Asiatische Hornisse: Nester entdeckt

Wenn die Blätter im Herbst von den Bäumen fallen, entdeckt man auch in Deutschland immer mehr Nester der Asiatischen Hornisse. Foto: Siegfried Dietrich

Helmut Grieser aus 79100 Freiburg berichtet über die Asiatische Hornisse Vespa velutina nigrithorax: „Ich habe einen französischen Imker im südlichen Burgund kennengelernt. Ich konnte ihm bei seiner Arbeit am Bienenstand über die Schulter sehen. Natürlich haben wir uns auch über unsere imkerlichen Erfahrungen ausgetauscht. Sein größtes Problem sind derzeit die Asiatischen Hornissen. Sie lauern vor dem Bienenstand. Dann fangen die zurückkehrenden Bienen ab, um sie an ihre Brut zu verfüttern. Seine Bienen hatten keine Chance. Sie trauten sich kaum noch wegzufliegen, um für ihre Brut Futter zu sammeln. Leider ließ sich das Hornissennest nicht ausfindig machen. Mich würde interessieren, ob Imkerinnen und Imker auch in Deutschland schon Erfahrungen mit der Vespa velutina gemacht haben. Und wie sie sich schützen.“

Antworten unserer Leser zu Erfahrungen mit der Vespa velutina

Asiatische Hornisse im eigenen Garten

Eckart Schöne aus 66424 Homburg/Saar hat diesen Sommer erstmalig die Asiatische Hornisse an seinen Bienenstöcken gesehen: „Da meine Bienenvölker in meinem Garten stehen, konnte ich die Asiatische Hornisse häufig beobachten. Aus meiner Sicht ist der Schaden während der Haupttrachtzeit unserer Honigbienen vergleichbar mit dem, den die Europäische Hornisse verursacht. Er wäre demnach tolerierbar, vorausgesetzt die Anzahl der Asiatischen Hornissen nimmt in den nächsten Jahren nicht zu.

Ich konnte ca. 10 bis 15 Tiere recht leicht mit einen Teichkescher fangen, da sie wie Schwebfliegen vor den Flugbrettern schweben. Am 5. November 2022, als ich dies geschrieben habe, beobachtete ich, dass die Asiatischen Hornissen bei ca. 7 °C immer noch fliegen. Sie dringen dabei in die Fluglöcher ein und kommen mit erbeuteten Bienen wieder heraus. Da ich befürchte, dass das weitergeht und sie die Winterruhe der Völker stören, habe ich die Fluglöcher mit Absperrgittern geschützt und Fotos gemacht. Mich würde interessieren, ob etwas bekannt darüber ist, dass die Asiatischen Hornissen miteinander in Hinblick auf Beutequellen kommunizieren. Ich hoffe stark, dass es im nächsten Jahr nicht mehr werden.“

Asiatische Hornisse am Flugloch entdeckt

Martin Hansmann aus 77787 Nordrach im mittleren Schwarzwald hat sie ebenfalls an seinem Stand beobachtet: „Wir haben durch Zufall die Asiatische Hornisse entdeckt. Sie wurde am 2. Oktober 2022 auf der Nordracher Gemarkung gemeldet. Sechs Tage später hörte ich im 15-Minuten-Takt immer wieder Hornissenflug an meinem nördlichen Bienenstand im Ernsbach ‚Heidenbühl‘. Mit einem Eimerdeckel habe ich dann meine erste Asiatische Hornisse erlegt. Ich glaubte an einen Einzelfall, aber das war eine Fehleinschätzung. Wir haben unsere Funde dem Fachberater beim Regierungspräsidium Freiburg, Bruno Binder-Köllhofer, gemeldet. Erst nach unserem Imkerstammtisch, als die Asiatische Hornisse Thema war, wurde ich mir der Tragweite bewusst. Entscheidend für den Fund der Asiatischen Hornisse ist, dass jeder Imker bei seinem Bienenstand eine halbe Stunde, ohne Unterbrechung, die Fluglöcher beobachtet, die Zeiten der Beobachtung aufschreibt und dokumentiert, so wie im Bienenbestandsbuch.

