlung mit MAQS: MAQS – mit Ameisensäuretreifen Bienen behandeln

Handschuhe und Brille: Vor Verätzungen schützen

Die Ameisensäure wirkt stark ätzend und schon kleinste Tropfen auf der Haut führen zu tiefen Wunden. Besonders gefährdet sind die Augen. Deshalb sollte man eine Schutzbrille und säurefeste Handschuhe tragen, wenn man mit Ameisensäure hantiert. Zudem sollte man immer einen Eimer oder Kanister mit Wasser dabei haben. Damit kann man die Ameisensäure abwaschen und verdünnen, wenn man doch mal kleckert. Bei Verätzungen sollte man sofort zum Arzt.

Wo kann ich Ameisensäure kaufen?

In Deutschland ist die Ameisensäure 60% ad us. vet. zur Varroabekämpfung zugelassen. Die 85%ige Ameisensäure ist hingegen nicht zugelassen und darf nur in Notfällen vom Tierarzt verschrieben werden. Die 60%ige Ameisensäure kann man in der Apotheke, beim Hersteller oder im Imkereifachhandel kaufen. Häufig sammeln Imkervereine auch Bestellungen für Varroabekämpfungsmittel.

bbu/01.06.20

Mehr zur Varroabehandlung finden Sie in unserem Sonderheft Varroa im Griff – Gesunde und vitale Bienen das ganze Jahr

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