Beutenklima – Lutz Eggert zum Thema im Januar

Unser Titelthema im Januar lautet Beutenklima. Berufsimker und Königinnenzüchter Lutz Eggert teilt in diesem Artikel seine Meinung zu diesem Thema:

Sich ändernde Umstände erzwingen Anpassung. In der Natur heißt das Evolution. Einige Imkerinnen und Imker siedeln Bienen in ihrem quasi-natürlichen Umfeld mit Baumhöhlensimulationen an. Und überlassen sie dann sich selbst. Doch die extremen Verlustraten in der Realität belehren uns eines Besseren: Es wird kaum einen Imker geben, der mit wilden Honigbienen arbeiten will. Auch, wenn es sich gut austräumt und man leicht ins Schwärmen gerät mit dieser Einstellung.

Beutenklima mit Gadgets

Der Weg zu mehr Verständnis führt womöglich zurück zu Ursprüngen. Und über einen Blick über die Grenzen hinaus. Um unser Handeln im Umgang mit Bienen erfolgreicher zu gestalten, muss man einige Fragen stellen. Und viel hinterfragen. Die Lösungen kommen nicht gleich morgen, sind vielleicht aber seit gestern schon da. Nur, dass wir sie nicht gesehen haben.
Die bestehenden Beutensysteme können mit Modifikationen sicher weiterbenutzt werden. Sinnvolle Hilfsmittel und neue technologische Gadgets (Werkzeuge) finden begründbare Einsatzmöglichkeiten. Dazu gehört die Wärmedämmung, diffusionsoffene Deckel und variierbare Lüftungssysteme. Mit diesen Systemen ist es zusätzlich möglich, den natürlichen Milbenbefall abzugleichen. Über diese Systeme zu diskutieren, ist notwendig. Dabei sollte jedoch nicht außer acht gelassen werden, welche Mechanismen die Bienen benötigen und welche sie selbst haben, um gesund zu sein und zu überleben.

Beutenklima in der Hitze

Ein Blick in die Imkerei südlicher Nachbarn, wie zum Beispiel Italien, könnte helfen. Dadurch ermöglichen wir uns mehr Handlungsoptionen für die bevorstehenden Hitzeperioden. Denn bei wem der Bienenstandort optimiert ist und wenn sich der Imker um Wasser und Nahrungsversorgung der Völker gekümmert hat, stellt sich nicht so sehr die Material-Frage. Ob Warm- oder Kaltbau die bessere Variante ist. Ob Styropor oder Holz, Metall oder Holzdeckel sich mit Vorzügen übertreffen.
Sicher helfen eine Thermofolie oder ein Thermoschied kränkelnden oder schwachen Völkern besser über die Runden zu kommen. Doch habe ich auch schon Völker in widrigen Umständen in Bezug auf Standort und Bienenwohnung gesehen. Diese waren genetisch und ernährungsbedingt so gut aufgestellt, dass sie all diese Missstände locker kompensiert haben. Sie brachten eine für Imker und Bienenvolk traumhafte Saison aufs Parkett.

Beutenklima verstehen

Sicher schlummern in unseren den Bienen angebotenen Behausungen noch einige unbeachtete Tatsachen. So zum Beispiel auch das Strömungsverhalten in den angepassten Bruträumen. Dieses ruft unter Umständen Schimmel oder einen Mehrverbrauch hervor. Damit ist es der Bienengesundheit nicht unbedingt zuträglich.
Das Imkerei-Metier ist nicht einfach, viele kleinste Bausteine und Umstände haben enormen Einfluss. Es ist unsere Aufgabe, die Einflüsse zu erkennen und zu verstehen. Und die Erkenntnisse dann in Handlung umzusetzen. Helfen tut sicher dabei auch das Anpassen und Verändern der Sprache: Wer nachhaltig erfolgreich Bienen halten möchte, sollte beginnen, mit ihnen zu leben und nicht von ihnen. Und die erste Frage, die sich in einer erfolgreichen Beziehung gestellt werden sollte: Was braucht mein Partner? Um sich entfalten zu können? Diese Fragen müssen wir stellen, ohne zu ignorieren, was wir selbst benötigen, um vollwertiger Partner zu sein.

Beutenklima in der Hobbyimkerei

Innerhalb der Imkerschaft können wir viel voneinander lernen, doch ein Freizeitimker hat andere Ambitionen als ein Berufsimker. Wer also neu beginnt, darf sich schon mal fragen, ob er wirklich eine 10er- oder 12er-Riesenkiste oder einen Doppelbrutraum braucht oder ob ein anderes System mit 6 Waben, was nach oben wächst und nur einen 10-kg-Honigraum hat, viel geeigneter ist für ihn und seine Biene. Warme Luft steigt ja auch nach oben. Womöglich ist der notwendige CO2-Gehalt zur Winterruhe in einer vertikal ausgerichteten Architektur von den Bienen besser zu halten?

Anregungen zur Imkerei

Vielleicht bremsen wir den Honigertrag durch Maßnahmen wie Wachsausbau oder frühzeitige Brutentnahme. Oder wir lassen den Bienen einfach ihren Honig zu einem vernünftigen Anteil. Und reduzieren den Honig-Zucker-Tausch. Arbeiten dann aber mit gut gezüchteten Königinnen, die Selbstheilungsvermögen an ihre Töchter, die Arbeitsbienen, weitergeben. Wir können unsere Bienenbehausung auch nicht mehr Beute nennen. Oder von Kellerhaft sprechen. Wir können beginnen, mit der Wahl unserer Worte auch unser Denken zu beeinflussen. Und letztendlich in ein vernünftiges Handlungsmuster gelangen.

von Lutz Eggert

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