Das Absperrgitter verhindert, dass die Asiatische Hornisse eindringen kann. Foto: Jürgen Schwenkel

Asiatische Hornisse gefangen

Man muss den Imkern klar vermitteln, dass jeder Bienenstand betroffen sein kann. Wird die Asiatische Hornisse festgestellt, ist dies unverzüglich dem Vereinsvorsitzenden oder Bienensachverständigen mitzuteilen, der die Meldung an das Regierungspräsidium weitergibt. Nur durch den Austausch der Imker untereinander können wir diesem Schädling entgegentreten. Bei einem Volk haben wir dann die vorgelagerten Bienen in Hornissenabwehrhaltung vor dem Flugloch gesehen, damit war der hauptsächlich betroffene Bienenstand gefunden. Der Beflug von drei Hornissen zeitgleich vor den Fluglöchern war keine Seltenheit. Mit Bruno Binder-Köllhofer haben wir die Vorgehensweise abgestimmt, die Hornissen gefangen und mit Farbe markiert. Wir ließen sie frei, folgten ihnen und konnten zumindest in einer Linie die mögliche Lage des Nestes eingrenzen. Wir sind uns relativ sicher, in welchem Waldbereich das Nest ist, kommen aber nicht mehr weiter. Nun sind wir auf die Suche mit der Telemetrie angewiesen.“

Ein im Baum gefundenes Nest der Vespa velutina. Foto: Martin Hansmann

Am nächsten Tag entdecken sie das Nest der Vespa velutina

Teil einer Brutwabe der Vespa velutina aus einem gefundenen Nest. Foto: Martin Hansmann

Ein Tag später schreibt Martin Hansmann: „Heute waren wir Dank der Kollegen aus Nordrhein-Westfalen und der Telemetrie erfolgreich. Wir haben das Primärnest sowie das Sekundärnest in einer Kastanie in 30 Meter Höhe gefunden (siehe Fotos). Bei uns als Waldgemeinde sind wir ohne Telemetrie chancenlos. Selbst wenn man jetzt weiß, wo das Nest ist, muss man mit dem Fernrohr richtig suchen, um es zu sehen. Mit bloßem Auge ist das fast nicht möglich. Unterhalb des Baumes sieht man gar nichts von dem Nest.“

bienen&natur Ratgeber Armin Spürgin zu Erfahrungen mit der Vespa velutina

bienen&natur Ratgeber Armin Spürgin

Der erste deutsche Fund von Vespa velutina nigrithorax wurde vor einigen Jahren bei Kandel in der Pfalz gemacht. Seither wurden im Raum Karlsruhe immer wieder neue Standorte entdeckt. Zwischenzeitlich wurden so viele Asiatische Hornissen beobachtet, dass man den gesamten südwestdeutschen Raum als Verbreitungsgebiet der schwarzen Hornisse ansehen kann. Aber selbst in Norddeutschland ist man schon fündig geworden. Die Telemetrie ist eine sehr diffizile Technik, die nur von wenigen Spezialisten durchgeführt werden kann. Die Frage ist, ob sich beim momentanen Vorkommen von Vespa velutina eine Ausbreitung überhaupt noch aufhalten lässt.
Bei der diesjährigen Tagung der AFI (AG der Fachberater für Imkerei) berichteten einige Kolleginnen und Kollegen über praktische Erfahrungen.

Ihr Fazit war, grob zusammengefasst: Vieles stellt sich bei eigenen Erfahrungen etwas anders dar als in der bisherigen Literatur. Die Asiatische Hornisse hat sich von Imkern weitgehend unerkannt in Südwestdeutschland und angrenzenden Regionen mehr oder weniger flächendeckend ausgebreitet. Allgemeingültige Abwehrempfehlungen können noch nicht gegeben werden.

Den Tipp eines Kollegen möchte ich hier noch weitergeben: Die Asiatische Hornisse bejagt sehr gerne blühenden Efeu. Hier gelingt ihr die Jagd nach Bienen und anderen Insekten offensichtlich noch besser als an den Fluglöchern. Hoffen wir, dass die Ausbreitung weiterhin so verhalten verläuft und man rechtzeitig zu praktikablen Bekämpfungsmaßnahmen findet. Wenn Sie die schwarze Hornisse finden, machen Sie bitte Meldung an Ihren Fachberater. Dazu gibt es online ein Merkblatt.

von Armin Spürgin

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