Bienen kaufen: Das ist wichtig

Wer anfangen will zu imkern, muss sich zuerst Bienen kaufen. Wir zeigen, welche Unterschiede es gibt, was wichtig ist und wie viel ein Bienenvolk kostet.

Wer Bienen kaufen will, sollte sich davor ein Gesundheitszeugnis zeigen lassen. Foto: Jürgen Schwenkel
Wer Bienen kaufen will, sollte sich davor ein Gesundheitszeugnis zeigen lassen. Foto: Jürgen Schwenkel

Die Bienenhaltung ist im Trend. Viele Menschen, die der Natur etwas Gutes tun wollen, beginnen deshalb zu imkern. Doch Bienen brauchen viel Pflege, deshalb sollte man einen Kurs (Imkerkurs machen: Das ist wichtig) besuchen oder bei einem Imkerpaten hineinschnuppern, bevor man Bienen kauft. Denn: Wenn man sich nicht um die Bienen kümmert, sterben sie. Das kostet nicht nur Geld, sondern auch Nerven. Bienenfreundliche Bepflanzungen oder Wildbienenhotels sind für Naturinteressierte oft die bessere Alternative.

Wo kann ich Bienen kaufen?

  • Lokal, beim Imker: Wer Bienen kaufen möchte, sollte zuerst im Verein nachfragen, ob andere Imker Völker verkaufen. Alternativ inserieren im Frühjahr auch viele Imker in den Fachzeitschriften und auf Imkerbörsen, meist mit Postleitzahl. Dann kann man bei den Imkern anrufen oder ihnen schreiben, um einen Termin in der Nähe zu vereinbaren.
  • Online mit Versand: Im Internet gibt es aber auch Plattformen, auf denen man Kunstschwärme bestellen kann, die dann per Post im Paket geliefert werden, sogenannte „Paketbienen“. Oft ist die Herkunft solcher Bienen aber nicht klar. Sie können beispielsweise aus Süditalien kommen. Nicht wenige Bienen sterben bei diesem langen Transport. Zudem kann es sein, dass mit diesen Bienen Schädlinge wie der kleine Beutenkäfer eingeschleppt werden. Daher sollte man seine Bienen eher bei regionalen Imkern kaufen und sich immer ein Gesundheitszeugnis zeigen lassen.

Kunstschwarm, Wirtschaftsvolk, Ableger: Was ist was?

Es gibt verschiedene Arten von Bienenvölkern. Das verwirrt Anfänger oft, denn jede Form hat seine Eigenheiten:

  • Wirtschaftsvolk: Dieses Volk wurde bereits überwintert und ist im Frühjahr so stark, dass die Bienen direkt nach Blühbeginn Nektar eintragen. Wirtschaftsvölker werden deshalb meist im April vor dem Aufsetzen des Honigraums verkauft. Der Käufer kann dann die Honigräume aufsetzen, bereits im ersten Jahr Honig ernten und aus dem Volk schon Ableger bilden. Wer mit der Imkerei starten möchte, fängt am besten mit mindestens drei Völkern an. So sieht man Unterschiede besser und verliert nicht alle Völker, falls es mal Komplikationen gibt.
  • Ableger: Imker bilden diese Jungvölker, indem sie Wirtschaftsvölkern Brutwaben entnehmen und damit ein neues Bienenvolk aufbauen. Ein Ableger enthält daher zwei bis fünf Brutwaben plus eine Königin und entwickelt sich über den Sommer zu einem vollwertigen Volk. In Ausnahmefällen können starke Ableger im ersten Jahr schon Honig bringen. Ansonsten sind sie im ersten Jahr pflegeleicht und deshalb gut für Anfänger: Sie wollen mit ihrer jungen Königin nicht schwärmen und müssen im ersten Jahr „nur“ erweitert, gefüttert und behandelt werden.
  • Schwarm: Naturschwärme gibt es vor allem im Mai und Juni: Die alte Königin zieht mit einem Teil der Bienen aus. Wer einen herrenlosen Schwarm findet, darf diesen behalten – oft verschenken oder verkaufen Imker ihre Schwärme auch an Jungimker. Diesen Schwarm kann man einfach in eine Beute einschlagen und ihn dann ein neues Wabenwerk bauen lassen.
  • Kunstschwarm: Ein Kunstschwarm wird von einem Imker gebildet, indem er Bienen abfegt und diesen eine Königin gibt. Der Vorteil: Die Bienen sind „nackt“, sitzen also nicht auf Waben. Kunstschwärme sind also ideal, wenn man ein anderes Beutensystem hat. Man sollte Kunstschwärme gleich nach der Bildung flüssig füttern, da sie keine Vorräte haben und sonst verhungern. Zudem sollte der Kunstschwarm nicht zu klein sein – Mitte Juli sollte er etwa 2,5 Kilogramm (ca. 25.000 Bienen) haben.
  • Einzelne Königin: Züchter verkaufen auch einzelne Königinnen. Diese können aber nicht allein überleben und brauchen andere Bienen. Mit einer Königin oder einer Weiselzelle kann man einen Ableger mit verdeckelter Brut oder einen Kunstschwarm bilden. Alternativ kann man im Wirtschaftsvolk die Königin auswechseln, wenn man mit der alten nicht mehr zufrieden ist. Diesen Prozess nennt man Umweiseln.

