Wachs: Ernten, verarbeiten und veredeln

Bienenwachs ist ein vielseitiger Stoff, der für Imker oft mit viel Arbeit verbunden ist. Wir zeigen, wie man Wachs ernten, verarbeiten und veredeln kann.

Mit einem Sonnenwachsschmelzer kann man Deckelwachs, Altwaben, Drohnenrahmen oder Wildbau einschmelzen. Foto: Armin Spürgin
Mit einem Sonnenwachsschmelzer kann man Deckelwachs, Altwaben, Drohnenrahmen oder Wildbau einschmelzen. Foto: Armin Spürgin

Im Gegensatz zu Honig gilt Wachs eher als Nischenprodukt. Das liegt vor allem daran, dass die Bienen weit weniger Wachs als Honig produzieren. Zudem ist die Wachsverarbeitung eine eher unbeliebte Winterarbeit, die Imker gerne aufschieben. Doch es lohnt sich, zu wissen, wie man Wachs ernten und verarbeiten kann – denn es ist ein vielseitiger Rohstoff.

Bienenwachs: Inhaltstoffe und Heilsamkeit
Imker beschäftigen sich vor allem mit den praktischen Aspekten des Wachses: Wie man es gewinnen und verarbeiten kann. Dabei ist es interessant, einen Schritt zurückzugehen und zu schauen, wie die Bienen das Wachs herstellen, wie es chemisch zusammengesetzt ist und weshalb das Wachs so wertvoll in der Kosmetik ist.

Hier erfahrt ihr mehr zum Rohstoff Bienenwachs und seiner Verwendung: Bienenwachs – ein wahres Multitalent

Wachs ernten

Die Bienen formen aus den einzelnen Wachsschuppen Waben. Wollen wir Imker Wachs ernten, müssen wir ihnen einen Teil der Waben wegnehmen. Dafür gibt es verschiedene Ansätze.

Deckelwachs ausschmelzen
Wer seinen Honig nicht gerade presst oder Wabenhonig verkauft, erhält bei der Honigernte Abdeckelwachs. Doch das Wachs ist hier nicht nur ein Nebenprodukt – da es frisch geschwitzt ist, ist dieses Jungfernwachs besonders rein und enthält keine Schadstoffe. Deshalb verarbeitet man es meist zu Mittelwänden oder Kosmetik.

Dabei kann man auch das Deckelwachs verschieden verarbeiten: Was tun mit dem Abdeckelwachs?

Drohnenrahmen: Varroa bekämpfen und Wachs ernten
Viele Imker schneiden im Frühjahr Drohnenrahmen aus, um die Varroa zu bekämpfen. Ein positiver Nebeneffekt: Hier kann man qualitativ bestes Wachs ernten. Denn: Wir geben den Bienen im Baurahmen keine Mittelwand, daher müssen sie das Wachs frisch schwitzen.

Hier erfahrt ihr, wie man einen Baurahmen einsetzt: Drohnenrahmen – Varroa bekämpfen und Wachs ernten

Totale Brutentnahme - Altwaben entnehmen
Ein weiteres biotechnisches Verfahren der Varroabekämpfung ist die Totale Brutentnahme. Hierbei entnimmt man die Bienenbrut und mit ihr die darin sitzenden Milben. Die Brut kann man entweder in einer Brutscheune schlüpfen lassen oder die Waben sofort einschmelzen. So hat man auch eine Bauerneuerung.

Hier erfahrt ihr, welche Vorteile eine totale Brutentnahme hat und worauf man achten muss: Totale Brutentnahme – Varroabekämpfung und Bauerneurung

Königin käfigen - Waben brutfrei bekommen
Wenn die Bienen schwärmen, braucht der Schwarm ein paar Tage Zeit, bis er ein neues Wabenwerk errichtet hat. Und auch die junge Königin legt nicht sofort. Deshalb haben Schwarm und Muttervolk natürlicherweise eine Brutpause – die auch die Varroaentwicklung hemmt. Sperren Imker die Königin für drei Wochen in einen Käfig, bekommen sie den gleichen Effekt. Das Volk ist brutfrei und kann mit Oxalsäure behandelt werden. Gleichzeitig kann man brutfreie Altwaben entnehmen und so Wachs ernten.

Hier gibt es eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie man die Königin käfigen kann: Königin käfigen – Brutstopp gegen Varroa

Wachs bearbeiten

Nach der Ernte enthält das Wachs meist noch Schmutzpartikel. Deshalb muss man es noch weiter bearbeiten und reinigen, bevor man das Wachs verarbeiten kann.