Bienen kaufen: Darauf sollte man achten

Wer Bienen kaufen möchte, sollte auf verschiedene Dinge achten, damit man den Kauf später nicht bereut.

  • Gesundheitszeugnis: Beim Kauf sollte man ein Gesundheitszeugnis bekommen. Das bestätigt, dass die Bienen zuvor von einem Bienensachverständigen untersucht wurden, gesund sind und keine Seuchen wie die Amerikanische Faulbrut haben.
  • Junge Königin: Damit man Freude an den Bienen hat, sollte das Volk eine junge Königin aus dem Vorjahr haben: Sie ist nicht so schwarmfreudig und leistungsstärker als ältere Königinnen.
  • Brut: Beim Umhängen sollte ausreichend Brut in allen Stadien vorhanden sein. So sieht man, dass die Königin vorhanden und gesund ist.
  • Sanftmut: Mit stichigen Bienen zu arbeiten, macht keinen Spaß. Deshalb sollte man beim Kauf auf sanftmütige Bienen achten.
  • Dichter Bienensitz: Die Bienen sollten dicht auf den Waben sitzen und alle Rähmchen besetzen. Wirtschaftsvölker sollten im Frühjahr beim Kauf so stark sein, dass man sie bald aufsetzen kann.
  • Wabenbau: Das Volk sollte nicht nur auf alten, schwarzen Waben sitzen. Wenn die Bienen noch Futterkränze haben und teilweise schon frisch bauen, ist das ein Zeichen von Vitalität.
  • Rasse: In Mitteleuropa sind verschiedene Unterarten der Honigbiene Apis mellifera heimisch. Für uns Imker sind vor allem die Carnica und die Buckfastbiene interessant. Anfangs sollte man sich bei anderen Imker informieren, welche Rasse in der Region üblich ist.
  • Rähmchenmaß: Wer Bienenvölker kaufen will, sollte schauen, dass der Verkäufer das gleiche Maß hat. Denn es ist oft mühsam bis unmöglich, die Bienen mit Waben vom einen System ins andere zu bekommen. Kunstschwärme sind hier besonders gut, sie sind für jedes System kompatibel und richten sich ihr neues Zuhause selbst ein.

Was kostet ein Bienenvolk?