Wachs einschmelzen
Sowohl im Deckelwachs, als auch in den Leerwaben befinden sich noch luftige Hohlräume. Zum Glück lässt sich das Wachs komprimieren, indem man es heiß macht. Im Frühjahr und im Sommer kann man hierfür einen Sonnenwachsschmelzer nehmen. Ab Herbst spendet die Sonne nicht mehr so viel Energie, dann ist ein Dampfwachsschmelzer besser. 
Wachs säubern für Mittelwände und Kerzen
Rinnt das Wachs aus dem Schmelzer, erstarrt es zu einem gelben Block. Will man das Wachs verarbeiten, muss man es nun aber nochmals säubern. Denn: Im Wachs befinden sich oft noch Schmutz oder Pollenreste. Kerzen rußen und knispern beispielsweise, wenn das Wachs nicht rein ist. Um das Wachs zu klären, kann man es filtern und langsam abkühlen lassen oder Zitronensäure unterrühren.

Hier gibt es eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie man das Wachs klären kann: Wachs reinigen für Kerzen und Mittelwände

Der Wachskreislauf: Altwachs ausschmelzen

Es gibt zwei Arten von Wachs: Jungfernwachs, das von den Bienen frisch geschwitzt wurde, und deshalb besonders rein ist und Altwachs, welches schon länger im Stock hängt. Das Altwachs kann mit Keimen und Schadstoffen belastet sein, deshalb wird dieses Wachs anders verarbeitet.

Sortieren und vor Wachsmotten schützen
Wer schon mal eine Zarge mit braunen Waben im Keller vergessen hat, kennt sie: die Wachsmotte. Dabei fressen die Wachsmotten eigentlich gar kein Wachs, sondern vor allem die Nymphenhäutchen, Larvenkot oder Pollen. Deswegen ist es ratsam, gelbe, unbebrütete Waben extra zu lagern. Dunkle Waben sollte man rasch ausschmelzen, so kann man immerhin noch das Wachs ernten.

Hier erfahrt ihr, wie man die Waben vor den Wachsmotten schützen kann: Wachsmotten erkennen und bekämpfen

Honigwaben ausschlecken lassen und einlagern
Bevor man die gelben Waben aus dem Honigraum einlagert, sollte man sie besser noch von den Bienen ausschlecken lassen. Denn in den Zellen bleiben auch nach dem Schleudern immer noch kleine Honigreste zurück. Wenn diese Reste Feuchtigkeit anziehen, können sie gären und auch den Honig im nächsten Jahr kontaminieren. Deshalb sollte man die Waben noch einmal den Bienen aufsetzen. Die schlecken dann den restlichen Honig aus den Zellen.

Hier gibt es Tipps, wie man Honigwaben ausschlecken lässt und einlagert: Honigwaben ausschlecken lassen – so geht’s

Der offene Wachskreislauf - so geht's
Da das Wachs für die Bienen wie eine Niere wirkt und Schadstoffe wie Pestizide bindet, sollte man regelmäßig eine Wabenerneuerung machen. Wichtig ist dabei, dass man die Mittelwände aus unbelastetem Jungfernwachs fertigt.

Hier gibt es eine Anleitung, wie man einen Wachskreislauf aufbaut: Eigener Wachskreislauf – so geht’s

Wachs verarbeiten und veredeln

Wachs ist ein wahres Multitalent. Mit ihm kann man beispielsweise Fett-Wasser-Gemische stabilisieren – deshalb wird es auch oft in Salben und Cremes verwendet.

Kerzen gießen mit einer Silikonform
Als die Zeidler im Mittelalter Bäume hochgeklettert sind, um den Bienen Wabenstücke zu klauen, war ihr Hauptziel oft gar nicht der Honig – sondern das Bienenwachs. Denn Kerzen waren damals beim Adel und in den Klöstern die einzige Lichtquelle. Wir erklären, wie man selbst Kerzen aus Bienenwachs gießen kann.

Hier gibt es eine Anleitung, wie man Kerzen gießt: Kerzen gießen – so mache ich es selber

Statt Plastikfolie: Bienenwachstücher selber machen
Brot einpacken, Schüsseln abdecken, Obst einwickeln – statt Frischhaltefolie geht das auch mit Wachstüchern. Die Bienenwachstücher können mehrfach verwendet werden und sind deshalb nachhaltiger. Kauft man die Tücher, sind sie oft teuer. Dabei lassen sie sich einfach und günstig zuhause mit eigenem Wachs herstellen.

Hier gibt es eine Anleitung mit Video, wie man Bienenwachstücher selbst herstellen kann: DIY – Bienenwachstücher selber machen

Selbstgemacht: Wind- und Wetterbalsam aus Bienenwachs
Skifahren oder Spazierengehen trotz eisiger Kälte – wenn uns im Winter kalte Winde ins Gesicht wehen, hilft eine normale Tagescreme als Schutz wenig. Sie enthält zu viel Wasser. Ein Wind- und Wetter-Balsam aus Bienenwachs enthält dagegen natürliche Fette, die sich wie ein schützender Mantel auf die Haut legen.

Hier gibt es eine Anleitung, wie man den Balsam mit Wachs selber machen kann: Wind- und Wetterbalsam aus Bienenwachs

bbu