Die Preise für Bienen sind unterschiedlich – auch weil sie in verschiedenen Formen gehandelt werden. Prinzipiell kann man bei Zander oder Deutschnormalmaß bei Wirtschaftsvölkern etwa 15 Euro pro Brutwabe rechnen. Bei Dadant ist es etwas mehr. Einzarger auf zehn Waben kosten so zwischen 100 und 130 Euro, Zweizarger zwischen 130 und 180 Euro. Ableger beginnen preislich meist ab 50 Euro. Enthalten die Völker Zuchtköniginnen oder sind biozertifiziert, können sie teurer sein. Kunstschwärme werden oft für etwa 100 Euro angeboten.
Wer Bienen kaufen will, sollte aber nicht nur auf den Preis schauen. Gutes Material, Beratung und ein zuverlässiger Imker, den man später auch mal etwas fragen kann, sind wichtiger als ein paar Euro Ersparnis.

Wie transportiere ich die Bienen?

  • Volk umhängen: Wer ein Wirtschaftsvolk oder einen Ableger kauft, bringt eine eigene Beute mit und hängt die Bienen um. Dafür braucht es einen Boden mit Fluglochkeil, Leerzargen, Deckel und Spanngurte für den Transport. Beim Umhängen schiebt man die bisherige Beute zur Seite und stellt den neuen Boden auf den alten Platz, so fliegen die Bienen in den frischen Boden. Anschließend hängt man das Volk Wabe für Wabe um. Dabei ist es gut, wenn man auf den Rähmchen die Königin sieht – sie kann aber auch irgendwo an der Zargenwand herumkrabbeln.
  • Karton für Kunstschwärme: Bei Kunstschwärmen haben professionelle Verkäufer oft spezielle Kartons, die belüftet sind. In ihnen lassen sich die Bienen gut transportieren und später in die neue Beute einschlagen.
  • Bienen abends transportieren: Wer die Bienen nachmittags umhängt, kann abends, wenn sie nicht mehr fliegen und alle Damen im Stock sind, das Flugloch mit dem Keil oder Schaumstoff verschließen. Sitzen noch ein paar Bienen vor dem Flugloch, kann man sie mit einer Wasserspritze besprühen, dann ziehen sie in den Stock ein.
  • Kästen gut gurten: Anschließend sollte man die Beute mit einem Spanngurt so zusammenzurren, dass nichts verrutschen kann und sie sicher im Kofferraum oder einem Anhänger verladen.
  • Bienen kühl halten: Man sollte die Bienen nur transportieren, wenn es kühl ist. Ist es draußen heiß, sind die Bienen aufgeregt und ventilieren mit den Flügeln, um den Stock zu lüften – ist die Beute nahezu luftdicht, erreichen sie das Gegenteil: Die Temperatur steigt an. Die Bienen können dabei so viel Wärme erzeugen, dass ihre Waben schmelzen und das Futter flüssig wird. Die Bienen verkleben und ersticken dann in ihrem eigenen Stock. Um das zu verhindern, sollten sie genügend frische Luft bekommen: Entweder über einen Drahtgitterboden oder über einen offenen Wanderdeckel (ist so engmaschig abgedichtet, dass Luft hindurch kommt, aber keine Bienen). In den Wanderdeckel kann man auch Kühlakkus legen, um eine Überhitzung der Bienen zu vermeiden.

Wo soll ich meine Bienen aufstellen?

Wer überlegt, Bienen zu kaufen, sollte davor schon mal schauen, wo er sie aufstellen kann. Wichtig ist, dass der Platz gut vier Kilometer vom letzten entfernt ist, sonst fliegen die Bienen zurück. Wenn noch keine Bienen vorhanden sind, muss man den Standort beim Veterinäramt anmelden. So können die Behörden Seuchen wie die amerikanische Faulbrut effektiv bekämpfen, wenn sie ausbrechen.
Ansonsten sollte man die Beuten nicht direkt auf den Boden stellen. Paletten oder mobile Ständer schützen vor Nässe und schonen den Rücken, wenn wir Imker uns nicht so sehr bücken müssen. Wenn man die Bienenvölker an ihren Platz bringt, einfach abgurten und das Flugloch aufmachen. Die Bienen fliegen sich dann am neuen Standort ein und sammeln bald fleißig Pollen und Nektar.

Adelheid Klein/bbu/20.04.20

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Wieviel Honig bringt ein Bienenvolk?